30. April 2018 von Anne Stach in Newsroom
© David Strassburger Fotografie

Auch Schwangere sollten auf Sport nicht verzichten

Aktivität im geeigneten Maß ist gut für Mutter und Kind

Der Frühling lädt zu Bewegung und Sport unter freiem Himmel ein.

Viele Schwangere setzen ihren Sport aus oder verringern zumindest ihr Fitnessprogramm. Sie haben Angst, die Schwangerschaft zu gefährden oder dem ungeborenen Kind zu schaden. Diese Befürchtungen beobachtet auch Dr. Susanne Marek. Sie leitet als Oberärztin den Bereich Geburtshilfe am Sana Klinikum Offenbach. Die Fachärztin stellt klar: „Das Gegenteil ist richtig. Wer sich bewegt und fit hält, tut in aller Regel sich und dem Kind gut, denn Sport regt den Kreislauf und die Sauerstoffversorgung an.“ Besonders die Angst, in den ersten Monaten mit der sportlichen Bewegung eine Fehlgeburt auszulösen, sei nach wie vor groß. Dass mechanische Reize wie das Auftreten beim Joggen oder das Schaukeln beim Schwimmen eine Fehlgeburt begünstigten, sei ein hartnäckiger Irrglaube. „Schätzungsweise erleiden 10 bis 15 Prozent aller Schwangeren im ersten Schwangerschaftsdrittel eine Fehlgeburt, wissentlich oder ganz unbemerkt. Diese Fehlgeburten haben aber viele Ursachen und sind nicht durch sportliche Aktivität begründet“, betont Dr. Marek. Sie betont, dass das Schaukeln im Mutterleib die Entwicklung des Kindes fördere, insbesondere die Sinnesorgane.

Am Sana Klinikum Offenbach werden jährlich etwa 1.500 schwangere Frauen betreut. Als Perinatallevel1 und durch die Einbindung in ein Haus der Maximalversorgung sind dies sowohl ganz unkomplizierte Schwangerschaften und Geburten, als auch komplexe Schwangerschaften, Mehrlings- oder andere Risikogeburten. „Die Sportempfehlung gilt nicht für jede Frau im gleichen Maße, aber nur bei ganz wenigen Frauen ist von Sport ganz abzuraten“, erläutert die Expertin und berät jede Frau individuell. Nur von sogenannten Kontaktsportarten, bei denen es verstärkt zu körperlichen Zusammenstößen kommt wie beim Boxen oder anderen Kampfsportarten, aber auch von Sportarten mit sehr abrupten Bewegungsabläufen wie beim Squash, Tennis oder Basketball sollten alle Schwangere absehen.

Die positiven Wirkungen von Sport für die werdende Mutter fasst Dr. Marek so zusammen:

• Sport baut Stress ab, hebt die Laune und fördert so das Wohlbefinden.
• Vor allem Sportarten an der frischen Luft, aber auch Hallensport, verbessern die Sauerstoffversorgung und die Abwehrkräfte werden gestärkt.
• Sportlich aktive und trainierte Frauen erleben die Geburt meist als einfacher, und die Entbindungen dauern häufig kürzer, sie benötigen oft weniger Schmerzmittel und erhalten seltener einen Dammschnitt.
• Die Gefahr für Gefäßerkrankungen beispielsweise in den Beinen wird durch die Bewegung verringert, ebenso das Risiko für eine Schwangerschaftsdiabetes.
• Sportliche Bewegung hilft dabei, einer eventuellen Gewichtszunahme vorzubeugen.
• Die sportliche Betätigung kann die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit bis zur Entbindung fördern und so schon für die Zeit nach der Geburt wichtige Impulse geben.
• Sportlich aktive Mütter finden meist nach der Geburt schneller wieder zu einem ausgewogenen Körper- und Lebensgefühl.

Dr. Marek geht es bei ihrer Sportempfehlung nicht um Hochleistungssport, sondern um eine regelmäßige und ausgewogene Bewegung. Auch wenn es immer wieder prominente Sportlerinnen gibt, die nach ihrem Olympia- oder anderem Wettkampferfolg von ihrer aktuellen Schwangerschaft sprechen, ist der Expertin wichtig: „Leistungssport sollte mit den betreuenden Ärzten und Trainern abgestimmt sein.“ Es geht im Allgemeinen um regelmäßige, leichtere sportliche Bewegung. Welche Sportart oder Art der Bewegung für welche Frau das Beste ist, ist dabei sehr unterschiedlich, da auch die Bedürfnisse und die Vorlieben sehr verschieden sind. Gut geeignet sind in der Regel:

Nordic Walking – Walking hilft gegen Wassereinlagerungen in den Beinen, frische Luft ist besonders gut für die werdende Mutter und soll auch helfen, Übel und Schwindel in den ersten Schwangerschaftsmonaten abzubauen.

Radfahren (nicht Mountain-Biken) – Radeln wirkt Wassereinlagerungen entgegen, stärkt den Kreislauf und sorgt für eine gute Sauerstoffaufnahme.

Gymnastik und leichtes Turnen – Es sind besonders Mobilisationsübungen für Schultern und Becken empfehlenswert.

Schwimmen und Wassergymnastik – Sport im Wasser ist besonders auch für die zweite Schwangerschaftshälfte geeignet, wenn der Bauch schon deutlich zu spüren ist, da die Bewegung im Wasser die Gelenke schont.

Yoga eignet sich besonders gut für Frauen, die erst während der Schwangerschaft mit dem Sport beginnen möchten, da meist alle Muskelpartien gleichermaßen angesprochen werden. Gut sind auch Kurse, in denen Wert auf Atem- und Entspannungsübungen gelegt wird. Aber auch ausgedehnte Spaziergänge, Tanzen oder leichtes Aerobic kommen in Frage – es gibt viele Möglichkeiten sich fit zu halten. „Ich empfehle dabei besonders Sport in der Gemeinschaft. Es gibt auch von vielen Krankenkassen besondere Sportangebote für Schwangere. Da können sich die Schwangeren zum einen mit anderen Schwangeren austauschen, außerdem haben die Trainer meist viel Erfahrung mit Kursteilnehmerinnen `in anderen Umständen` und können im Falle eines Falles richtig reagieren.“ Eine Ausnahme macht Dr. Marek aber doch. Sie warnt vor zu hohem Temperaturen: „Im Hochsommer sollten Schwangere darauf achten, sich und das ungeborene Kind beim Sport nicht zu überhitzen.“

Veranstaltungshinweis:

Am Sonntag, 5. Mai laden die Hebammen am Sana Klinikum Offenbach ab 12 Uhr zu einem Tag der offenen Tür im Kreißsaal ein. Anlässlich des internationalen Hebammentages zeigen sie interessierten Schwangeren und allen Besuchern, was es bedeutet, Hebamme zu sein. Besucher können sich auf ein abwechslungsreiches und informatives Programm freuen. Weitere Informationen unter www.klinikum-offenbach.de/Frauenklinik