11. Oktober 2018 von Philipp Jauch in Newsroom
© Klinikum Dahme-SpreewaldHeinz-Peter Vetter ist Chefarzt für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Klinikum Dahme-Spreewald.
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So wird Tauchen zum sicheren Erlebnis

Tipps vom Chefarzt und passionierten Taucher Heinz-Petter Vetter

Weltweit gibt es rund 15 Millionen Sport-, Freizeit und Hobby-Taucher. Auch viele Touristen tauchen gerne ab, um die Schönheit der Meere zu erleben.

Heinz-Peter Vetter ist passionierter Taucher. Im Interview spricht der Chirurg vom Klinikum Dahme-Spreewald über den Wert einer tauchmedizinischen Untersuchung, Tauchschulen im Urlaub und die Gefahren in heimischen Gewässern.

Herr Vetter, die Zahl der aktiven Sport-, Freizeit- und Hobby-Taucher wird weltweit auf 15 Millionen geschätzt. Gerade in der Fernreisesaison tauchen auch Touristen gerne ab, um die Schönheit der Meere zu erleben. Was sollten sie dabei unbedingt beachten?

Wenn man sich dazu entschließt Gerätetauchen zu betreiben, sollte man vorher auf alle Fälle eine tauchmedizinische Untersuchung vornehmen lassen. Dabei wird unter anderem die Lungenfunktion geprüft, in manchen Fällen kommt ein EKG oder ein Belastungs-EKG hinzu. Der Umfang der Untersuchung richtet sich generell nach dem Alter, dem Fitnesszustand und etwaigen Vorerkrankungen. Obwohl jeder approbierte Arzt eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung ausstellen darf, empfehle ich, die Untersuchung bei einem Spezialisten durchführen zu lassen, der bei der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin gelistet ist.

Gibt es Fälle, in denen das Tauchen gänzlich unmöglich ist?

 Früher gab es Kontraindikatoren, bei denen das Tauchen ausgeschlossen war. Dazu gehörten etwa ein ausgestandener Herzinfarkt bzw. andere kardiale Erkrankungen, erhöhter Augeninnendruck oder bestimmte Allergien. Diese Erkrankungen sind heute kein absolutes Ausschlusskriterium mehr. Hier ist es allerdings erforderlich, bei der  tauchmedizinischen Erstuntersuchung das Risikoprofil exakt zu erheben. Sollte der Facharzt zum Ergebnis kommen, dass gesundheitliche Aspekte gegen das Tauchen sprechen, muss das im Einzelfall erörtert werden. Gleiches gilt für Risikogruppen, wie Patienten mit Diabetes  , Lungenerkrankungen oder Problemen mit Ohren oder Nasennebenhöhlen.

Ist eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung zwingend, um im Urlaub einen Tauchschein machen zu können?

 Inzwischen kann man Tauchen an vielen Tauchschulen weltweit lernen. Die wenigsten verlangen ein ärztliches Attest, selbst wenn ein solches in den Kursbedingungen offiziell gefordert wird. In der Praxis muss der Tauchschüler unterschreiben, dass er gesund ist und auf eigene Gefahr taucht. Nichts desto trotz sollte man über eine gewisse Fitness verfügen, wenn man mit dem Sporttauchen beginnen möchte. Aus ärztlicher Sicht ist die Tauchtauglichkeitsuntersuchung unbedingt anzuraten – egal, ob man sich nur zum Schnuppertauchen anmelden oder einen Tauchkurs absolvieren möchte.

Gerade in Urlaubsregionen werden an jeder Ecke Tauchkurse angeboten. Woran erkennt man eine gute Tauchschule?

 Eine gute Tauschule nur aus der Werbung oder dem Internet-Auftritt zu erkennen, ist sehr schwierig. International dominieren die beiden großen Organisationen „PADI“ und „SSI“. Sie sind stark auf den kommerziellen Urlaubstauchbetrieb ausgerichtet und stellen entsprechend geringere Anforderungen an die Ausbildung. Das reicht aus, um ein sicherer Sporttaucher in „gemütlichen Gegenden“ zu sein, wo man weder tieftaucht noch strömungstaucht, kaltwasser- höhlen- oder wracktaucht. Hinzu kommen individuelle Qualitätsunterschiede der einzelnen Schulen, die vom Betreiber vor Ort abhängen, ungeachtet der Vorgaben durch die Organisationen. Letztlich sollte man sich immer selbst ein Bild von der Tauchschule machen und sich genau über Ausrüstung und Ausbildung zu informieren. Als Faustregel gilt: An Kursen mit mehr als sechs Teilnehmern würde ich nicht teilnehmen.

