11. Dezember 2018 von Anja Kley in Newsroom
© Sana Klinikum HofDr. Michael Dykta, Oberarzt der Allgmein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Sana Klinikum Hof
© Sana Klinikum Hof

Hilfseinsatz in Indien und Bangladesch

Ein Erlebnisbericht von Dr. Michael Dykta, Oberarzt der Allgmein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Sana Klinikum Hof

Seit zehn Jahren reist Dr. Michael Dykta regelmäßig mit seiner Hilfsorganisation FriendCircle WorldHelp in Krisengebiete.

Am Dienstag berichtete er im Sana Klinikum Hof über seine aktuellen Projekte in Bangladesch und Indien.

Sie sind eindrücklich, die Bilder, die Dr. Dykta in seinem Vortrag zeigt. Das Elend in einem großen Flüchtlingslager in Bangladesch sieht man da, eine verletzte Frau, die vor Schmerzen laut wimmert, die unhaltbaren hygienischen Zustände in den Quartieren der ärmsten der Armen. Aber auch einen frisch ausgebildeten Ersthelfer, der stolz seinen ersten selbst angelegten Verband präsentiert, aufgeregte Kinder, die ihre neuen Schuluniformen anprobieren und einen strahlenden Apotheker, der in seiner frisch eingerichteten Apotheke sitzt. Betroffenheit möchte er damit nicht auslösen, sagt der Chirurg, der als Oberarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Sana Klinikums arbeitet. „Wir helfen materiell, aber spirituell bekommen wir sehr viel zurück.“

Seit mittlerweile zehn Jahren reist Dr. Dykta mit der Hilfsorganisation FriendCircle WorldHelp, die er 2009 gemeinsam mit seiner Schwester Alexandra Schmitz und ihrem Ehemann Frank gründete, in Krisenregionen und leistet dort Hilfe. Insgesamt 48 Reisen hat der Verein mittlerweile organisiert. Die Reise- und Aufenthaltskosten werden privat getragen, Zuschüsse aus der Vereinskasse gibt es nicht. Um eine Bereicherung Dritter durch Korruption zu verhindern, erfolgen die Vor-Ort-Analyse und die Projektleitung ausschließlich durch den FriendCircle WorldHelp. „Wenn wir ein Projekt durchführen, dann sehen wir uns die Situation immer persönlich vor Ort an“, erzählt Dr. Dykta. „Wir finden heraus, welche Hilfen genau benötigt werden und wo man uns am dringendsten braucht. Dort werden wir dann aktiv.“

In Bangladesch, das der Chirurg in diesem Jahr mit einem Team besuchte, war das ein Flüchtlingscamp der Rohingya, die von den Vereinten Nationen als am stärksten verfolgte Minderheit der Welt eingestuft werden. „Wir haben vor allem versucht, die Situation der unregistrierten Flüchtlinge zu verbessern.“ Von diesen gibt es derzeit etwa 15.000, die in insgesamt sieben Teillagern leben. „Eines der größten Probleme ist natürlich die Wasserversorgung“, sagt Dr. Dykta. „Sauberes Trinkwasser gibt es kaum und auch ein funktionierendes Müllentsorgungssystem sucht man vergeblich.“ Während des Monsuns sei das komplette Lager überschwemmt, die Hütten teilweise nicht bewohnbar. „Die Zustände dort sind vermutlich das Schlimmste, was ich je gesehen habe. Es ist unter menschlicher Würde.“

Sechs Brunnen, an denen sich die Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen können, ließen die Helfer schließlich bohren. Außerdem richteten sie Ersthilfsstationen und behelfsmäßige Apotheken mit den notwendigsten Medikamenten ein und bildeten Ersthelfer aus, die zumindest die grundsätzliche medizinische Versorgung übernehmen können. „Unsere Hilfe ist gut angekommen“, freut sich der Chirurg rückblickend. „Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten und stehen noch immer mit den Menschen in Kontakt.“

In Indien richtete der FriendCircle WorldHelp ein medizinisches Camp ein. Ein siebenköpfiges Team bestehend aus Ärzten, einem Rettungsassistenten und einem Zahnarzt samt Helferin schlug auf dem Hof einer abgelegenen Schule im Norden Indiens seine Zelte auf und behandelte etwa 1100 Patienten. „Das ist wie eine Reise in eine andere Zeit“, findet Dr. Dykta, der mit seiner Organisation 2009 erstmals Indien besuchte. Die Bestimmung grundsätzlicher Laborwerte oder die Durchführung eines Ultraschalls sind dank Point of Care Units, die die Helfer mitführen, aber möglich. „Das erleichtert die Einschätzung der Schwere einer Erkrankung natürlich immens.“ Denn die Einweisung in ein Krankenhaus ist dort keineswegs problemlos möglich. „Es gibt natürlich staatliche Krankenhäuser, aber in unserem Fall war das nächste vier Autostunden entfernt. Und die Straße dorthin ist eher eine Buckelpiste.“ Etwa 40 bis 50 Patienten mussten letztendlich zur weiteren Behandlung in ein Hospital verbracht werden.

Die Spanne der behandelten Erkrankungen im Medizinischen Camp ist breit. „Sehr häufig sieht man Mangelerkrankungen“, sagt Dr. Dykta. „Ebenso Osteoporose bei Frauen. Kinder leiden teilweise unter schweren Ohren- und Atemwegsinfekten.“ Vieles sei relativ unkompliziert zu behandeln, doch kommen auch immer wieder schwere Fälle vor.

Dabei machen die medizinischen Behandlungen nur etwa 15 Prozent der Arbeit der Organisation aus. Weitere Schwerpunkte sind die Versorgung der Hilfebedürftigen mit Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und notwendiger Kleidung, außerdem Schul- und Weiterbildung. So finden zum Beispiel laufend Schulprojekte in indischen Leprakolonien statt. 950.000 Euro an Spenden hat der FriendCircle WorldHelp seit seiner Gründung bereits eingenommen und damit in Not- und Krisensituationen geholfen. Die Helfer legen wert darauf, ihre Arbeit durch ausführliche Text-, Foto- und Videodokumentation transparent zu gestalten. Natürlich freuen sie sich über jegliche finanzielle Zuwendung, aktiv um Spendengelder werben sie jedoch nicht.

Wer sich näher über den Verein informieren möchte, kann dies online unter http://friendcircle-worldhelp.org tun.