5. September 2017 von Dominik Kranzer in Newsroom
© Krankenkaus Rummelsberg/Dominik Kranzer

Querschnittzentrum in Rummelsberg startklar

Ein Interview mit Dr. Matthias Ponfick, dem Leitenden Arzt am Querschnittzentrum

Das Querschnittzentrum am Krankenhaus Rummelsberg ist eröffnet - pünktlich zum Internationalen Tag der Querschnittlähmung.

Ab 11. September 2017 nimmt die komplett umgebaute Station 15 ihren Betrieb auf. Erstmalig kommen dann auch Menschen mit Rückenmarkverletzungen nach Rummelsberg, denn in Rekordzeit ist hier das deutschlandweit 28. Querschnittzentrum entstanden. 24 Betten und mehrere Monitorplätze sorgen dafür, dass Querschnittpatienten aus Mittelfanken eine wohnortnahe Versorgung erhalten. Pünktlich zum Start steht Dr. Matthias Ponfick, leitender Arzt am Querschnittzentrum, Rede und Antwort.

Dr. Ponfick, wie fühlt man sich kurz vor dem Start?

Dr. Matthias Ponfick: Ehrlich gesagt bin ich entspannt. Wir haben ausgiebig geplant, viele Leute mit Expertise waren an den Umbaumaßnahmen beteiligt und so konnte in Rekordzeit das Querschnittzentrum aus der Traufe gehoben werden. Innerhalb von drei Monaten haben wir dieses Projekt realisiert. Für mich ein Zeichen für Stringenz und konstruktiver Arbeit aller Beteiligten. Für mich ist es ein hochspannendes Projekt, an dem mein Herz hängt.

Haben Sie Ihr Team bereits beisammen?

Dr. Ponfick: Für den Start sind wir gut aufgestellt. Aktuell umfasst das Team vom Querschnittzentrum über 20 Personen, darunter auch bereits mehrere Pflegekräfte, die bereits Erfahrungen in der Versorgung Querschnittgelähmter besitzen und daher eine baldige Zertifizierung durch die Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegie anstreben. Unser Team fiebert dem Start entgegen und ist hochmotiviert. Natürlich haben wir gerade im Bereich der Pflege noch Bedarf an weiteren Mitarbeitern. Aus diesem Grund haben wir ja auch einen Film über das Zentrum gemacht, damit man die Personen, die hinter dem Querschnittzentrum stehen, entdecken kann und Lust bekommt, ebenfalls ein Teil von etwas Großem zu werden. Der Film ist abrufbar unter http://www.pflegecrew-rummelsberg.de oder auf dem Youtube-Kanal der Sana Kliniken AG.

Welche Voraussetzungen müssen Pflegekräfte mitbringen? Worauf ist beim Umgang mit Querschnittpatienten zu achten?

Dr. Ponfick: Am wichtigsten ist ein guter klinischer Blick, d.h. eine Pflegekraft muss erkennen, wie sich die Haut oder die Spastik verändert. Grundsätzlich gilt, wie auch in anderen Bereichen: Einfühlungsvermögen, Belange der Patienten ernst nehmen und ein Teamplayer sein. Im Gegenzug warten flache Hierarchien und ein hohes Maß an Selbständigkeit und Spezialisierung. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir suchen nach Personal, das Lust hat, ein Spezialist auf diesem Gebiet zu werden. Es wäre schön, wenn sich viele Mitarbeiter auch im Bekanntenkreis umhören, ob es potentielle Kollegen gibt, die maßgeblich mithelfen möchten, die Querschnittversorgung in der Region zu verbessern!

Was sind die Argumente, die für Querschnittpatienten aus der Region sprechen, sich in Rummelsberg behandeln zu lassen?

Dr. Ponfick: Wir bieten für die Betroffenen aus dem Großraum Nürnberg und Südostbayern eine wohnortnahe Versorgung auf einem medizinisch hohen Niveau sowie neueste Gerätetherapien. Punkten können wir unter anderem durch ein fachlich sehr gut ausgebildetes Leitungsteam und wesentlich ist bei uns, dass der Patient an der Behandlung aktiv partizipieren kann. Unser oberstes Bestreben ist es, die Selbstständigkeit zu fördern und das unabhängig davon, ob der Querschnitt frisch oder alt ist. Außerdem geht es bei uns sehr familiär zu, so dass der Patient nicht nur einer unter vielen ist.

Worauf kommt es gerade in den ersten Wochen an?

Dr. Ponfick: Ganz klar: Qualität statt Quantität. Es ist ein neues Betätigungsfeld, da gilt es, lieber einen Patienten weniger aufzunehmen und dafür ganz genau zu arbeiten, damit der Patient maximal zufrieden ist. Die Quantität wird, wenn man den aktuellen Studien glaubt, von alleine kommen.

Was war rückblickend die größte Herausforderung in der Bauphase?

Dr. Ponfick: Die bestehende Infrastruktur. Das betrifft zum Beispiel vorhandene Versorgungsleitungen oder Bodenabläufe in den Sanitärbereichen. Das hat uns einige Kopfschmerzen bereitet, aber es wurde alles gelöst und von diesen Herausforderungen wird der Patient nichts merken.

Jährlich gibt es laut wingsforlife.de weltweit 250.000 akute Rückenmarksverletzungen. Als Hauptursache gelten Unfälle im alltäglichen Leben. Die Tendenz geht immer mehr zu inkompletten Querschnitten – woran liegt das?

Dr. Ponfick: In Deutschland nehmen die unfallbedingten Querschnitte Stück für Stück ab. Die Bevölkerung wird älter, so dass die nicht traumatischen Querschnitte zunehmen. Der Hauptgrund für die Tendenz zu immer mehr inkompletten Querschnitten liegt darin begründet, dass die akute Versorgung immer besser wird und weil nicht unfallbedingte Querschnitte von Natur aus eher inkomplett sind.

Gleich zu Beginn kommen die ersten Patienten mit Rückenmarkverletzungen. Hat sich das Klinkenputzen gelohnt? Wie kam die Neuigkeit vom Querschnittzentrum in Rummelsberg an?

Dr. Ponfick: Der Einsatz hat sich definitiv gelohnt. Auf diese Weise konnte ich die etablierten Kollegen kennen lernen und der persönliche Kontakt ist in so einer Sache sehr wichtig. In allen Gesprächen war das Feedback durchweg positiv. Auch die Kollegen sehen das Problem in der Metropolregion Nürnberg-Erlangen-Fürth, dass es bislang keine wohnortsnahe Versorgung für Patienten mit Rückenmarkverletzung gibt. Zudem haben etablierte Zentren lange Wartezeiten. Ich bin mir sicher, dass wir Entlastung in kollegialer Zusammenarbeit für diese Zentren schaffen und gerade Patienten aus der Region froh sind, dass die Reisestrapazen erstmal der Vergangenheit angehören.