Wie ist es um die Ausrüstung bestellt?

Grundsätzlich kann man sich in einer Tauchschule alles ausleihen. Ich empfehle jedoch, sich vorab eine passende Tauchmaske zu kaufen – das gilt besonders für Brillenträger, für die eine Maske mit geschliffenen Gläsern erhältlich ist. Auch Flossen und Schnorchel würde ich selbst mitbringen. Unter Umständen lohnt sich auch ein Tauchanzug, der an die klimatischen Bedingungen vor Ort angepasst ist. Flasche, Tarierjacket und Atemgerät kann man sich hingegen vor Ort ausleihen. Es ist heute außerdem meist vorgeschrieben, mit einem Tauchcomputer zu tauchen. Anfänger sollten sich diesen ebenfalls leihen, um Fehlinvestitionen zu vermeiden.

Trotz guter Vorbereitung kann beim Tauchen immer auch etwas passieren. Sollten Taucher deshalb eine besondere Versicherung abschließen?

Wer Urlaub außerhalb Deutschlands macht, sollte sich grundsätzlich Gedanken über eine Auslandskrankenversicherung machen und genau prüfen, welche Leistungen von dieser abgedeckt werden. Allerdings werden tauchsportspezifische Unfälle und Erkrankungen von diesen Versicherungen regelhaft nicht abgedeckt.

Hierzu gibt es Versicherungsschutz durch spezialisierte Anbieter, die eine mehrsprachige tauchärztliche 24-Stunden-Hotline vorhalten und neben den Kosten – inklusive Suche und Rettung – auch die Gesamtorganisation und Koordination der Behandlung bis hin zum Rücktransport ins Heimatland  übernehmen. Inzwischen gibt es für den Gelegenheitstaucher hier Policen, die nur einmalig den Urlaubszeitraum abdecken. Für regelmäßige Tauchsportler lohnt sich aber der Abschluss einer regulären ganzjährigen Versicherung. Bei speziellen Tauchreisen wird inzwischen von den Veranstaltern der Nachweis einer solchen Versicherung gefordert.

Was raten Sie Menschen, die es nicht beim Urlaubstauschen belassen wollen, sondern sich dem Sport ernsthaft widmen möchten?

Neben der bereits erwähnten tauchmedizinischen Untersuchung ist die Qualität der Ausbildung entscheidend. Wer regelmäßig in Deutschland tauchen möchte oder sogar die Mitgliedschaft in einem Tauchclub anstrebt, der sollte seine Ausbildung über den VDST (Verband deutscher Sporttaucher nach CMAS-Kriterien in Deutschland absolvieren. Diese ist sehr fundiert und deutlich anspruchsvoller als die Kurse, die man üblicherweise in Urlaubsregionen absolviert.

Wie unterscheidet sich das Tauchen in den Tropen vom Tauchen in heimischen Gewässern?

Das Tauchen in Deutschland ist anspruchsvoller. Es ist ein großer Unterschied, ob man sich eine Stunde in 28 Grad warmem Wasser aufhält, oder ob man in einem 10 Grad kalten Bergsee taucht. Die Anforderungen an die Ausrüstung mit Atemgerät und Anzug sind völlig andere, Bewegungen fallen schwerer, die körperliche Belastung ist höher. Der zweite Punkt, der das Tauchen in Deutschland anspruchsvoller macht, sind die häufig deutlich eingeschränkten Licht- und Sichtverhältnisse.

Was ist der größte Fehler, den gerade Einsteiger beim Tauchen machen?

Viele machen einen Tauchschein im Urlaub, verbunden mit zwei, drei Tauchgängen und dann machen sie Pause bis zum nächsten Urlaub. Wenn man den Sport ernsthaft betreiben möchte, sollte man gerade am Anfang mindestens einmal im Jahr einen Tauchurlaub machen und wenigstens zehn bis 15 Tauchgänge absolvieren. Auch weitere Ausbildungslevel sollte man dann anstreben. Denn beim Tauchen ist es wie mit dem Autofahren: Die Sicherheit kommt erst mit der Erfahrung.