27. November 2017 von Martina Steck in Auszeichnungen, Newsroom
© Sana Herzchirurgie Stuttgart

Jubiläumsoperation schenkt jungem Mann aus Sibirien ein neues Leben

Weltrekord: 750. Ross-OP in der Sana Herzchirurgie Stuttgart

Der 19-Jährige Ramazan R. kam den weiten Weg aus Sibirien, um sich in der Sana Herzchirurgie Stuttgart einer Herz-Operation zu unterziehen.

Ramazan R. sitzt im Aufenthaltsbereich der Sana Herzchirurgie und tippt in sein Smartphone. Er schreibt seiner Familie und Freunden aus der Heimat, dass es ihm gut geht. Denn der 19-Jährige kam den weiten Weg aus Krasnojarsk in Sibirien, um sich in der Sana Herzchirurgie Stuttgart einer Herz-Operation zu unterziehen.

Doch warum ließ er sich nicht in seiner Heimat operieren? Der junge Mann, der selbst seit kurzem in Russland Medizin studiert, ging mit Symptomen wie starker Erschöpfung und Kurzatmigkeit nach nur kleinsten Anstrengungen zum Arzt. Dort wurde ihm eine Erkrankung der Aortenklappe diagnostiziert. Genauer gesagt funktionierte der Blutfluss von der linken Herzkammer in die Hauptschlagader nicht richtig, da die Aortenklappe nicht mehr korrekt öffnete beziehungsweise verengt war (Stenose) sowie nicht mehr richtig schloss und damit undicht war (Insuffizienz).

Ursache dieser kombinierten Herzerkrankung war eine bikuspide Aortenklappe. Das bedeutet, dass die Klappe nur mit zwei Segeln angelegt ist statt mit normalerweise drei Segeln. Von dieser angeborenen Variante sind bis zu zwei Prozent der Bevölkerung betroffen. Sie stellt die häufigste Ursache einer Aortenklappenerkrankung bei jüngeren Menschen dar. Wenn eine schwere Funktionsstörung der Klappe eingetreten ist, ist eine Operation lebensnotwendig. Allerdings wurde Ramazan im heimischen Krankenhaus eine künstliche Aortenklappe angeboten. Dies würde bedeuten, dass er ein Leben lang Medikamente einnehmen müsste, die eine Hemmung der Blutgerinnung bewirken.

Tausch der eigenen Herzklappe statt Klappenersatz

Der angehende Mediziner recherchierte daraufhin im Internet. Die rettende Lösung fand er in der weit entfernten Sana Herzchirurgie Stuttgart, die seit über 20 Jahren das sogenannte Ross-Operationsverfahren durchführt. „Ich wollte nicht mein Leben lang täglich Medikamente schlucken und vielleicht sogar in ein paar Jahren erneut operiert werden“, sagt Ramazan.

Bei diesem Eingriff, der nach seinem Erfinder Sir Donald Ross benannt ist, spendet sich der Patient den Ersatz für die defekte Herzklappe sozusagen selbst. Prof. Dr. Wolfgang Hemmer, Leitender Arzt für Spezielle Herzklappenchirurgie in der Sana Herzchirurgie Stuttgart ist weltweit einer der wenigen langjährig erfahrenen Spezialisten für die Ross-Operation, die in Deutschland nur von wenigen Herzzentren angeboten wird. Bei der Ross-Operation geht es im Prinzip um einen Klappentausch: Der Herzchirurg entfernt die defekte Aortenklappe und ersetzt sie durch die anatomisch fast identische Pulmonalklappe des Patienten. An deren Stelle wird eine pulmonale Spenderklappe eingesetzt, die aus einem gespendeten Herz stammt. Die anfälligere Spenderklappe leistet ihre Dienste im mechanisch weniger belastenden Niederdrucksystem des rechten Herzens und ist somit sehr haltbar. Die getauschte eigene Herzklappe wiederum hält dem hohen Blutdruck des linken Herzens problemlos stand. Sie passt sich der neuen Position sogar an, indem sie sich zunehmend verdickt. „Da wir keinen Fremdkörper implantieren, müssen die Patienten keine Blutgerinnungsmedikamente einnehmen. Die körpereigene transplantierte Herzklappe funktioniert sehr zuverlässig und dauerhaft, sodass eine erneute Operation fast immer vermieden werden kann“, erklärt Hemmer

 750. Ross-OP: Jubiläum ist Weltrekord

Die Operation von Ramazam R. war jedoch nicht nur aufgrund seiner weiten Anreise etwas ganz Besonderes für die Operateure Prof. Dr. Wolfgang Hemmer und Dr. Vladimir Voth, die in der Sana Herzchirurgie Stuttgart die Ross-Operationen durchführen. Dies war die 750. Operation nach diesem Verfahren im Hause und gleichzeitig Weltrekord: „Es gibt meines Wissens weltweit keine Klinik, die mehr Eingriffe dieser Art durchgeführt hat“, sagt Prof. Hemmer stolz. Die Operation dauert etwa vier Stunden und erfordert eine Vielzahl von diffizilen Schnitten und Nähten. „Eine sehr geübte Hand ist die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg bei diesem anspruchsvollen Eingriff“, betont Prof. Hemmer. In vielen Ländern wird dieser Eingriff nicht mehr durchgeführt, obwohl er für die Patienten ausgesprochen erfolgsversprechend ist. Prof. Dr. Nicolas Doll, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Sana Herzchirurgie Stuttgart erklärt: „Das liegt daran, dass es im Ausland oft nicht die erfahrenen Chirurgen gibt, die diese komplexe Operation ohne Komplikationen durchführen können.“

Lebensqualität wie bei Gesunden

„Wir dokumentieren alle Fälle und Ergebnisse in einem unabhängigen Register. Es zeigt sich, dass unsere Patienten hinsichtlich Lebensqualität und Lebenserwartung nicht von der gesunden Bevölkerung zu unterscheiden sind“, bestätigt Hemmer. Auch der 19-jährige Ramazan R. konnte bereits am zehnten Tag nach der Operation seinen Heimflug antreten: Zum Glück habe ich hier in Deutschland diese Klinik gefunden. Ganz besonders danke ich meinen Chirurgen.“