27. Februar 2018 von Philipp Jauch in Newsroom
© Sana-Klinikm RemscheidDr. Heinz-Wilhelm Esser ist Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie am Sana-Klinikum Remscheid
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Feinstaub lauert auch in der Küche

Im Gespräch mit dem Remscheider Pneumologen Dr. Heinz-Wilhelm Esser

Seit Jahren wird über Grenzwerte für Feinstaub diskutiert und nach Lösungen für eine saubere Luft gesucht.

Der Pneumologe Dr. Heinz-Wilhelm Esser vom Sana-Klinikum Remscheid erklärt, was Schadstoffe so gefährlich macht und warum man niemals bei geschlossenem Fenster kochen sollte.

Herr Dr. Esser, die Diskussion um die Schadstoffbelastung in den Städten ist voll entbrannt. Auch ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge in Großstädten scheint nicht mehr ausgeschlossen. Was macht die Abgase so gefährlich?

Dieselmotoren produzieren deutlich mehr Stickoxid, was sich mit Sauerstoff zu Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid verbindet. Zwei Stoffe, die die Atemwege reizen. Weiterhin werden erhebliche Mengen an Feinstaub produziert. Feinstaub  geht sehr leicht in die Lunge, da die Filterwirkung des Nasen-Rachenraums bei Partikeln, die kleiner sind als zehn Mikrometer, versagt. Feinstaub erreicht so auch die Lungenbläschen , wo er sich dann absetzt.

Mit welchen Folgen haben Menschen zu rechnen, wenn sie dauerhaft einer hohen Schadstoffbelastung ausgesetzt sind?

Vor allem Menschen mit bestehenden Atemwegserkrankungen leiden unter einer hohen Schadstoffbelastung, da sich ihr Gesundheitszustand häufig verschlechtert. So kommt es verstärkt zu Asthmaanfällen, Allergiesymptomen und Mittelohrentzündungen. Auch Krebs tritt vermehrt auf.

Wie kann man sich vor den Autoabgasen schützen? Hilft es Fenster und Türen geschlossen zu halten oder sollten wir am besten einen Mundschutz tragen, wie man es aus Metropolen in Asien kennt?

Dass ein profaner Mundschutz tatsächlich den Feinstaub abhält, wage ich zu bezweifeln. Wichtiger ist es, stark befahrende Straßen als Fußgänger zu meiden. Allerdings ist Feinstaub nicht nur durch Autos bedingt. Durch industrielle Vorgänge wird der größte Teil des Feinstaub produziert. Außerdem entsteht eine große Menge Feinstaub in der Landwirtschaft und – nicht zu vergessen – Feinstaub entsteht auch in unseren Räumen, etwa durch Öl-Heizungen, Kochen und vor allem beim Rauchen.

Wie würden Sie als Mediziner auf Schadstoffe, die unsere Atemwege belasten, reagieren? Gibt es Möglichkeiten der Prävention?

Leider gibt es kaum Möglichkeiten, sich dem Feinstaub komplett zu entziehen. Daher ist es umso wichtiger, Feinstaub in den eigenen vier Wänden zu vermeiden. Man sollte nie in geschlossenen Räumen kochen oder braten und schon gar nicht rauchen! In einer Studie wurde nachgewiesen, dass drei abgebrannte Zigaretten mehr Feinstaub produzieren, als ein Dieselmotor, der eine halbe Stunde läuft- eindrucksvoll, oder?

Und was kann man tun, wenn es bereits zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen gekommen ist? Kann sich die Lunge wieder von den Abgasen erholen und völlig gesund werden?

Bei lungenerkrankten Patienten wird es zu keiner vollständigen Erholung kommen. Sie sollten regelmäßige in Regionen mit Reizklima fahren, beispielsweise an die Nordsee oder in die Berge. Eine gesunde Lebensweise und ausreichend Sport führen auch zu einer gesünderen Lunge.