17. Juli 2018 von Philipp Jauch in Newsroom
© Sana Kliniken des Landkreises ChamDr. Thomas Etti ist Ärztlicher Leiter der Notaufnahme in den Sana Kliniken des Landkreises Cham.
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Abkühlung beim Baden – aber sicher!

Im Gespräch mit dem Notfallmediziner Dr. Thomas Etti

Im Interview spricht er über Unterkühlung im Hochsommer, unerkannte Gefahren im Baggersee und Maßnahmen für ungetrübten Badespaß.

Herr Dr. Etti, wenn die Temperaturen über die 30-Grad-Marke klettern, strömen die Menschen an den Badesee. Leider kommt es dort immer wieder zu tragischen Unfällen mit teilweise tödlichem Ausgang. Was macht baden so gefährlich?

Trotz vielfacher Hinweise und Aufklärungskampanien bleibt immer noch der Kopfsprung in das unbekannte und flache Gewässer eines der ganz großen Risiken. Dabei kann es zu Verletzung der Halswirbelsäule und einer drohender Querschnittslähmung kommen. Vor allem Kinder sollten frühzeitig auf die Gefahr hingewiesen werden, damit sie ein solches Risiko nicht eingehen.

Der Sprung ins flache Gewässer steht prototypisch für einen Badeunfall. Dabei lauern im Wasser eine ganze Reihe von Gefahren, die auf den ersten Blick weniger tragisch wirken, in Wahrheit aber nicht zu unterschätzen sind.

Das stimmt. Gerade in Baggerseen und Flüssen herrschen mitunter unberechenbare Strömungen, die selbst geübte Schwimmer in Schwierigkeiten bringen können. Zudem sorgen Seile und Maschinenteile für eine erhöhte Verletzungsgefahr. Und schließlich ist das Wasser oftmals erheblich mit Bakterien und Pestiziden belastet – insbesondere wenn Gewässer von Vögeln besiedelt sind. Das alles kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen – von Hautreizungen bis hin zu Durchfallerkrankungen.

Ich rate deshalb, nur an ausgewiesenen Badeseen und Gewässern zu schwimmen. Warmhinweise und Verbote sind unbedingt zu beachten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte außerdem nicht unbeobachtet schwimmen und  bevorzugt in Gewässern mit Überwachung baden.

Wassertemperaturen deutlich über 20 Grad sind im Sommer keine Seltenheit. Trotz dieser „Badewannentemperatur“ kommt es immer wieder zu Unterkühlungen bei Schwimmern. Wie ist das zu erklären?

Selbst wenn die Wassertemperaturen sehr hoch sind, liegen sie zumeist noch unterhalb der Körpertemperatur. Schwimmt man nun in dem kälteren Wasser, findet eine Temperaturregulation zwischen Körper- und Wassertemperatur statt – die Körpertemperatur sinkt. Eine große Gefahr zu unterkühlen droht, wenn Gewässer starke Temperaturdifferenzen haben – am flachen Rand warmes Wasser, im weiteren Abstand zum Ufer kälteres Wasser. Um den Körper nicht unnötig zu belasten, sollte man niemals aufgeheizt in den See oder das Schwimmbecken springen, sondern sich stets kühl abduschen, ehe man sich in die Fluten stürzt.

Im Sommer kommt es immer wieder zu Kreislaufproblemen. Davon betroffen sind längst nicht nur Menschen mit Vorerkrankungen. Was sind die Gründe und wie kann man sich schützen?

Die Gründe für Kreislaufbeschwerden sind vielfältig und müssen immer im Einzelfall beurteilt werden. Allgemein kann man aber feststellen, dass übermäßige Hitze für den Körper eine Belastung darstellt. Deshalb ist es besonders wichtig, sich ausreichend vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Dazu gehört eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor ebenso wie der Schutz der Augen durch eine geeignete Sonnenbrille und die Bedeckung des Kopfes und der Haut. Das gilt ganz besonders für Kinder.

Neben dem UV-Schutz ist es entscheidend, ausreichend zu trinken. Besonders Kinder können in der Sonne sehr schnell austrocknen und ältere Menschen leiden dann unter Kreislaufstörungen bis hin zur Bewusstseinsstörung. Gerade wenn man stark schwitzt, muss man die verlorene  Flüssigkeit wieder auffüllen.

Woran erkennt man, dass man zu viel Sonne abbekommen hat und welche Sofortmaßnehmen sollte man einleiten?

Kopfschmerzen, Übelkeit, Bewusstseinsstörungen und intensive Hautrötungen sind das Anzeichen für einen Sonnenstich. Dann gilt: Sofort in den Schatten gehen, ausreichend trinken und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen.