22. August 2018 von Marion Band in Newsroom
© Sana Klinikum OffenbachJudith Jochim ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Sana Klinikum Offenbach.
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Gesunde Pausensnacks machen fit fürs Lernen

Judith Jochim vom Sana Klinikum Offenbach gibt Ernährungstipps zum Schulstart

Für die Erstklässler beginnt nun der Ernst des Lebens. In vielen Familien stellt sich nun die Frage, was in die Pausenbrotdosen hineingehört.

Schule ist Arbeit, und dafür brauchen Kinder Energie, die ausgewogen über den Tag verteilt wird. Judith Jochim, Oberärztin und kommissarische Leitende Ärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Sana Klinikum Offenbach, erklärt, was am Morgen auf den Frühstückstisch gehört und wie ein gesunder und abwechslungsreicher Pausensnack gelingt.

Auch wenn es die Frühstücksverweigerer unter den ABC-Schützen kaum glauben wollen: Die erste Mahlzeit des Tages ist die wichtigste. Die „Health Behavior in school-aged Children-Studie“ aus dem Jahre 2013/14 hat bewiesen, dass die Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistung bei Schülerinnen und Schülern, die morgens gefrühstückt haben, sich eindeutig verbessert im Vergleich zu denen, die am Morgen keine Mahlzeit zu sich genommen haben. Zudem hilft ein regelmäßiges gesundes Frühstück, Übergewicht vorzubeugen. „Ein ausgewogenes Frühstück sollte sich aus folgenden vier Bestandteilen zusammensetzen: ein Getreideprodukt, Obst oder Gemüse, ein Milchprodukt und natürlich ein Getränk“, empfiehlt Judith Jochim. „Ob das Getreideprodukt ein gutes Vollkornbrot oder ein leckeres Müsli ist, hängt von den Vorlieben des Kindes ab. Als Brotbelag eignet sich magere Wurst oder Käse, aber auch gegen ein Marmeladen- oder Honigbrot ist nichts einzuwenden. Zum Müsli passt Naturjoghurt und frisches Obst hervorragend, womit man alle wichtigen Komponenten vereint hätte.“ Nicht auf den Frühstückstisch gehören Produkte, die zwar als besonders kinderfreundlich beworben werden, die aber in der Regel viel zu viel Zucker enthalten. Auch bei den Cerealien (Müslis) gibt es große Unterschiede hinsichtlich des Zuckergehalts. „Hier sollte darauf geachtet werden, dass die ausgewählten Produkte zuckerfrei oder zumindest zuckerarm sind. Dem guten Vollkornbrot oder dem Vollkornbrötchen ist der Vorzug zu geben vor den ballaststoffarmen weißen Broten oder Brötchen“, so die Medizinerin.

Kreative Frühstücksbrote überzeugen auch hartnäckige Frühstücksverweigerer

Vor allem bei jüngeren Schulkindern kann es helfen, das Frühstücksbrot in kindgerechter Art und Weise zuzubereiten. So können Eltern beispielsweise auf ein mit Käse belegtes Vollkornbrot ein Clownsgesicht zaubern, in dem sie das Brot mit zwei halben Cocktailtomaten, einer Karottenscheibe und einem Stück gelber oder roter Paprika belegen. „Die Optik des angerichteten Frühstücksbrots bewirkt oft Wunder“, weiß Jochim. Damit das Frühstück am Morgen nicht zu hektisch und davon geprägt wird, dass alle schnellstmöglich den Tisch wieder verlassen müssen, sollten Eltern ausreichend Zeit einplanen. „Lieber sollte die Familie eine halbe Stunde früher aufstehen, um sich dann gemeinsam am Frühstückstisch noch ein wenig Zeit füreinander nehmen zu können. Hierzu gehört nicht nur das gesunde Essen, sondern auch der Austausch, was der Tag so bringen mag. Eltern werden feststellen, dass damit selbst die hartnäckigsten Frühstücksverweigerer umgestimmt werden können“, sagt die Expertin.

Kinder beim Einkauf des Pausensnacks mit einbeziehen

Wenn es darum geht, den Kindern einen leckeren Pausensnack mitzugeben, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Schülerinnen und Schüler sollten hierfür eine geeignete wiederverwertbare Brotbox haben. „Beinhalten sollte der Pausensnack ein zuckerarmes Getränk, ein mit magerer Wurst oder Käse belegtes Vollkornbrot oder -brötchen und kleine Obst- oder Gemüseschnittchen“, so Jochim. „Für kleine Naschkatzen, die um deftige Brote oder Gemüse einen großen Bogen machen, gilt es, mit kleinen Tricks doch einen schmackhaften und gesunden Pausensnack zuzubereiten. Hier bieten sich Kombinationen aus Weich- oder Schmierkäse mit Honig oder Marmelade und einer Obstgarnitur an.“ Süßigkeiten eignen sich hingegen nicht als Pausensnack. Sie lassen den Blutzuckerspiegel schnell steigen. Dieser fällt aber genauso schnell wieder ab – und mit ihm die Konzentration. Ratsam ist es, gemeinsam mit den Kindern zum Einkaufen zu gehen und den Nachwuchs die Auswahl an der Wurst- und Käsetheke sowie im Obst- und Gemüseregal treffen zu lassen. Die Gefahr, das alte, verschimmelte Pausenbrot oder die vertrocknete Aprikose im Schulranzen zu finden, reduziert sich so auf ein Minimum.

Ganztagesschüler benötigen zusätzlich einen abwechslungsreichen Nachmittagssnack

Immer mehr Schülerinnen und Schüler besuchen mittlerweile eine Ganztagesschule. In diesem Fall sollten Eltern auch an die Zwischenmahlzeit am Nachmittag denken. „Idealerweise besteht der Nachmittagssnack aus Gemüse-Rohkost oder Obst. Wird bei anderen Mahlzeiten wenig Milch verzehrt, sollte Milch oder ein Milchprodukt als Beigabe oder als eigenständige Zwischenmahlzeit angeboten werden“, empfiehlt die Ärztin. „Es spricht aber auch nichts dagegen, ab und zu in kleinen Mengen Gebäck oder Kuchen als Zwischenmahlzeit anzubieten.“