24. Mai 2018 von Natalie Arnold in Newsroom
© Sana Klinikum Hameln Pyrmont

Kinder richtig Fördern

Tipps von der Ärztin Jantje Eckbrett

Kinder zu fördern ohne sie zu überfordern ist in der Lebensphase vor dem Kindergartenstart ein wichtiges Thema für Eltern.

Bei vielen Eltern mit kleinen Kindern steht jetzt die Einführung in den Kindergarten an. Wie viel darf eigentlich auf dem Nachmittagsprogramm stehen, wenn der Kindergarten aus ist? Sollte mein Kind schon sprechen können, wenn es in den Kindergarten kommt? Wie viel mütterlicher Beschützerinstinkt hilft der Entwicklung meines Kindes? Diese Fragen und damit verbundene Sorgen beantwortet Jantje Eckbrett, Ärztin in der Früherkennungsstelle der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Sana Klinikums Hameln Pyrmont.

„Kinder entwickeln sich in ihrem eigenem Tempo und brauchen grundsätzlich kein „Lernprogramm“, denn sie verfügen über ausreichend gesunde Neugier und Entdeckungsdrang, den man natürlich auch nicht hemmen sollte“, empfiehlt Jantje Eckbrett. Häufig ist die Entwicklung der Kinder nicht in allen Bereichen gleich gut ausgeprägt, weiß die Ärztin, das sei aber nicht gleich ein Grund zur Sorge. „Wir betrachten unterschiedliche Bereiche, wie Körpermotorik, Feinmotorik, Kognition (Erfassen von Zusammenhängen), Sprache, Sprachverständnis, Wahrnehmung und Sozialverhalten. Jeder Mensch, auch die Kleinen, haben Stärken und Schwächen und das ist auch ok so. Deshalb werden die Entwicklungsspannen auch so weit gefasst“, beruhigt Jantje Eckbrett. Laufen zum Beispiel lernen Kinder im Alter zwischen 10 und 18 Monaten. Von sogenannten „Late Talkern“, also Kindern die sehr spät mit dem Sprechen beginnen, spricht man erst nach dem zweiten Geburtstag.

Wie fördere ich richtig

Um mein Kind richtig zu fördern, muss ich wissen, wie das Gehirn arbeitet. „Man kann es sich so vorstellen: Eine neue Wahrnehmung wirkt wie Geflimmer im Gehirn. Diese Unruhe veranlasst das Hirn nach ähnlichen Mustern zu suchen. Findet es diese Muster wird das Wahrgenommene als bekannt eingestuft. Findet sich kein Muster wird es als Unsinn eingestuft und vergessen. Findet sich ein ähnliches Muster beginnt das Hirn zu arbeiten, das Geflimmer hört auf und ein Lerneffekt tritt ein – dabei werden Glückshormone ausgeschüttet. Das bedeutet Kinder lernen mit Begeisterung, mit allen Sinnen. Diese Begeisterung gilt es aufzugreifen. Bremse ich die Kinder in dieser Selbstverwirklichung, schädige ich nachhaltig. Es ist also förderlich, das Kind zwanzigmal den Turm schief bauen zu lassen. Denn so lernt es wichtige Dinge zu Statik und ich fördere den Mut des Kindes, Dinge selbst zu entdecken sowie das Glücksgefühl, wenn es verstanden hat, wie man zum richtigen Ergebnis gelangt“, erklärt Jantje Eckbrett.

Tipps für den Alltag

„Meine Empfehlung für Eltern ist: Die Kinder einfach mal die Welt entdecken zu lassen. Das bedeutet zum Beispiel für den Rückweg vom Kindergarten viel Zeit einzuplanen, damit die Umgebung erforscht werden kann. Wichtig ist auch das Freispiel zu fördern. Das bedeutet nicht so viele Termine planen, so dass genügend Zeit für Verabredungen zum Spielen bleibt. Richtwert ist hier maximal zwei Termine pro Woche. Als Termin zählt Schwimmen, Musikgarten, Fußball oder Turnen genauso wie Ergo-, Physio- oder Logopädie. Die eigenen Gedanken der Kinder aufnehmen und nicht ausbremsen, also bitte die Kinder nicht dauerhaft belehren, sondern Selbsterfahrung ermöglichen (z.B. im Sandkasten oder beim Essen). Saubere Kleidung und Hände oder der schönste Sandkuchen sind nicht das, was später von Bedeutung ist. Auch Frustration gehört zum Lernprozess. In einer sicheren Bindung zu Eltern, Großeltern und Erziehern etc. haben Kinder die Möglichkeit sich auszuprobieren und Hindernisse zu überwinden oder sich zu lösen. So lernen schon die Kleinsten Durchhaltevermögen, Impulskontrolle und Frustrationstoleranz. Und das Wichtigste ist, die Kinder viel loben statt kritisieren“, empfiehlt Jantje Eckbrett.