21. Juni 2018 von Oliver Winklmüller in Newsroom
© Sana Kliniken Leipziger Land Dr. Uwe Müller ist Schlafmediziner am Sana Klinikum Borna.
© Sana Kliniken Leipziger Land

Schlaf bringt unseren ganzen Organismus wieder auf Vordermann

Dr. Uwe Müller, Schlafmediziner am Sana Klinikum Borna, gibt nützliche Tipps

Die meisten Menschen in Deutschland brauchen sieben bis acht Stunden Schlaf. Wer dauerhaft weniger schläft, lebt gefährlich.

Tiefer, wohliger Schlaf ist wohltuend und wichtig für unsere Gesundheit: Denn im Schlaf arbeiten Gehirn und Organismus daran, wieder in Ordnung zu bringen, was tagsüber durcheinandergeraten ist. Warum das so ist und was jeder selbst für erholsamen Schlaf tun kann, das erklärt Dr. Uwe Müller, Schlafmediziner am Sana Klinikum Borna, anlässlich des bundesweiten »Tag des Schlafes« am 21. Juni 2018.

Mehr als 30 Prozent unseres Lebens verbringen wir schlafend im Bett. Warum müssen wir das tun?

Dr. Uwe Müller: Diese Frage beschäftigt uns schon seit langer Zeit. Was wir heute wissen, ist, dass Schlaf für Menschen ein absolutes Grundbedürfnis ist. Er hat eine regenerative Funktion und bringt unseren ganzen Organismus wieder auf Vordermann. Aber eine allumfassende Erklärung dafür, was Schlaf ist und warum wir schlafen, gibt es bis heute nicht so richtig.

Wie regenerieren wir, wenn wir schlafen?

Seelisch und körperlich. Im Schlaf verarbeiten wir Dinge, die wir tagsüber erlebt haben. Etwa, wenn uns ein berufliches Problem beschäftigt. Manchmal wachen wir am Morgen auf und haben dann plötzlich eine Lösung für ein Problem gefunden, das uns tags zuvor noch erhebliches Kopfzerbrechen bereitet hat.

Was fehlt uns, wenn wir nicht schlafen?

Nur, wenn wir ausreichend Schlaf finden, sind wir leistungsfähig und fühlen uns wohl – wir haben eben »ausgeschlafen«. Wer kaum schläft, altert auch schneller. Denn im Schlaf produziert unser Körper die meisten Wachstumshormone, die wir zur Zellerneuerung brauchen. Und im Schlaf laden wir unsere Energiereserven, die wir tagsüber verbraucht haben, wieder auf. Fehlt der Schlaf länger, drohen ernsthafte körperliche und psychische Krankheiten.

Was heißt das konkret?

Wenn man schlecht oder zu wenig beziehungsweise kurz schläft, dann läuft man beispielsweise Gefahr, Bluthochdruck zu bekommen oder Diabetes zu entwickeln. Außerdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Schlafstörungen. Depressionen können Schlafstörungen auslösen, aber auch umgekehrt. Und nicht zuletzt: Es leidet die Lebenserwartung.

Wie lang sollte man also schlafen?

Das ist sehr unterschiedlich. Jeder Mensch hat ein individuelles Schlafbedürfnis. Von Napoleon Bonaparte sagt man, er sei mit täglich vier Stunden Schlaf prima ausgekommen, Albert Einstein hingegen soll zwölf Stunden die Augen geschlossen haben. In der Regel brauchen wir Menschen in Deutschland aber sieben bis acht Stunden Schlaf.

Was sollten Menschen tun, die nicht schlafen können?

Zum Arzt gehen. Die meisten warten viel zu lange ab und nehmen schlechten Schlaf oft monate- oder gar jahrelang hin. Dabei gibt es eigentlich eine klare medizinische Definition: Wenn jemand drei Monate lang schlecht schläft, besteht bereits eine chronische Insomnie. Erzählen Sie Ihrem Hausarzt, dass Sie dauerhaft schlecht schlafen können, er kann am besten entscheiden ob und wann Sie in ein Schlaflabor gehen sollten.

Was passiert im Schlaflabor?

In unserem Schlaflabor gehen wir mit einem Großaufgebot an High-Tech zu Werke: Kameras, Mikrofone, Elektroden und Computer. Sie selbst müssen eigentlich nichts tun – außer schlafen. Wenn Sie zu uns kommen, wird Sie ein Facharzt empfangen und mit Ihnen über Ihr Problem sowie über eventuellen weiteren Krankheiten sprechen. Dann bereiten wir Sie für die Nacht vor: Sie gehen in ein Schlaflabor-Bett und werden verkabelt. Das ist gänzlich ungefährlich, tut nicht weh, stört nicht beim Schlafen, ist aber nötig, damit die Aufzeichnungsgeräte mitbekommen, was Sie während der Nacht so alles machen. Am nächsten Morgen haben wir dann viele Blätter voll mit Kurven und Zahlen, an Hand derer wir auslesen können, warum Sie so schlecht schlafen.

Zum Schluss noch ein Problem, das wohl jeder kennt. Man wirft sich hin und her und kann einfach nicht einschlafen. Was tun?

Zunächst einmal sollten Sie das zu Bett gehen vorbereiten. Das heißt zum Beispiel, nicht bis ultimo zu arbeiten. Etwa zwei Stunden vor dem Schlafengehen sollte man »runterfahren«. Entspannende Musik hören oder etwas nicht zu Aufregendes lesen. Der Körper braucht diese Zeit zwischen dem Stress tagsüber und dem Beginn des Schlafes. Und: Handy, Tablet und Laptop sind vor dem Schlafengehen Tabu und haben neben dem Bett nichts verloren.

Und wenn sich trotzdem kein Schlaf einstellen will?

Wer nachts einmal partout nicht schlafen kann, der sollte – so komisch das jetzt klingen mag – das Bett verlassen. Andernfalls kann eine Konditionierung zwischen Bett und Schlaflosigkeit entstehen und sich auf die Folgenächte ausweiten. Sie können beispielsweise in die Küche gehen, ein Glas Wasser trinken und sich immer wieder selbst sagen: ‚Wenn ich mal eine Nacht nicht schlafe, geht die Welt nicht gleich unter‘.