27. April 2018 von Beatrice Pietsch in Geparkt
© Sana Klinikum Hof

Sport mit Asthma? Jetzt erst recht!

Im Gespräch mit dem Kardiologen Dr. Wolfgang Hohenforst-Schmidt

Viele Asthmatiker scheuen sich aus Angst vor Atemnot, Sport zu treiben. Im Alltag vermeiden sie Anstrengungen, benutzen lieber den Fahrstuhl als die Treppe.

Dr. Wolfgang Hohenforst-Schmidt, Leitender Oberarzt der Kardiologie, Nephrologie, Pneumologie und internistischen Intensivmedizin sowie Sektionsleiter der Pneumologie am Sana Klinikum Hof, erläutert, wie Betroffene der verhängnisvollen Abwärtsspirale entkommen und Bewegung sinnvoll in ihren Alltag integrieren.

Herr Dr. Hohenforst-Schmidt, warum ist Sport gerade für Asthmatiker sinnvoll und notwendig? Aus der Angst vor Atemnot und der damit einhergehenden generellen Angst vor Anstrengung meiden Asthmatiker vielfach körperliche Aktivitäten und Sport. In Folge dessen nimmt ihre Kondition ab, die körperliche Leistungsfähigkeit sinkt. Dadurch kommt es jedoch noch schneller zu stärkerer Atemnot – der Teufelskreis schließt sich und Betroffene werden zunehmend inaktiver. Eine Verschlechterung der körperlichen Konstitution bis hin zur sozialen Isolation können die Folge sein. Dieser Teufelskreis kann nur durch angeleitete Aktivität überwunden werden.

Bewegung lässt sich in den Alltag integrieren, indem man mit dem Fahrrad ins Büro fährt oder regelmäßig spazieren geht. Welchen Einfluss hat die tägliche Bewegung auf die Asthmabeschwerden? Regelmäßige Bewegung im Alltag ist eine erste „sportliche Basismaßnahme“, um die Atemmuskulatur, aber auch den Knochenbau, zu stärken. Das kann der angesprochene Weg zur Arbeit per Fahrrad sein oder auch gemütliches Joggen. Bewegung steigert die Gewissheit, dass man als Asthmatiker bei „Luftnot“ besser mit einer Situation zurechtkommt. Selbstsicherheit und das Selbstwertgefühl steigen. Die Betroffenen werden belastbarer, zuversichtlicher und zufriedener. Eine „bewegte“ Lunge fördert zudem den Schleimabtransport aus der Lunge und verbessert ihre Selbstreinigung. Ein trainierter Mensch muss weniger oft einatmen, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Sport und körperliche Aktivität sind daher für Asthmatiker sowohl für das körperliche Wohlergehen wie auch das seelische Gleichgewicht wichtig.

Asthmakranke fürchten nichts mehr als die Kurzatmigkeit. Sie empfinden sie als beklemmend. Tatsächlich können Husten, pfeifende Atmung und Luftnot beim Sport auftreten. Wie können Betroffene den gefürchteten Verkrampfungen entgegentreten? Körperliche Anstrengung stärkt die Atmung, was bei Ungeübten durchaus zunächst einmal zu Verkrampfungen führen kann. Deshalb ist es wichtig, die persönliche Belastbarkeit vorab von einem Arzt einschätzen zu lassen und sich dabei gleich auch Tipps zu Trainingsmöglichkeiten und –intensität zu holen. Wer langsam einsteigt und sich allmählich steigert, kräftigt Stück für Stück seine Atmung. Diese braucht, wie jede Körperfunktion, ein gewisses Training. Darüber hinaus sollten Asthmatiker folgendes beachten: Die Standardtherapie in Form von Sprays unbedingt regelmäßig einnehmen und beim Sport das Notfallspray jederzeit zur Hand haben. Gleichzeitig Infekten durch Impfungen vorbeugen und bei einer bekannten Lungeninfektion keinen Sport treiben. Starten Sie mit Ihrer sportlichen Aktivität nur, wenn Sie stabil sind, das heißt sich innerhalb des grünen Bereichs der Asthmaampel befinden. Und übertreiben Sie es nicht: Nach Phasen der starken Belastung sollten Phasen der geringen Belastung folgen. Ein Peak-Flow-Meter kann dabei als einfaches Hilfsmittel dienen, die individuelle Lungenfunktion im Sinne des „Verkrampfungs-grades“ einzuschätzen.

Wie kann ich das Peak-Flow-Meter am besten einsetzen? Das handliche Gerät hilft herauszufinden, ob die empfundene Kurzatmigkeit einem Trainingsmangel oder dem Asthma geschuldet ist. Nach dem Einatmen müssen Sie dazu über das Mundstück fest hineinpusten bzw. ausatmen. Damit bestimmen Sie den Peak Flow, also den Spitzenfluss, und damit die Leistungsfähigkeit der Atmung. Die erste Messung führen Sie vor Beginn der sportlichen Aktivität durch, die nächste, wenn sie schwer atmen müssen. Ist der Peak Flow bei der zweiten Messung weniger als 15 bis 20 Prozent abgefallen, spricht das für einen Trainingsmangel als Ursache. Eine weitere Möglichkeit, herauszufinden, woraus die Kurzatmigkeit resultiert, kann die Abklärung der Lungenfunktion über eine Spiroergometrie bei Ihrem Pneumologen sein.

Nun ist die Ausdauerbelastung durch den Facharzt bestimmt und es kann losgehen. Gibt es Sportarten, die sich besonders für Asthmatiker eignen? Im Grunde gibt es kaum einen Sport, den Asthmatiker nicht betreiben dürfen. Wer sich aber zunächst unsicher fühlt, sollte eine Sportart wählen, die sich bei Bedarf schnell unterbrechen lässt. Also lieber Joggen und Radfahren als Wildwasserpaddeln. Grundsätzlich sind dynamische Ausdauersportarten wie beispielsweise Schwimmen, Wandern, Tanzen, Walken und Ski-Langlauf besser geeignet als Sportarten mit plötzlicher Maximalanstrengung, wie etwa Radrennen oder nicht angeleiteter Kraftsport. Bei Mannschaftssportarten sollten Sie zudem darauf achten, dass Sie in der Spielbegeisterung die eigene Leistungsfähigkeit nicht überschätzen. Und denken Sie daran, sich vorab 10-15 Minuten aufzuwärmen.