28. Mai 2018 von Anja Kley in Newsroom
© Sana Klinikum HofDr. Liane Logé ist Chefärztin der Frauenklinik am Sana Klinikum Hof.
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Endometriose: Wenn Regelschmerzen zur unerträglichen Krankheit werden

Im Gespräch mit der Frauenärztin Dr. Liane Logé vom Sana Klinikum Hof

Jedes Jahr erkranken mehr als 30.000 Frauen an Endometriose, die oftmals auch Ursache von jahrelang unerfülltem Kinderwunsch ist.

Regelschmerzen kennt fast jede Frau. Bei einigen treten sie nur selten oder sehr leicht auf, andere Frauen fühlen sich einmal im Monat richtig krank, können teilweise gar nicht arbeiten gehen. Eine Ursache hierfür kann eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen überhaupt sein – die Endometriose. Normalerweise ist nur das Innere der Gebärmutter von Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ausgekleidet. Findet sich solches Gewebe auch an anderen Stellen im Körper, zum Beispiel in der Wand der Gebärmutter, in den Eierstöcken, in den Eileitern, im Darm oder in der Blase, dann handelt es sich um eine Endometriose. Betroffen sind etwa zwei bis sechs Millionen Frauen in Deutschland – üblicherweise zwischen der Pubertät und bis zum Einsetzen der Wechseljahre. Frau Dr. Liane Logé, Chefärztin der Frauenklinik am Sana Klinikum Hof, erläutert, weswegen der Weg zur gesicherten Diagnose oftmals so lange dauert und wie Betroffenen geholfen werden kann.

Frau Dr. Logé, Endometriose ist nach wie vor eine wenig beachtete Krankheit und es vergehen vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung oftmals mehrere Jahre. Weswegen dauert es so lange, bis betroffene Frauen wissen, dass die Ursache ihre Beschwerden eine Endometriose ist?

Im Durchschnitt vergehen sechs Jahre bis die Diagnose einer Endometriose gesichert wird. Der Hauptgrund für die späte Diagnosestellung liegt in den unspezifischen Symptomen, die sich sehr vielseitig darstellen können. Sie reichen von Schmerzen vor und während der Periodenblutung, über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und bei gynäkologischen Untersuchungen, bis hin zu Zysten an den Eierstöcken und unerfülltem Kinderwunsch, die erstmals einen Blick hin zur Diagnose einer Endometriose führen. Alle diese Symptome können jedoch auch andere Ursachen haben. Charakteristisches Zeichen der Erkrankung ist der wiederkehrende Unterleibsschmerz. Seine Stärke schwankt typischerweise im Verlauf des Monatszyklus. Die Beschwerden verschlechtern sich zunächst mit einem Maximum kurz vor oder während der Periodenblutung. Dann bessern sie sich wieder.

Weswegen treten die Symptome oftmals periodisch auf?

Die Schleimhautzellen, die sich krankheitsbedingt an die „falsche Stelle“ im Körper verirrt haben, reagieren – genauso wie die Gebärmutterschleimhaut selbst – auf den körpereigenen hormonellen Zyklus. Das bedeutet, sie bauen sich auf und bluten, genauso wie eine Periodenblutung, an diesen Stellen wieder ab. Je nachdem, wo sich die Schleimhaut befindet, kann das Blut aber nicht nach außen abfließen und muss langsam vom Körper abgebaut werden. Dabei können blutgefüllte Zysten, Reizungen oder Entzündungen entstehen. Durch diesen Vorgang erleben viele der erkrankten Frauen während der Regel besonders starke Schmerzen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Die Diagnose erfolgt üblicherweise über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) minimal-invasiv. Hier wird die Endometriose mittels einer Biopsie gesichert und ihre Ausdehnung genau beschrieben. Oft kann bei diesem Eingriff gleichzeitig eine Therapie erfolgen: Das „verirrte“ Gewebe, das bedeutet, alle sichtbaren Endometrioseherde, werden nach Möglichkeit im Anschluss an die histologische Sicherung entfernt. Besteht ein unerfüllter Kinderwunsch, kann der Arzt im Rahmen einer Bauchspiegelung außerdem die Durchgängigkeit der Eileiter testen. Denn: Verklebungen oder Verwachsungen an den Eileitern können dazu führen, dass die Eizelle nicht ungehindert in die Gebärmutter wanden kann.

Die Erreichung der Schmerzfreiheit steht bei vielen Frauen im Vordergrund der Therapiewünsche. Welche Möglichkeiten gibt es und welche Optionen haben Frauen mit Kinderwunsch?

Welche Therapie oder Therapiekombination am besten geeignet ist, sollte individuell entschieden werden. Das Alter der Frau spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Frage, ob die Familienplanung bereits abgeschlossen ist oder ein Kinderwunsch besteht. Prinzipiell können natürlich schmerz- und krampflösende Medikamente die Symptome lindern, allerdings muss man sagen: Regelschmerzen, die monatlich zu Schmerzmittelgebrauch und eventuell sogar Bettlägerigkeit oder Krankheit führen, sind nicht normal. Hier sollte in jedem Fall eine Bauchspiegelung zur Diagnose bzw. zum Ausschluss einer Endometriose stattfinden. Oftmals ist bei einer Erkrankung eine Hormontherapie angezeigt. Bei konkretem Kinderwunsch klappt es oft bald nach Absetzen der Hormontherapie. Sollte dies nicht der Fall sein, wäre die Vorstellung in einem Kinderwunschzentrum sicherlich sinnvoll.