11. Juli 2018 von Martina Steck in Engagement, Medizin des Lebens, Newsroom
© Sana Herzchirurgie StuttgartMuhammed mit seinem Operateur Dr. Ioannis Tzanavaros (li.) und dem behandelnden Kardiologen und Vorsitzenden des Fördervereins Dr. Detlef Roser (re.).
© Sana Herzchirurgie Stuttgart

Gib dem Leben eine Chance!

Sana Herzchirurgie Stuttgart ermöglicht dem kleinen Muhammed aus Gambia die lebenswichtige Herzoperation.

Gemeinsam mit dem Friedensdorf International schenkt die Sana Herzchirurgie Stuttgart einem kleinem Gastpatienten aus Gambia ein neues Leben.

Der zehnjährige Muhammed aus Gambia in Westafrika hatte eine weite Reise hinter sich, als er im Mai gemeinsam mit vier kranken Kindern über die Hilfsorganisation Friedensdorf International nach Deutschland kam. In seiner Heimat konnte man dem Jungen, der an einem angeborenen Herzfehler litt, nicht helfen. Eine Behandlung in den Nachbarländern hätte sich die Familie, die in ärmlichen Verhältnissen lebt, niemals leisten können.

Auf Anfrage von Friedensdorf International erklärte sich die Geschäftsführung und Prof. Dr. Nicolas Doll, Ärztlicher Direktor der Sana Herzchirurgie Stuttgart, erneut bereit, einen jungen Gastpatienten unentgeltlich zu behandeln. Die Kosten werden durch die Klinik selbst sowie den Förderverein Sana Herzchirurgie Stuttgart e.V. gedeckt. Mit großem Engagement werden Spenden gesammelt, um Kindern wie Muhammed die oft lebensrettende Behandlung zu ermöglichen. Die Operation führte der erfahrene Chefarzt der Kinderherzchirurgie Dr. Ioannis Tzanavaros durch, dem es ein Herzensanliegen war, den kleinen Gambianer zu operieren.

Zunächst hielt sich der kleine Gastpatient in der Heim- und Pflegeeinrichtung, dem Friedensdorf in Oberhausen (Nordrhein-Westfahlen) auf. Dort leben vor, zwischen und nach ihren Krankenhausaufenthalten rund 200 Kinder aus neun Nationen.

Mitte Juni war es dann so weit: Muhammed wurde von Friedensdorf International in die Sana Herzchirurgie Stuttgart gebracht. Der lebhafte kleine Junge hatte in nur vier Wochen bereits die ersten Worte Deutsch gelernt, sodass er das Pflegepersonal gleich nach Ankunft mit „Guten Tag“ begrüßen konnte.

Während des stationären Aufenthalts wurde Muhammed liebevoll vom Pflegepersonal der Klinik umsorgt. Zusätzlich besuchten ihn ehrenamtliche Betreuerinnen von Friedensdorf International, die mit ihm spielten und ihm die Zeit am Krankenbett vertrieben. Und die Fußball-Weltmeisterschaft konnte der begeisterte Fußballfan auch im Krankenhaus miterleben. Fußball spielen ist schon jetzt wieder für den kleinen Afrikaner möglich, ohne dass ihm die Puste ausgeht. Er konnte bereits am fünften Tag nach der Operation mit seinem Operateur Dr.Ioannis Tzanavaros die ersten Versuche starten, wie zahlreiche Fotos zeigen.

Nun ist der fröhliche Junge, den alle schnell ins Herz geschlossen haben, ins Friedensdorf nach Oberhausen zurückgekehrt. Noch einige Monate wird er dort verbringen. Bei Spaß und Spiel erholt er sich mit all den kleinen Patienten aus Afghanistan, Angola und anderen Ländern, bis er im Herbst wieder zu seinen Eltern und seinen zwei kleinen Schwestern zurückkehrt, die ihn sehnlichst erwarten.

