28. März 2018 von Anne Stach in Newsroom
© Sana Klinikum OffenbachDr. med. Michael Pauthner ist Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralmedizin am Sana Klinikum Offenbach.
© Sana Klinikum Offenbach

Wenn die Ostereier sauer aufstoßen – was tun bei Sodbrennen?

Ein Gespräch über Ursachen, Diagnosetechniken und Behandlungsmöglichkeiten

Dr. Michael Pauthner ist seit Januar neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralmedizin am Sana Klinikum Offenbach.

Er spricht über die Volkskrankheit Sodbrennen und was man dagegen tun kann.

Sodbrennen – was ist das?

Beim Sodbrennen – der sogenannten Refluxerkrankung – steigt das saure Magensekret in die Speiseröhre. Dieser etwa 30 Zentimeter lange Muskelschlauch verbindet den Mundraum mit dem Magen. Alles, was wir essen und trinken, wird durch wellenartige Bewegungen dieser Röhre in den Magenraum gedrückt. Im Normalfall verhindert ein Schließmuskel am Mageneingang, dass Magensäure in die Speiseröhre gelangen kann. Wenn hier etwas schief läuft, verursacht die säuerliche Flüssigkeit ein Brennen in der Speiseröhre, das Sodbrennen. Das Problem kennen viele, etwa 15 Prozent der Bevölkerung leiden an Sodbrennen.

Woran kann man eine Refluxerkrankung erkennen, welche Faktoren tragen dazu bei?

Die meisten Patienten berichten über brennende Schmerzen hinter dem Brustbein oder über saures Aufstoßen. Wenn das nur punktuell ist, ist es meist nicht so belastend. Bei ausgeprägtem Reflux können aber auch Entzündungen im Mund- und Rachenraum auftreten oder chronischer Husten bis hin zum Asthma. Übergewicht und das Vorliegen eines Zwerchfellbruches sind zusätzliche Risikofaktoren für Sodbrennen. Falsche Ernährung und unausgewogene Lebensführung, sehr fettige oder scharfe Kost, übermäßiger Alkoholkonsum, Kaffee und auch Rauchen können die Säureproduktion im Magen steigern und damit die Symptome verstärken. Zuviel Schokolade – jetzt in der Osterzeit – kann das Problem auch verstärken. Dabei ist Sodbrennen im Prinzip nicht gefährlich. Aber durch den langjährigen Reflux kann in der Speiseröhre eine schwere Schleimhautentzündung bis hin zum Speiseröhrenkrebs entstehen. Dann ist es nicht mehr nur unangenehm, sondern hochgradig gefährlich. Daher sollte Sodbrennen nicht auf die leichte Schulter genommen, sondern auf jeden Fall weiter abgeklärt werden.

Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es und worauf sollten Betroffene besonders achten?

Ein erfahrener Facharzt erkennt die Ursachen meist bereits im gezielten persönlichen Gespräch, in dem die genauen Beschwerden und Symptome sowie die Einnahme von Medikamenten Begleiterkrankungen genau erfragt werden. In der Regel wird den Betroffenen dann als erstes die Einnahme von säurehemmenden Medikamenten empfohlen. Sollten diese zu keiner Besserung führen oder besteht der Verdacht auf eine andere Erkrankung, muss die weitere Diagnostik durch einen Fachmann erfolgen. Empfehlenswert ist hier in erster Linie eine Magenspiegelung, seltener müssen Röntgenaufnahmen oder weitere Spezialuntersuchungen der Speiseröhre durchgeführt werden.

Was sind dann die Therapiemöglichkeiten?

Bei den meisten Betroffenen ist eine dauerhafte medikamentöse Behandlung zur Unterdrückung der Magensäure notwendig. Im Falle von Übergewicht sollte eine Gewichtsreduktion angestrebt werden und meist ist auch eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten unerlässlich. Bei schlechtem Ansprechen auf die Medikamente oder bei einer Unverträglichkeit besteht die Möglichkeit einer Operation. Gerade bei jungen Patienten kann ein solcher Eingriff unter Umständen eine lebenslange Medikamenteneinnahme vermeiden. Bei manchen Betroffenen liegt nachts eine große Menge an hochsteigendem Magensekret vor, wodurch weitere Komplikationen im Hals- beziehungsweise Rachenraum und in der Lunge auftreten können. Auch in diesen Fällen sind die Medikamente nicht ausreichend und eine OP ist dringend anzuraten.

Müssen sich Betroffene immer auf einen Krankenhausaufenthalt und im Falle einer OP auf einen komplizierten Eingriff einstellen?

Nein. Eine erste Diagnose und Therapie erfolgt in der Regel durch die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Wenn eine Spezialdiagnostik oder eine Operation erforderlich sind, werden die Patienten meist an Experten weiter überwiesen – zum Beispiel an unser VRZ, das Viszeralmedizinische Referenzzentrum am Sana Klinikum Offenbach. In unserem Zentrum haben wir alle Möglichkeiten der Diagnostik und eine sehr hohe Expertise sowohl internistisch als auch chirurgisch. In unserer Spezialsprechstunde bieten wir auch die Möglichkeit an, eine Zweitmeinung abzugeben. Sollte es zu einer OP kommen, dann wenden wir bei einer Refluxerkrankung prinzipiell schonende, minimal-invasive OP-Techniken an. Bei dem Eingriff wird durch eine spezielle Magenmanschette der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen wiederhergestellt und ein vorhandener Zwerchfellbruch verschlossen. Dazu bleiben die Patienten nur 2 – 3 Tage stationär im Krankenhaus und sind in der Regel sehr schnell wieder fit.

 

Veranstaltungshinweis:

Am Dienstag, den 8. Mai 2018, geht Dr. Pauthner um 18:00 Uhr im Rahmen der Patientenakademie der Frage nach: Sodbrennen und Zwerchfellbruch – wann ist eine Operation sinnvoll? Alle Interessierte sind herzlich in das Sana Klinikum Offenbach eingeladen. Infos unter www.klinikum-offenbach.de. Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich.