4. Mai 2018 von Beatrice Pietsch in Newsroom
© MDR/Sebastian Kiss

Bloß kein falscher Schnitt: Wie echte Mediziner den TV-Stars helfen

Wie realistisch sind Krankenhausserien im TV?

Claudia Staroste, Ärztin an den Sana Kliniken Leipziger Land, schaut den Fernsehärzten am Set der Erfolgsserie „In aller Freundschaft“ genau auf die Finger.

Wenn jede Woche am Dienstagabend Millionen Zuschauer die Erfolgsserie „In aller Freundschaft“ einschalten, hat sie ihren Job bereits erledigt. Denn sie sorgt dafür, dass an der OP-Wirklichkeit nicht zu viel herumgedoktert wird. Claudia Staroste ist eine von mehreren medizinischen Fachberatern, die bei den Dreharbeiten der beliebten Leipziger Serie zum Einsatz kommen. Ihr Verantwortungsbereich sind die OP-Szenen. Dabei erklärt sie den TV-Ärzten, wo sie während eines Eingriffs zu stehen und wie sie sich zu bewegen haben. Das ist natürlich bei einer Herz-OP anders als bei einem „handwerklich anstrengenden“ chirurgischen Eingriff am Fußgelenk. Darüber hinaus berät Claudia Staroste die Schauspieler, wie sie die einzelnen Instrumente zu halten haben und wie sie sie richtig einsetzen.

Als Fachfrau am Set bereitet die Bornaer Ärztin auch das OP-Feld vor: Dabei gilt es Wunden – meist Schweineleder – zu präparieren und mit künstlichem Blut zu versehen. Manchmal muss auch noch eine Leber „mit rein“. Schließlich sollen die Zuschauer das Gefühl haben, als wären sie tatsächlich Zeuge eines echten operativen Eingriffs. Und manche Fans sind da durchaus kritisch, wie Zuschriften an die Redaktion hin und wieder zeigen. So hat Staroste natürlich auch ein Auge auf die Texte der Fernsehärzte damit diese möglichst nah an den ganz speziellen Krankenhausjargon heranreichen.

Wenn am Set Not am Mann ist zieht sich die Ärztin, die vor ihrem Studium bereits als Krankenschwester auf der Intensivstation im Bornaer Klinikum gearbeitet hat, mitunter auch selbst die OP-Kleidung über und komplettiert die Szenerie, wenn die Kamera durch den Saal schwenkt. Eine sprechende Rolle kann sich Claudia Staroste jedoch nicht vorstellen. Sie hat lieber hinter der Kamera das Sagen.

Zu ihrem Engagement kam sie über eine Freundin, die sie eines Tages anfragte, ob sie nicht auch am Set im Leipziger Süden beraten möchte. Gesagt getan, seit nunmehr fast einem Jahr gehört sie zum Team von „In aller Freundschaft“ und fühlt sich dort wie in einer großen Familie. Die Stimmung am Set ist sehr locker, es wird viel gelacht. Für die Medizinerin ist es eine tolle Abwechslung zum Klinikalltag, bei der sie ihr Fachwissen einbringen und gleichzeitig den Blick hinter die Kulissen der Fernsehproduktion werfen kann.

Kurz vor jedem Einsatz erfährt sie, welche Operationen an ihrem Drehtag anstehen und kann sich entsprechend vorbereiten. Weitere Informationen zur eigentlichen Story gibt es aber auch für sie nicht – es soll ja schließlich nicht zu viel verraten werden. So bleibt ihr auch nichts anderes übrig, als allen anderen Fans: Sie schaltet dienstagabends ein oder schaut über die Mediathek, um zu wissen, was aus „ihren“ Szenen geworden ist.

Fragt man Claudia Staroste, was der gravierendste Unterschied zwischen der Serie und dem echten Krankenhausalltag ist, so sagt sie, dass zwar alles in allem die medizinischen Handlungen im OP recht realistisch sind, jedoch Highlights recht komprimiert sind und manche medizinische Handlungen zugunsten der Spannung im Plot angepasst werden. Am auffallendsten – auch für die Zuschauer – ist sicherlich, dass die Operateure vielfach disziplinübergreifend arbeiten. Und das in Kombinationen, die es in einer normalen Klinik so nicht gäbe. Zudem sind die privaten Verstrickungen der Ärzte und Pflegekräfte natürlich auch dem Plot geschuldet – ähnlich wie die Verdichtung der Ereignisse. „Aber es soll ja auch spannend für die Zuschauer sein“, meint Staroste, und freut sich auf noch möglichst viele Folgen „In aller Freundschaft“ unter ihrer fachlichen Mitwirkung.