7. Dezember 2018 von Philipp Jauch in Newsroom
© iStock/HalfpointUm Verletzungen ihrer Kinder zu vermeiden, sollten Eltern einige Regeln beachten - nicht nur im Umgang mit Heißgetränken.
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Hitze und Strom: So schützen Sie Ihr Kind

Zum Tag des brandverletzten Kindes

Dr. Axel Feldkamp, leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin an den Sana Kliniken Duisburg, gibt Tipps, um Verletzungen zu vermeiden.

Die Zahlen sind alarmierend: Jedes Jahr müssen in Deutschland mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche mit Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich versorgt werden. 6.000 davon sind so schwer, dass sie stationär im Krankenhaus behandelt werden. Bei Babys und Kleinkindern sind die Auswirkungen besonders frappierend. Bei ihnen sorgen bereits Verbrennungen von zehn Prozent der Hautoberfläche für Lebensgefahr.

Abhängig von der Schwere der Verletzungen dauert es Wochen oder gar Monate, bis die akuten Beschwerden überstanden sind. Die langfristigen Folgen auf Körper und Seele sind kaum zu ermessen. „Brandverletzungen sind häufig folgenschwer. Oft leiden Betroffene noch Jahre später unter Funktionseinschränkungen der Haut oder großflächigen Narben“, sagt Dr. Axel Feldkamp, leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin an den Sana Kliniken Duisburg. Dabei lassen sich viele Unfälle verhindern, wenn Erwachsene im Haushalt ein paar einfache Regeln im Umgang mit Hitze und Strom einhalten:

 

  • Das Hantieren am Herd mit dem Kleinkind auf dem Arm sollte unbedingt vermieden werden, denn Kinder sind blitzschnell in ihrer Bewegung kippen schnell vornüber. Zudem stellt der heiße Dampf beim Anheben des Topfdeckels eine Gefahrenquelle dar.
  • Den Zugriff auf heiße Herdflächen sollte man mit einem Herdgitter unmöglich machen. Besondere Vorsicht ist bei Backofentüren sowie Türen von Kaminöfen geraten, denn die Gefahr von Kontaktverbrennungen durch das Anfassen von heißen Backofen- oder Ofentüren ist hoch. Das Licht zieht kleine Kinder regelrecht an.
  • Gerade in der Adventszeit gibt es immer wieder Verbrennungen durch Zündeln mit Adventsgestecken und Tannenzweigen, Verletzungen durch Silvesterknaller, Brandverletzungen durch Kerzen und offene Feuerstellen oder Verpuffungen durch Brandbeschleuniger beim Fondue. All diese Dinge gehören nicht in Kinderhände!
  • Besonders gefährlich bei Kleinkindern sind Verletzungen beispielsweise an Steckdosen, in die sie bei fehlender Kindersicherung gerne Stifte stecken und sich dabei Verbrennungen zuziehen, die zwar zunächst unauffällig sind, jedoch wegen ihrer Tiefe ebenfalls eine große Gefahr darstellen. Daher sollten Steckdosen durch Kindersicherungen für Kinder unzugänglich gemacht werden.

 

Im Verletzungsfall ist schnelles Handeln gefragt

Mit der nötigen Vorsicht lassen sich viele Brandunfälle verhindern. Sollten sich Kinder und Jugendliche dennoch einmal verbrühen, ist schnelles Handeln gefragt. „Um die Schmerzen zu lindern und eine Ausbreitung der Verletzung zu vermeiden, sollte man die betroffene Stelle sofort intensiv kühlen. Hierzu eignet sich kaltes Wasser (nicht unter 15 Grad), das 15 bis 30 Minuten über die Haut laufen soll“, sagt Dr. Feldkamp. Anschließend sollte die Stelle steril abgedeckt werden, etwa mit einem Tuch aus einem Notfallpaket oder einem sauberen Bettlaken. Auf keinen Fall sollten hingegen Salben, Mehl oder Zahnpasta aufgetragen werden. „Die verletzten Stellen müssen anschließend unbedingt einem Facharzt vorgestellt werden, den man in Fachambulanzen oder einer Fachklinik findet. Nur hier kann das tatsächliche Ausmaß der Verletzung ermittelt und eine passende Therapie eingeleitet werden“, betont der Mediziner.

Die Behandlung von Brandverletzungen ist Teamarbeit

Die Behandlung von Brandverletzungen erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen. Um den körperlichen und seelischen Folgen schwerer Verbrennungen und Verbrühungen bestmöglich zu begegnen, arbeiten im Name des Krankenhauses einfügen Plastische Chirurgen, Kinderärzte, Intensivmediziner, Physiotherapeuten, Psychologen, und sogenannte Bandagisten Hand in Hand. So gelingt es, brandverletzte Kinder und ihre Angehörigen von Beginn an bestmöglich zu betreuen und sie im Umgang mit der Krankheit zu begleiten.