13. Dezember 2017 von Anja Kley in Newsroom
© Sana Klinikum HofÜbungsszene auf der Intensivstation
© Sana Klinikum Hof

In Notfällen darf keine wertvolle Zeit verloren gehen.

Lernen ohne Risiko für den Patienten.

Simulationstrainings für Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte - ein Pilotprojekt der Sana Kliniken AG durchgeführt im Sana Klinikum Hof.

Intensivstation – Notsignal aus Zimmer 210. Ärzte und Pflegekräfte eilen zum Patienten. Dort angekommen wird schnell klar, der Patient hat sich den Beatmungsschlauch selbst entfernt. Er ist bewusstlos und in einer lebensbedrohlichen Situation. Nun zählt jede Minute. Eine Ärztin übernimmt die Einsatzführung und entscheidet, was in den nächsten Minuten von wem zu tun ist. Eine Szene, wie Sie täglich auf einer Intensivstation vorkommen kann. Nur, dass es dieses Mal eine simulierte Szene ist und der Patient eine Trainingspuppe. Kein Notfall, sondern ein Training für Ärzte und Pflegekräfte des Sana Klinikums Hof.
Wo Menschen arbeiten,– da können Fehler passieren. Das ist auch im Gesundheitswesen so. In medizinischen Notfallsituationen liegen Fehlerursachen weniger in der medizinischen Fachlichkeit sondern in der klaren Kommunikation des Notfallteams. Bei einem medizinischen Notfall müssen schnell 3-10 Personen Ärzte und Pflegekräfte Hand in Hand arbeiten. Hier können klare Kommunikationsregeln und Entscheidungen über Leben oder Tod entscheiden. Die Luftfahrt probt Teamkommunikation für Notfallsituationen routinemäßig. Im Krankenhaus ist ein solches Training weniger verbreitet, weil nicht verpflichtend. Dabei geht es nicht um eine standardisierte Reanimationschulung, die es sehr verbreitet in Krankenhäusern gibt. Es geht tatsächlich im Schwerpunkt darum, die Verhaltensweisen im Team zu beobachten und zu analysieren. Die Sana Kliniken AG hat sich im Rahmen ihrer Konzepte zur Erhöhung der Patientensicherheit dazu entschlossen, in ihren Kliniken solche Simulationstrainings durchzuführen. Eine bemerkenswerte Entscheidung, wenn man den enormen Aufwand bedenkt, der dafür betrieben wird. Eine Woche lang wird in den Räumlichkeiten wie OP, Notaufnahme, Intensivstation, Herzkatheterlabor ganztägig geübt. Das dafür benötigte Personal wird für das Tagestraining extra freigestellt, denn der Routinebetrieb muss nebenbei ja weiterlaufen. „Für ein Klinikum unserer Größe ist ein solches Training eine große organisatorische Herausforderung.“, berichtet Geschäftsführer Dr. Otto. „Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Simulationstrainings ein Gewinn für die Sicherheit unserer Patienten darstellen, da sie die Zusammenarbeit unserer Teams fördern.“ Ziel des Sana Klinikums Hof ist es, die Simulationstrainings auch im kommenden Jahr fortzuführen. Teilnehmer Markus Gäbler, Stv. Leitung Anästhesieabteilung, meinte im Anschluss an das Training in der Notaufnahme: „Ich empfand das Training als eine echte Bereicherung für unser Team. Gerade die sehr professionelle Auswertung durch die erfahrenen Trainer, hat uns als Team gestärkt und aufgezeigt, wie wichtig eine gute Kommunikation zwischen uns Mitarbeitern ist.“ Die geschärfte Wahrnehmung, Situationen genau zu hinterfragen, sind extrem wichtig. Haben wir die richtige Entscheidung getroffen, was hat uns dazu bewegt, hätten wir einen anderen Weg gehen können? Fragen denen man im Nachgespräch der Übung auf den Grund gegangen ist und so einen ganz anderen Blick auf die Situation und das Handeln der Kollegen gewinnen konnte.“
Wo gearbeitet wird – da können Fehler passieren. Die gute Nachricht aber ist: Es gibt bereits bewährte Strategien, um Sicherheitslücken zu schließen und die Fehlerquote deutlich zu reduzieren – während gleichzeitig die Effizienz und Effektivität der alltäglichen Arbeitsroutine gesteigert werden können.
Wie genau muss man sich ein Simulationstraining vorstellen? Die Mitarbeiter und Teams des Sana Klinikums Hof erlernen und trainieren in modernen Simulations-Teamtrainings unter Anleitung eines Trainers effektive Strategien, ihre medizinischen Kenntnisse und Fähigkeiten auch in dynamischen und komplexen Situationen sicher anzuwenden. So können viele Fehler und Zwischenfälle vermieden werden. Das Training ist neben medizinischen Aspekten schwerpunktmäßig auf die Erkennung und Verbesserung von menschlichen Faktoren und Verhaltensweisen im Team ausgerichtet. Für das Training werden neben modernen Patientensimulatoren auch eine Audio-Videoanlage aufgebaut. Diese ermöglicht es zum einen, den gerade nicht im Szenario aktiven Teilnehmenden das Geschehen mit zu verfolgen und sich so auch in der Nachbesprechung der Szenarien einbringen zu können. Ziel ist es, zum Nachdenken über den ein oder anderen Aspekt des Handelns in Notfallsituationen anzuregen und gemeinsam mit den Mitarbeitern gute Handlungen zu bestärken und für andere Verbesserungsansätze und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Die Instruktoren legen in den Nachbesprechungen Wert auf einen wertschätzenden konstruktiven Umgang miteinander. Es geht darum typische Situationen und Probleme zu reflektieren und zu Lerneffekten anzuregen.