10. November 2017 von Anne Stach in Newsroom, Sprechstunde
© Prof. Dr. med. M. Rauschmann

Wenn gehen zur Qual wird

Im Blickpunkt: die Spinalkanalstenose

Im letzten Teil der aktuellen Themenwoche gibt Prof. Dr. Rauschmann einen Überblick von der arteriellen Verschlusskrankheit bis zur Spinalkanalstenose.

Verschleißbedingte Erkrankungen der Wirbelsäule stellen die häufigste Ursache für Rückenschmerzen mit beziehungsweise ohne Ausstrahlungen in die Beine des Patienten dar. Diese können des Weiteren auch mit Taubheitsgefühlen und in ausgeprägten Fällen auch mit Lähmungen, das heißt Ausfallserscheinungen einzelner Muskelgruppen, einhergehen. Das typische Leitsymptom dieser Patienten ist häufig die verkürzte Gehstrecke und die Verbesserung der Beschwerden unter Vorneigung des Rumpfes. Deshalb können Patienten mit einer solchen Problematik häufig gut Fahrradfahren und legen sich gerne während des Einkaufes mit den Armen voran auf den Einkaufswagen. Denn diese Stellungen erweitern den Wirbelkanal und lindern die Beschwerden. Die lumbale Spinalkanalstenose, das bedeutet eine Verengung im Spinalkanal der Wirbelsäule, durch die das hochempfindliche Rückenmark verläuft, ist häufig auch mit Rückenschmerzen gepaart. Diese entstehen durch eine Arthrose der Wirbelgelenke oder auch durch Zysten, die von der Arthrose ausgehen und den Kanal zusätzlich einengen.

Leiden Sie an einer solchen Spinalkanalstenose-Symptomatik, und besteht dieses Problem länger als 6 Wochen, dann sollte eine weiterführende Diagnostik eingeleitet werden. Hierzu gehört in aller Regel, neben der klinischen Untersuchung, die Darstellung der Wirbelsäule im Röntgenbild sowohl in Ruhe, wie auch in Bewegung. Darüber hinaus ist heute zur Beurteilung der Bandscheiben und des Rückenmarkkanales die Kernspintomographie die Standardmethode. Ist diese nicht zur Verfügung oder kann aus unterschiedlichen Gründen wie Herzschrittmacher, Cochlea-Implantat oder Platzangst nicht durchgeführt werden, kann stattdessen eine Computertomographie, eventuell mit Kontrastmittelgabe in den Rückenmarkschlauch (Myelographie), vorgenommen werden. In Offenbach ist der Zugang zu einer umfänglichen Diagnostik am Sana Klinikum unter einem Dach gegeben.

Je nach Befund im Röntgenbild und MRT beziehungsweise CT stimmen sich alle Beteiligten interdisziplinär über die Beschreibung der Symptomatik, den Ergebnissen der klinischen Untersuchung und über das weitere Vorgehen ab. Denn zur Verfügung stehen konservative wie auch operative Therapiemaßnahmen. Während eindeutig neurologische Symptome wie Lähmungen meist zeitnah operativ therapiert werden sollten, behandeln wir Patienten mit Schmerzen ohne eindeutige Ausfallserscheinungen meist zunächst konservativ, das heißt also nicht operativ. Im Einzelfall kann mit Infiltrationen der Gelenke, der Nerven oder mit einem Schmerzkatheter im Rückenmarkkanal versucht werden, die Beschwerden zu lindern oder sogar ganz zu eliminieren. Gelingt dies über einen Zeitraum von 6 Monaten nicht zur Zufriedenheit des Patienten, ist erneut über ein operatives Vorgehen zu diskutieren. Hier stehen zumeist rein entlastende Maßnahmen zur Verfügung. Es kann minimal-invasiv, das heißt mikroskopisch, der Kanal erweitert werden. Liegt gleichzeitig eine Arthrose der Gelenke vor, kann durch ein zusätzlich gelenkentlastendes Implantat Linderung des Rückenschmerzes erreicht werden. Liegen Zysten im Wirbelkanal vor, so sollten auch diese entfernt werden.

Im Gegensatz dazu stehen Patienten, deren Gefäße selbst verengt sind und aus diesem Grund nicht mehr weit gehen können. Dieses Krankheitsbild nennt man „Schaufensterkrankheit“ und sollte seitens der Fachexperten der Gefäßchirurgie weiter abgeklärt werden.

Kennen Sie diese Symptomatik oder haben Sie Fragen? Interessierte und Betroffene finden mehr Informationen zu der neuen Fachabteilung und den verschiedenen Sprechstunden online oder unter der Telefonnummer 069 8405-5821 beziehungsweise auch per E-Mail unter der Wirbelsaeulenorthopaedie-SOF@Sana.de.