Dr.  Detlef Roser, Kardiologe, Oberarzt der Sana Herzchirurgie Stuttgart und Vorsitzender des Fördervereins Sana Herzchirurgie Stuttgart e.V., ist sich sicher: „Das alles war nur möglich, weil das ganze Team an einem Strang gezogen hat und weil alle geholfen haben, den kleinen Jungen sicher durch diese Operation und das Abenteuer in einem fremden Land zu bringen. Die Mischung aus Professionalität aber auch aus erkennbarer Freude bei dieser Aufgabe, die für Muhammed am Ende ein gesundheitlich normales Leben bedeutet, hat ein tolles medizinisches Ergebnis für den Jungen gebracht.“

Durch zahlreiche Aktionen und großzügige Menschen hat der Förderverein Sana Herzchirurgie Stuttgart e. V. Spenden gesammelt. Dazu gehörten der Glühweinverkauf auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt, die Einnahmen der Eintrittsgelder zum Kindertheaterstück „Welche Farbe hat die Liebe?“, sowie die Spendeneinnahmen des weihnachtlichen Benefizkonzerts unter dem Motto „MUSIK heilt HERZEN“. Hierfür hat die Kardiologische Praxis Dres. Rieber & Ganschow aus Echterdingen einen großzügigen Betrag beigesteuert. Weiterhin konnten durch Spenden anlässlich einer Geburtstagsfeier vom Ludwigsburger Kardiologenehepaar Dr. med. Irmtraut und Dr. med. Gerhard Kruck (Gründer vom jetzigen Cardio Centrum Ludwigsburg/Bietigheim) Geld für die Finanzierung dieser Operation gesammelt werden. „Besonders erfreulich ist, dass wir durch die Hilfsbereitschaft aller Spender noch in diesem Jahr einem weiteren bedürftigen Kind eine lebenswichtige Herzoperation schenken können“, freut sich Dr. med. Roser im Namen des Fördervereins Sana Herzchirurgie Stuttgart.

Informationen zur Operation von Muhammed
Muhammeds Herzscheidewand hatte ein Loch zwischen der linken und rechten Herzkammer. Das ist der häufigste angeborene Herzfehler. Da der Druck in der linken Herzkammer viel höher ist als in der rechten Herzkammer, fließt sauerstoffreiches Blut von links nach rechts („Shunt“). Dieser „Shunt“ belastet die rechte Herzkammer, die deutlich mehr arbeiten muss und auch die Lungengefäße. Dieses Loch sollte in der Regel im ersten Lebensjahr verschlossen werden, um zum einen eine „Herzschwäche“, und zum anderen eine Schädigung der Lungenstrombahn zu verhindern.

Nach erfolgreicher Behandlung müssen die kleinen Patienten keine Medikamente einnehmen und haben auch im Erwachsenenalter keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen und eine normale Lebenserwartung. Bei der Operation wurde der VSD in minimal invasiver Technik (partieller Sternotomie) mit Hilfe der Herz Lungen Maschine komplett verschlossen. Die Operation hat knapp vier Stunden gedauert.

Hintergrundinformationen zu Gambia und Friedensdorf International
Gambia ist der kleinste Flächenstaat Afrikas und wirtschaftlich hauptsächlich abhängig von Geldspenden der Exilgambier und dem Tourismus. Etwa Dreiviertel der Bevölkerung lebt vom Reisanbau. Dennoch bleibt zumeist zu wenig übrig für die Versorgung der eigenen Familie. Das macht Nahrungsimporte notwendig. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Nur die Hauptstadtregion um Banjul ist mit einigen Schulen und Krankenhäusern besser erschlossen als der Rest des Landes, wo fast nur Health Center mit Krankenpflegern die medizinische Versorgung übernehmen. Gambia ist ein Krisengebiet, das sich aufgrund mangelnder Ressourcen nur zögerlich entwickeln kann. Auch nach dem Präsidentenwechsel Anfang 2017 ist Gambia auf dem medizinischen Sektor auf fremde Hilfe angewiesen. In staatlichen medizinischen Einrichtungen mangelt es an allem. Ärzte können z. B. ohne Instrumente nicht operieren. Friedensdorf International arbeitet seit 2012 mit der gambischen Partnerorganisation „Projekt Aid the Gambia“ zusammen, die unter anderem in Jahaly eine Buschklinik betreibt. Für Kinder mit Herzfehlern, ausgeprägten Fehlstellungen an Extremitäten sowie für Verätzungen an der Speiseröhre ist eine Behandlung in diesem Land kaum möglich.

Seit 1967 hilft FRIEDENSDORF INTERNATIONAL verletzten und kranken Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten. Kinder werden zur kurzfristigen medizinischen Behandlung nach Europa geholt und weltweite Projekte verbessern die medizinische und humanitäre Versorgung in den Heimatländern. Die friedenspädagogische Arbeit des FRIEDENSDORFES fördert zudem soziales Bewusstsein und Engagement. Finanziert wird diese Arbeit nahezu ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen - sie ist als mildtätig anerkannt und trägt das DZI-Spendensiegel.