21. August 2018 von Robert Reuther in Newsroom
© Robert ReutherSo einfach ist das: Chefarzt Dr. Christopher Piorkowski erklärt Patienten Margit Ehrig, wie ihr neuer Sensor zur Überwachung des Lungendrucks funktioniert. Sie muss sich lediglich einmal am Tag für etwa eine halbe Minute auf ein spezielles Kissen legen. Die Übertragung der Daten erfolgt dann automatisch.
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Als erste Klinik Sachsens: ein Sensor für besseres Leben

Zur Überwachung von Patienten mit Herzschwäche setzen Ärzte des Herzzentrums Dresden auf ein neues System.

Eins Sensor misst direkt im Herzen den Blutdruck in der Lungenschlagader und überträgt diesen dann drahtlos.

Dass es bei Leistung nicht unbedingt auf die Größe ankommt, beweist ein neues Implantat, welches seit kurzem am Herzzentrum Dresden Universitätsklinik zum Einsatz kommt. Das CardioMEMS-System ist kleiner als eine Euro-Münze und macht das Leben von Patienten mit einer schweren Herzschwäche sicherer. „Der Sensor misst direkt im Herzen den Blutdruck in der Lungenschlagader und überträgt diesen dann drahtlos zu uns“, erklärt Privatdozent Dr. Christopher Piorkowski, Chefarzt der Abteilung für Rhythmologie.

Margit Ehrig ist eine der ersten Patientinnen des Herzzentrum Dresden, die von dem neuen CardioMEMS-System profitiert. Bei der 71-Jährigen wurde bereits vor vielen Jahren eine Herzschwäche diagnostiziert. Sie ist damit eine von fast zwei Millionen Menschen in Deutschland, die  an einer Herzinsuffizienz leiden. „Die Herzen der Betroffenen haben eine verminderte Pumpleistung und sind damit kaum noch in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen“, sagt Dr. Piorkowski. Eine solche Herzschwäche kann sich auch plötzlich rapide verschlechtern und damit akut lebensbedrohlich werden. Kein Wunder also, dass die Erkrankung nach wie vor als dritthäufigste Todesursache in der Bundesrepublik gilt. Deshalb müssen Herzinsuffizienz-Patienten wie Margit Ehrig möglichst engmaschig überwacht werden.

„Ein wichtiger Indikator dabei ist der Druck, der in dem Blutgefäß vorherrscht, durch den das Blut vom Herzen in die Lunge gelangt. Wir Mediziner sprechen vom Pulmonalartieriendruck, kurz PA-Druck“, so Dr. Christopher Piorkowski. Bisher konnte dieser lediglich mittels eines Herzkatheters im Krankenhaus gemessen werden. Dies ist jedoch jetzt vorbei: Das Team um Chefarzt Dr. Piorkowski implantiert bei Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz jetzt den winzigen Sensor, der ohne Strom und Kabel auskommt, direkt in die Lungenschlagader – und das als erste Klinik in ganz Sachsen außerhalb von Studien.

Schnelle Reaktion auf Veränderungen

Der Eingriff erfolgt über eine kleine Punktion in der Oberschenkelvene. Mittels eines Katheters wird die Sonde bis zur rechten Herzseite und von dort in die Pulmonalarterie geschoben und dort platziert. Nach dem Eingriff bleiben die Patienten in der Regel noch eine Nacht zur Überwachung im Krankenhaus und werden dann am nächsten Tag nach Hause entlassen, so auch Margit Ehrig.

Mitbekommen hat sie ein spezielles Auslesegerät, das die Form eines Kissens hat. Auf dieses legt sie sich ab sofort einmal täglich für etwa eine halbe Minute. Auf diese Weise wird der PA-Druck gemessen und online an eine gesicherte Internetseite gesendet. Dort können Dr. Christopher Piorkowski und sein Team kontinuierlich auf die Daten zugreifen und diese auswerten – und zwar ohne, dass Margit Ehrig ins Herzzentrum Dresden kommen muss.

„Und genau das ist der Vorteil des CardioMEMS-Systems. Am Lungendruck können wir nämlich bereits frühzeitig Hinweise auf die Verschlechterung der Herzleistung ablesen – und das noch bevor typische herzinsuffizienzbedingte Beschwerden den Alltag beeinträchtigen und die Gesundheit gefährden“, erklärt Dr. Christopher Piorkowski. „So ist es uns möglich, schnell zu reagieren und die medikamentöse Therapie der Herzschwäche auf unsere Patienten individuell anzupassen.“ Dies steigert letztlich die Lebensqualität der Betroffenen, denn sie müssen weniger ins Krankenhaus. Laut verschiedenen Studien sinken dank des CardioMEMS-Systems die stationären Klinikaufenthalten um bis zu 37 Prozent.

Für Margit Ehrig ist das eine beruhigende Vorstellung, dass Dr. Piorkowski und dessen Team stets ein Auge auf ihr Herz haben können. Sie profitiert dabei auch von der umfassenden Erfahrung im Bereich Telemedizin und – monitoring der Abteilung für Rhythmologie: Über 1.000 Patienten mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren werden nämlich im Herzzentrum Dresden kontinuierlich bereits seit mehreren Jahren erfolgreich überwacht.