7. November 2018 von Philipp Jauch in Geparkt
© Herzzentrum Dresden, Universitätsklinik der Technischen Universität DresdenProf. Dr. Axel Linke, Ärztlicher Direktor und Direktor der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie am Herzzentrum Dresden, Universitätsklinik der Technischen Universität Dresden
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Gesundheitsmythen im Check: „Du hast mich zu Tode erschreckt“

Ein heftiger Schreck kann einen Herzinfarkt auslösen

„Du hast mich zu Tode erschreckt“ – geht einem als alltägliches Sprichwort leicht über die Lippen.

Das Sprichwort wirft aber eine ernste Frage auf: Kann man tatsächlich so erschreckt werden, dass dadurch ein Herzinfarkt ausgelöst wird, an dem man schlimmstenfalls stirbt?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, stellt sich zunächst die Frage, was ein Schreck eigentlich ist. Darunter versteht man die Reaktion eines Organismus auf einen überraschend wahrgenommen, potentiell bedrohlichen Reiz. Die Schreckreaktion beinhaltet verschiedene psychologische und physiologische Prozesse, die allesamt der Abwehr der Bedrohung beziehungsweise der Minimierung abträglicher Folgen dienen. Der menschliche Organismus verfügt über verschiedene psychische und physische Mechanismen, die uns in Extremsituationen schützen und damit unser Überleben sichern. Werden wir erschreckt, führt das zu einem schnelleren Einatmen, wodurch die Sauerstoffversorgung im Körper erhöht wird. Nacken- und Rückenmuskulatur verspannen sich, um Schutz vor Verletzungen zu bieten. Jemanden zu Tode zu erschrecken, ist also eher eine Redewendung als medizinische Realität.

Gleichwohl kann Stress der Auslöser eines Herzinfarkts sein. „Jeder emotionale Ausnahmezustand kann das Herz-Kreislauf-System beeinflussen. Das gilt für freudige Ereignisse ebenso wie für traurige“, sagt Prof. Dr. Axel Linke, Ärztlicher Direktor und Direktor der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie am Herzzentrum Dresden, Universitätsklinik der Technischen Universität Dresden. Das Glücksgefühl beim Gewinn eines wichtigen Wettkampfs kann demnach ebenso auf unseren Kreislauf wirken, wie die Niedergeschlagenheit beim Verlust eines Freundes. In beiden Fällen wirkt emotionaler Stress auf den Organismus, der im Extremfall zu einem Herzinfarkt führen kann. Doch wie ist das möglich? „Stresshormone wie beispielsweise das Adrenalin sorgen für einen Anstieg des Blutdrucks. Wenn Blutgefäße durch Vorerkrankungen bereits geschädigt sind, können diese einreißen. Legt sich über diesen Riss ein Blutgerinnsel, kann es zum Verschluss von Herzkranzgefäßen und in der Folge zu einem Herzinfarkt kommen“, erklärt Prof. Dr. Axel Linke.

Gesunde Menschen, deren Herz-Kreislauf-System intakt ist und bei denen keine internistischen Vorerkrankungen vorliegen, brauchen sich indes keine Gedanken zu machen: Ein Schreck führt zwar zu einer erhöhten Aufmerksamkeit und fährt einem auch manchmal durch alle Glieder – einen Herzinfarkt löst er hingegen höchst selten aus.