10. November 2017 von Anne Stach in Newsroom, Sprechstunde
© Prof. Dr. med. M. Rauschmann

„Jetzt halt‘ dich doch mal gerade!“

Aktuelles zu Wiorbelsäulenerkrankungen bei Kindern

Der Orthopäde Prof. Dr. Rauschmann spricht über Wirbelsäulenerkrankungen im Kindes- und Jugendalter und die Therapiemöglichkeiten bei Skoliose im Sana Klinikum.

„Halt‘ dich doch mal gerade“, sagen viele Eltern häufig zu ihrem Nachwuchs, und viele Kinder können es nicht mehr hören. Aber einigen fällt es nicht leicht, oder die aufrechte Haltung ist mit ungewöhnlichen Schmerzen verbunden. Seit Oktober 2017 steht allen Patienten – auch Kindern und Jugendlichen – am Sana Klinikum Offenbach ein Team von erfahrenen Orthopäden zur Verfügung. Sie beschäftigen sich seit zwei Jahrzehnten auch intensiv mit der Diagnostik und Therapie von kindlichen Wirbelsäulenerkrankungen. Hierzu gehören, neben Wirbelgleitprozessen (Spondylolisthesen) und Rundrückenbildungen (Kyphosen), wie das sogenannte Scheuermann-Syndrom, vor allem die weit verbreitete Skoliose.

Für eine grundlegende Diagnose kommen zunächst moderne Röntgenverfahren, Kernspintomographien und Computertomographien zum Einsatz – im Sana Klinikum Offenbach am Institut für Radiologie unter einem Dach schnell und einfach zu erreichen. Je nach Ausmaß der Fehlbildung, Lokalisation, Alter und Symptomatik, beziehungsweise auch der erkennbaren Veränderungen im Rahmen von Verlaufsuntersuchungen, empfehlen wir entweder konservative oder auch operative Korrekturmaßnahmen. Im Bereich der konservativen Therapie, also einer Behandlung ohne Operation, kooperieren wir seit langem erfolgreich mit verschiedenen regionalen Orthopädie-Technik-Unternehmen, so dass die Absprache auch im Falle einer komplexeren Maßnahme, wie einer Korsettbehandlung, optimal ist. Ein solches Korsett ist beispielsweise bei einer Skoliose sinnvoll, sofern noch ausreichend Wachstumspotenz vorhanden ist und sich die Erkrankung in einem Bereich von 20 bis 40-Grad Krümmungswinkel bewegt. Ist das Skelettalter schon fortgeschritten, die Skoliose höhergradig und zunehmend im Verlauf, müssen wir in aller Regel auf eine Operation ausweichen.

Diese Vorgehensweise betrifft vor allem Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 14 Jahren. Alle Kinder, aber insbesondere auch die Jüngeren unter 10 Jahren, bedürfen einer sehr engmaschigen Kontrolle. Wir versuchen immer, Operationen zu vermeiden. Allerdings sollte eine größere Krümmung vorzeitig operativ korrigiert werden. Denn aus einer 40-Grad-Skoliose kann durch das Wachstum auch eine 100-Grad-Skoliose werden. Letztere ist dann wesentlich schwieriger und nur mit dem erhöhtem Risiko an Komplikationen zu korrigieren. Wir verwenden mittlerweile moderne, mitwachsende Magnetstab-Systeme, sogenannte „Growing rods“, die auch während einer Wachstumsphase eingesetzt werden können und dem Patienten eine sehr gute Hilfe sind. Bei einer Skoliose führen wir die Operationen unter Neuromonitoring-Bedingungen durch. Dabei messen und kontrollieren wir während der gesamten Operation die Nervenströme. Hierdurch erhält der Operateur während des Eingriffes kontinuierliche Informationen über die Funktion der Nervenbahnen. Dies bietet die größtmögliche Sicherheit und wir können heutzutage eine eventuelle Lähmung nahezu ausschließen und postoperative Schmerzen durch den Einsatz von Schmerzkathetern auf ein Minimalmaß reduzieren.

Liegt bei Ihrem Kind eine solche Problematik vor? Interessierte Eltern aber auch betroffene Kinder und Jugendliche können sich jetzt in Offenbach über moderne Therapie-Möglichkeiten informieren. Interessierte und Betroffene finden mehr Informationen zu der neuen Fachabteilung und den verschiedenen Sprechstunden online oder unter der Telefonnummer 069 8405-5821 beziehungsweise auch per E-Mail unter der Wirbelsaeulenorthopaedie-SOF@Sana.de.