19. Februar 2018 von Philipp Jauch in Newsroom
© PexelsUm den Stresslevel zu reduzieren, sollte man auf digitale Technologie ab und zu verzichten
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Weniger Stress durch digitale Entschlackung

Tipps für mehr Entspannung ohne Technik.

Ein Leben ohne Smartphone ist heute unvorstellbar. Dabei lohnt es sich, technische Geräte von Zeit zu Zeit beiseite zu legen.

Zwei Drittel der Beschäftigten fühlen sich durch die ständige Erreichbarkeit im Job belastet. Und auch Schüler leiden unter der Omnipräsenz der Medien: 300.000 Jugendliche in Deutschland sind onlinesüchtig. Zeit für eine digitale Entschlackung.

Das Smartphone, der Laptop, ein Fernseher mit Internetverbindung und ein Soundsystem, das sich per Stimme steuern lässt: Vernetzte Geräte und moderne Kommunikationstechnik sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das schafft Erleichterung und es eröffnet neue Möglichkeiten.

Die Technik verändert auch das Berufsleben: Statt langer Arbeitswege zurückzulegen, kann man viele Dinge am heimischen Schreibtisch lösen. Dienstreisen werden durch Videokonferenzen ersetzt, Schulungen durch Online-Seminare. Das alles spart Zeit und Geld und es soll dazu beitragen, dass Menschen selbstbestimmter, freier leben. Doch die Dauererreichbarkeit hat ihren Preis: Eine Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit hat ergeben, dass durch die intensive Nutzung des Smartphones die Erholungszeiten verkürzt werden und die Schlafqualität abnimmt. Ein Drittel der Befragten sieht das Familienleben und die Freizeitaktivitäten eingeschränkt. Stressbedingte Gesundheitsbeschwerden wie Bluthochdruck und psychische Beschwerden wie Ängstlichkeit, Burnout oder ernsthafte Krankheiten wie Depression seien schlimmstenfalls die Folge.

Unternehmen und Mitarbeiter reagieren auf digitale Überbelastung

Inzwischen haben viele Unternehmen reagiert und Schutzmechanismen eingerichtet. Mitarbeiter müssen nicht mehr rund um die Uhr für den Chef erreichbar sein. Mails nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub müssen nicht beantwortet werden. Einige Konzerne gehen sogar soweit, dass sie die Zusendung von E-Mails außerhalb der Arbeitszeit unterbinden.

Nicht nur die Unternehmen haben die Risiken der Dauererreichbarkeit erkannt. Auch immer mehr Menschen wünschen sich mehr Ruhe und entscheiden sich ganz bewusst für Digital Detox, eine digitale Entschlackung. Darunter versteht man den bewussten Verzicht auf das Internet und jegliche digitalen Kommunikationsmittel. Offline statt online – real statt virtuell.

Mittlerweile ist aus dem Trend zur digitalen Entgiftung ein ganzer Wirtschaftszweig entstanden. Es gibt Luxushotels, in denen die Gäste ihr Handy schon beim Checkin in den Safe sperren lassen. Klöster bieten die Möglichkeit zur Einkehr, um sich hinter dicken Mauern im Funkloch auf das Wesentliche zu besinnen. Sogar Digital Detox Camps werden angeboten, in denen die Teilnehmer zusammenleben wie zu Zeiten vor 1987, als es noch kein massenmarktfähiges Smartphone gab. Sie alle verbindet ein Ziel: Sie wollen zur Ruhe kommen.

 Klare Regeln im Umgang mit der neuen Technologie

Dabei braucht es gar nicht die Abgeschiedenheit des Klostergartens, um die negativen Folgen der Digitalisierung zu reduzieren. Vielmehr geht es darum, den bewussten Umgang mit der modernen Technologie zu erlernen. Dass man jederzeit erreichbar sein könnte, sollte nämlich nicht bedeuten, dass man ständig erreichbar ist. Einige Tipps können helfen, trotz Smartphone nicht in Dauerstress zu geraten:

  • Die Smartphone-freie Zeit: Das Smartphone kann unser Leben erleichtern – und es kann ungeheuren Stress auslösen. Legen Sie das Telefon einfach einmal zur Seite. Schalten Sie das Telefon bewusst einige Stunden aus und gehen Sie offline. Vor allem am Wochenende und vor dem Schlafen gehen sorgt der Verzicht dafür, dass Sie zur Ruhe kommen, sich entspannen und besser schlafen.
  • Nutzen Sie nicht alle Dienste auf dem Smartphone: Wer sich vom Smartphone wecken lässt, hat das Telefon meist neben sich auf dem Nachttisch liegen. Studien zeigen, dass der Schlaf schon alleine deshalb weniger tief ist, weil wir unterbewusst in der Erwartung sind, dass wir eine Nachricht bekommen. Nutzen Sie lieber einen Wecker und verbannen Sie das Mobiltelefon aus dem Schlafzimmer.
  • Push-Nachrichten deaktivieren: Wenn Sie die Push-Nachrichten auf dem Smartphone aktivieren, erhalten Sie ständig aktuelle Neuigkeiten, Artikelempfehlungen oder Video-Vorschläge. Das Dauerfeuer an Informationen erzeugt Stress. Rufen Sie Nachrichten lieber gezielt auf und lesen Sie was Sie wollen, wann Sie es wollen.
  • Chat-Funktionen mit Bedacht nutzen: Mit rund 34 Millionen Nutzern täglich ist Whatsapp der wichtigste Messanger-Dienst in Deutschland. Im Durchschnitt verschickt jeder Nutzer 55 Nachrichten am Tag. Damit die Kommunikation nicht überhandnimmt, sollten Sie Benachrichtigungen stumm schalten und genau überlegen, welcher Gruppe sie beitreten.
  • Keine Technik im Schlafzimmer: Das blaue Licht von Smartphone- und Laptopdisplays wirkt auf das Gehirn aktivierend. Wenn wir vor dem Schlafen gehen noch das Tablet benutzen oder Nachrichten lesen, kommt unser Körper weniger zur Ruhe. Daran ändert auch das neue, gelbe Licht nichts, das die Hersteller im „Night Shift Modus“ verwenden. Besser ist: Zwei Stunden vor dem Schlafen gehen das Mobiltelefon ausschalten, technische Geräte aus dem Schlafzimmer verbannen und durch ein gutes Buch ersetzen.
  • Die eigenen Gefühle und Erwartungen ansprechen: Wer einen bewussteren Umgang mit digitalen Medien anstrebt, sollte sein Ziel am besten in Gemeinschaft verfolgen. Klare Regeln wann digitale Technik genutzt werden darf und welche Ruhezeiten gelten fördern das Bewusstsein und schaffen Verständnis. Denn so wissen auch Verwandte, Freunde und Kollegen, wann Sie erreichbar sind. Das gibt auch ein Gefühl der Sicherheit, falls man sie einmal nicht erreicht. Denn das muss kein Grund zur Sorge sein.