7. Dezember 2017 von Doreen Ohlhoff in Medizin des Lebens, Newsroom
© Sana-Krankenhaus RügenOberarzt Dr. med Roland Nießner und Chefarzt Dipl.-Med. Bernd Radzewitz (v. l.)
© Sana-Krankenhaus Rügen

25 Jahre minimal-invasive Chirurgie (MIC) am Sana-Krankenhaus Rügen

Am 3.11.1992 wurde die erste laparoskopische Gallenblasenentfernung im Sana-Krankenhaus Rügen durchgeführt.

Die laparoskopische Chirurgie ist ein Teilgebiet der Chirurgie, bei der mit Hilfe von Video-Optik Eingriffe innerhalb der Bauchhöhle vorgenommen werden.

Sie wird dem Komplex der minimalinvasiven Chirurgie zugeordnet.

Unter minimalinvasiver Chirurgie sind operative Eingriff mit kleinsten, also minimalen Verletzungen von Haut und anderem Gewebe zu verstehen. Sie wird daher häufig auch als Schlüsselloch- oder Knopflochchirurgie bezeichnet.

Beginn der Laparoskopie im Krankenhaus Bergen

Der Wunsch der Ärzte, menschliche Körperhöhlen oder -gänge zu besichtigen, um Erkrankungen zu erkennen und zu behandeln, ist schon sehr alt. Leicht zugängliche Körperhöhlen wie der Mund, das Rektum oder auch die weibliche Scheide wurden schon in der Antike mit Hilfe von Spekula besichtigt. Berichte über Katheter und Mastdarmspiegel sind von HIPPOKRATES II., „der Große“ bekannt.

Nur fünf Jahre nach der weltweit ersten Cholezystektomie mit der Mehrtrokartechnik, am 03.11.1992, wurde im Sana-Krankenhaus Rügen die erste laparoskopische Gallenblasenoperation durchgeführt. Es folgten 1994 die ersten laparoskopischen Leistenbruchoperationen und Blinddarmentfernungen, sowie 1998 und 1999 die ersten Zwerchfellbruch- und Dickdarmoperationen.

Warum ist das so zu würdigen?

In sehr vielen, auch größeren Krankenhäusern, teilweise auch an Universitätskliniken, wurden die ersten laparoskopischen Operationen deutlich später durchgeführt.

Warum? Die neuen endoskopischen Operationsmethoden wurden anfangs von den meisten Chirurgen einfach ignoriert. Ursache war teilweise auch die Einführung neuer Medikamente, die beeindruckenden Ergebnisse der Intensivmedizin und neuen Möglichkeiten in der Anästhesie, die ausgedehntere Operationen ermöglichten.
Der Grundgedanke, dass große Probleme (Erkrankungen) auch große Lösungen (Bauchschnitt) erfordern, war so tief im chirurgischen Denken verwurzelt, dass für die „Schlüssellochchirurgie“ kein Platz war.

Die Pioniere der laparoskopischen Operationstechnik hatten es sehr schwer, sich gegen die einflussreichen und  in den Führungspositionen befindlichen Verfechter der konservativen Operationstechniken durchzusetzten. Nur wenige Chefärzte waren bereit, etablierte Operationsmethoden (zum Beispiel Appendektomie) zu verlassen und diese durch technisch schwierige zu ersetzen und neue Operationstechniken an ihren Kliniken einzuführen.

Viele führende Mediziner, sowohl Gynäkologen als auch Chirurgen, kritisierten Kurt Semm für seinen vehementen Einsatz für die sogenannte „Schlüssellochchirurgie“. Noch 1981 forderte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie nach einem Vortrag von Kurt Semm über die laparoskopische Appendektomie in einem Brief an den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Kurt Semm die Approbation zu entziehen.

Eine wissenschaftliche Veröffentlichung über die laparoskopische Appendektomie im American Journal of Obstetrics and Gynecology wurde mit der Begründung, die Technik sei unethisch, abgelehnt.

Nach vielen von Semm in den USA abgehaltenen Kursen wurde die operative Laparoskopie dort jedoch bald akzeptiert. Über diesen Umweg kam die laparoskopische Chirurgie von dort nach Deutschland zurück und konnte sich dann auch hier durchsetzen. Heute stellen viele endoskopische Eingriffe Standardoperationen dar. (Quelle: Wikipedia).

Ein Pionier der Laparoskopie im Krankenhaus Bergen

Der Oberarzt Dr. Roland Nießner war bei den ersten laparoskopischen Eingriffen dabei und führte selbst die ersten Blinddarm- und Dickdarmoperationen im Sana-Krankenhaus Rügen durch. Seit 25 Jahren setzt er sich für die Etablierung der gängigen laparoskopischen Operationsmethoden ein und entwickelte in Bergen die laparoskopischen Operationstechniken weiter. Er hat einen großen Anteil daran, dass etwa dreiviertel aller Operationen mit der laparoskopischen Operationstechnik durchgeführt werden.

Heute werden im Sana-Krankenhaus Rügen monatlich bis zu 60 minimalinvasive Eingriffe durchgeführt. Im Jahr 2016 operierten Oberarzt Dr. Roland Nießner, Chefarzt Bernd Radzewitz und Oberarzt Dr. Thomas Wedler ca. 660 Patienten minimalinvasiv. An erster Stelle stehen die Gallenblasenoperationen mit 170 Eingriffen und die Appendektomieen (Blinddarmentfernungen) mit 120 Eingriffen. Die Zahl der Leistenbruch- und Dickdarmoperationen steigt stetig an und lag 2016 bei insgesamt 120 Eingriffen. Aber auch Operationen am Magen, Verwachsungslösungen, Narbenbrüche und diagnostische Eingriffe gehören in die Statistik der minimalinvasiv operierenden Ärzte am Sana-Krankenhaus Rügen.