1. September 2017 von Oliver Winklmüller in Newsroom
© Sana Kliniken Leipziger Land

»Die Neurostimulation ist praktisch nebenwirkungsfrei«

Schmerztherapie: Werden Schmerzen chronisch, kann die Neurostimulation ein sinnvoller Weg zur Linderung sein.

Die Sana Kliniken Leipziger Land bieten chronischen Schmerzpatienten eine bewährte und schonende Alternative zur medikamentösen Behandlung.

Herr Dr. Herenz, wieso hilft das Stimulieren von Nerven gegen Schmerzen?
Dr. Kai Herenz: Um die Funktionsweise der Neurostimulation zu verstehen, ist wichtig zu wissen, wie Schmerzen entstehen. Vereinfacht gesagt ist ein Schmerz zunächst ein Signal, das von Fühlern – den sogenannten Rezeptoren – auf der Haut oder an den Organen aufgenommen wird. Dieses Signal wird als elektrischer Impuls über spezielle Schmerzfasern an das Rückenmark und von dort aus an das Gehirn weitergeleitet. Wir nehmen den Schmerz aber erst dann wahr, wenn dieser Impuls im Gehirn als Schmerz interpretiert wird. Die Neurostimulation hemmt nun die Weiterleitung der Schmerzsignale, bevor sie das Gehirn erreichen. Dafür werden ein oder zwei Elektroden in der Nähe des Rückenmarks platziert und ein Neurostimulator implantiert. Der Neurostimulator sendet über die Elektrode Impulse an spezielle Nerven im Rückenmark. Diese Impulse bewirken eine Überlagerung der Schmerzsignale. Statt des Schmerzes nimmt der Patient ein Kribbeln wahr.

Welche Patienten profitieren von dem Verfahren?
Das Verfahren ist zum Beispiel geeignet für Patienten mit chronischen Schmerzen des Rückens, Nackens und der Gliedmaßen; für Menschen mit sogenannten neuropathischen Schmerzen, die durch eine Chemotherapie, Diabetes oder durch Narbengewebe infolge von Wirbelsäulenoperationen entstehen können. Es kann auch eingesetzt werden bei Schmerzen, die durch eine Arterielle periphere Verschlusskrankheit – im Volksmund Schaufensterkrankheit genannt – verursacht werden.

Die Elektroden und der Neurostimulator werden operativ implantiert. Was erwartet die Patienten?
Bei dem Eingriff wird über die Rückenmarkshaut eine nadeldünne Elektrode implantiert. Sie empfängt über Kabel elektrische Impulse. Diese werden auf die sogenannten Schmerzbahnen geleitet und können die Schmerzen über verschiede Steuerungsmöglichkeiten reduzieren. Der Eingriff dauert ungefähr 20 bis 60 Minuten und findet in Verbindung mit einem 3 bis 5 tägigen stationären Aufenthalt statt. Daraufhin beginnt für den Patienten eine 14tägige Testphase. Nach entsprechender Anleitung kann der Patient die Modulation der Schmerzminimierung selbst mitgestalten.

Welche Vorteile hat die Neurostimulation gegenüber anderen Therapien?
Die Neurostimulation ist – wenn man von der Belastung durch den Eingriffe absieht – praktisch nebenwirkungsfrei. Bei 80 Prozent der Betroffenen führt eine SCS – aufgrund der Reduktion der oft starken Medikamente – zu einer deutlichen Schmerzlinderung oder sogar zur Schmerzfreiheit. Das bedeutet weniger Belastung für Nieren und Leber. Damit verbunden eine bessere Lebensqualität.

Über welchen Zeitraum verbleibt der Schmerzschrittmacher im Patienten?
Bis zu sieben Jahren kann der Schrittmacher im Körper verbleiben.

Können sich Patienten, die Interesse an diesem Verfahren haben, direkt bei Ihnen melden?
Unsere Patienten kommen auf verschiedenen Weg zu uns. Zum einem über die enge Zusammenarbeit mit unseren Schmerztherapeuten und Gefäßspezialisten. Zum anderen können sich natürlich Patienten auch in unserer ambulanten Sprechstunde vorstellen.