12. Oktober 2017 von Anne Stach in Newsroom
© foto-georg, offenbach

Simulieren hilft!

Bei der Behandlung eines Herzstillstand-Notfalls darf keine wertvolle Zeit verloren gehen.

Im Simulationstraining üben Mitarbeiter der Notaufnahme in gestellten Situationen, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.

Der 48-jährige zertifizierte Trainer verfolgt das Ziel der American Heart Association (AHA): Beeinträchtigungen, Behinderungen und Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle sollen vermindert werden. AHA gibt wissenschaftliche Leitlinien zur Herz-Lungen-Wiederbelebung und kardiovaskulären Notfallmedizin heraus, die die Grundlage für Lebensrettungsprotokolle bilden, die auf der ganzen Welt verwendet werden. Das Sana Klinikum Offenbach ist 2017 dieser Vereinigung beigetreten. Heringer war neun Jahre lang Lehrbeauftragter für Notfallmedizin an der Universität Frankfurt, wo er als organisatorischer Leiter das (in Deutschland größte) Interdisziplinäre Simulationszentrum mit dem Trainingsprogramm FIneST aufgebaut hat. Reale Notsituationen kennt der Pädagoge aus seinen Berufserfahrungen als Lehrrettungsassistent, Sanitäter, Feuerwehrmann und Bundeswehrsoldat.

Simulationstraining für mehr Patientensicherheit

Heringers Kurse für bis zu acht Personen beginnen mit wöchentlichen abteilungsinternen Treffen zur Beobachtung und Analyse der Arbeitsweise und des Schulungsgrades in den für Notfälle festgelegten Szenarien. Im Kurs selbst erlernen die Teilnehmer dann in unterschiedlichen Fallszenarien die wichtigsten lebensrettenden Fähigkeiten und erlangen dadurch mehr Sicherheit und Qualität beim Erkennen und Lösen komplexer Notfallsituationen. Dank hochwertiger Simulatoren können sie zudem seltene Komplikationen üben. Ein Notfall bedeutet immer Hektik und Stress: Damit jeder weiß, was wann von wem zu tun ist, lernen Ärzte und Pflegekräfte ihre gezielte Aufgabenstellung in unterschiedlichen Funktionen. Mit dieser Übung werden konkrete Probleme greifbar: Jetzt habe ich die Nummer des internen Notdienstes vergessen! Wo ist welches Material im Rea-Schrank? Wo liegt der Beatmungstubus? Die Beteiligten müssen das im Schlaf wissen, sonst geht wertvolle Zeit verloren. Ganz wichtig dabei ist auch die Vermittlung von „Non Technical Skills“ wie Teamfähigkeit, Kommunikation, Führungsverhalten und Entscheidungsfindung. So erfahren und identifizieren die Trainingsteilnehmer spezielle Probleme in den Abläufen, hinterfragen die Ursachen und suchen gemeinsam nach standardisierten Lösungen, die künftige Fehler reduzieren. Heringer stellt gemeinsam mit Ärzten und Pflegern den Materialpool in der ZNA so um, dass er laufend up-to-date und für die Bewältigung selbst schwierigster Situationen gerüstet ist. Unverzichtbarer Bestandteil aller Übungen ist die Festlegung einheitlicher Standard-Begriffe für sämtliche Geräte und Handlungen. Nur mit dieser Eindeutigkeit lassen sich in Notsituationen Irritationen, Verwirrung und Zeitverluste dauerhaft vermeiden. Die Schulungen sind ein wichtiger Bestandteil des kürzlich gegründeten Zentrums für Herzstillstandpatienten, dem Cardiac Arrest Center Region Offenbach.

Ob Mediziner und Pflegekraft, alle sollen am Ende jede der sechs Positionen in einer Rettungssituation (einschließlich des Teamleiters) wahrnehmen und auch als interne und externe Multiplikatoren wirken können. Könnten sich Mitarbeiter durch den Anspruch der Kurse überfordert fühlen? „Nein“, ist sich Heringer sicher, „denn wir setzen auf das bewährte Konzept des Psychologen Albert Bandura zur Selbstwirksamkeitserwartung: Ich bewältige Situationen, indem ich plötzlich auftretende Probleme selbstständig löse, und erwarte deshalb, dass ich das auch noch mal kann. Es fiel mir schwer, aber es geht beim nächsten Mal wieder und dann sogar leichter. Auch von den Lösungen meiner Kollegen kann ich durch genaues Beobachten etwas lernen. Mein Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten wächst, meine Angst vor schwierigen Situationen wird immer geringer und verschwindet schließlich (fast) ganz.“