30. Januar 2018 von Oliver Winklmüller in Newsroom
© Fotolia | Pavel KlimenkoGeht es um das Thema  »Ethik im Krankenhaus« gibt es oft nicht den einen richtigen Weg. Kernidee des Ethik-Cafés ist daher, ins Gespräch zu kommen und über den Austausch ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was ethisches Handeln im Krankenhausalltag bedeutet.
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Ethik im Diskurs

Sana Kliniken Leipziger Land bieten ab 13. Februar zweimal im Jahr ein offenes Ethik-Café an.

Mediziner und Pflegepersonal sehen sich immer häufiger auch mit ethisch-moralischen Fragen konfrontiert – die jedoch außerhalb ihrer fachlichen Handhabe liegen.

Um diese Fragen beantworten zu können und die Würde des Patienten zu achten, gibt es im Sana Klinikum Borna seit 2012 das Ethikforum. Am 13. Februar 2018 will das Klinikum erstmals ein Ethik-Café für Interessierte anbieten. Über die Hintergründe sprachen wir mit der Karnkenschwester und Stationsleiterin Jacqueline Lindner und mit Diplom-Psychologin Claudia Fasarakis.

Warum ist es notwendig geworden, ein Ethikforum zu gründen?
Lindner: Die fortschreitende technische Entwicklung in der Intensivmedizin bringt für Mediziner und Pflegekräfte und Angehörige komplett neue Entscheidungswelten mit sich. In Krankheits- oder Verletzungsfällen, die vor einigen Jahren noch nicht mit dem Leben vereinbar waren, können wir den Patienten heute am Leben erhalten. Oft steht dann die Frage im Raum: Möchte dies der Betroffene überhaupt? An dieser Stelle stehen medizinisches Personal und Angehörige vor einer großen Herausforderung. Denn der Betroffene kann sich dazu in den wenigsten Fällen noch konkret äußern.

Sie stehen also vor der enormen Herausforderung, auszuloten, was der Patient möchte?
Fasarakis: Ja, darum dreht sich Denken und Handeln bei der Ethikberatung. Der Wille des Patienten steht für uns an erster Stelle. Kann er diesen nicht mehr äußern, versuchen wir, seinen mutmaßlichen Willen gemäß seiner Wertvorstellung zu bestimmen. In zweiter Linie unterstützen wir unsere Mitarbeiter, medizinische Entscheidungen auch mehr unter Einbezug ethischer Aspekte zu treffen, und beraten Angehörige, die uns in gleicher Unsicherheit um Rat fragen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für ihr Gremium?
Fasarakis: Wir sehen uns als neutrale Berater, die eine Entscheidungsfindung unterstützen. Wir dürfen nichts in den jeweiligen Fall hineininterpretieren. Und nicht das, was wir uns für den Menschen wünschen würden, auch für ihn empfehlen. Das Ethikforum soll als Sprachrohr des Patienten dienen.

Wie werden die Angehörigen in solche Krankheitsfälle eingebunden?
Lindner: Natürlich ist es wichtig, die Anliegen, Fragen, Wünsche und Erwartungen der Angehörigen anzuhören, wenn um die Einschätzung des Patientenwunsches geht und zu einer würdevollen Entscheidung über das weitere medizinische Vorgehen beiträgt. Ferner kann eine Zusammenfassung und Erläuterung der fallbezogenen Fakten den Angehörigen auch helfen, die Situation besser einzuordnen und verstehen zu können.

Wer sind die Mitglieder des Ethikforums an den Sana Kliniken Leipziger Land?
Fasarakis: Dem Ethikforum gehören 17 Mitglieder an. Unser Gremium setzt sich aus Pflegekräften, Vertretern der Kirche, Betreuungsrichter und Ärzten zusammen. Hinzu kommen Mitarbeiter anderer Disziplinen aus dem Haus, wie beispielsweise Sozialdienst, Physiotherapie und Psychologie. Die Ärzte sind hier in der Minderzahl, das ist bewusst so gewollt.

Die Planung des ersten Ethik Cafés ist terminiert. An wem richtet sich das Café?
Lindner: Das Café ist offen für alle. Sowohl Interessierte, Patienten, Angehörige aber auch Mitarbeiter können diese Plattform des Austausches zu medizinisch-ethischen Fragen im Klinikkontext nutzen. Dazu gehören zum Beispiel Fragen zur Entscheidung am Lebensende oder auch Fragen zur Patientenverfügung, Generalvollmacht etc. Der Austausch findet in kleinem Kreis in einer angenehmen Atmosphäre statt.

Dies heißt also, dass Interessierte Themen mitbringen sollen?
Fasarakis: Ja. Dies wünschen wir uns sogar. Wir sehen uns in der beratenden Funktion und stehen dem offenen Austausch gegenüber. Vor diesem Hintergrund ist auch die Idee mit dem Ethik-Café entstanden. Es gab in der Vergangenheit wiederholt Anfragen dazu.

Wie oft soll das Ethik-Café künftig stattfinden?
Lindner: In dieser Form ist ein Austausch zweimal jährlich geplant. Je nach Bedarf können auch zusätzliche Termine angeboten werden. Los geht es am 13. Februar, dann treffen wir uns ab 14 Uhr im »Raum der Stille« im Bornaer Krankenhaus.