11. August 2017 von Oliver Winklmüller in Newsroom
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Frühzeitige Behandlung bei Herzinsuffizienz immens wichtig

Herzschwäche kein Problem des Alters

Viele Menschen schieben ihr schwaches Herz gern auf das Alter. Warum das falsch richtig ist, erklärt der Bornaer Kardiologie Dr. Uwe Müller.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Zahl derer, die an einer Herzschwäche leiden, nahezu verdoppelt. Was ist da los?
Müller: Es klingt paradox, aber die Zahl belegt zunächst einmal die Erfolge der Herzmedizin. Heutzutage überleben sehr viel mehr Menschen einen Herzinfarkt oder eine koronare Herzkrankheit, also eine Erkrankung, die sich aus der Verkalkung der Herzkranzgefäße ergibt. Das ist gut. Aber diese Patienten tragen eben das Risiko, im höheren Alter eine Herzschwäche zu entwickeln.

Bei einer Herzschwäche ist – vereinfacht gesagt – die Pumpfunktion des Herzens eingeschränkt. Man gerät schneller aus der Puste, ist nicht mehr so leistungsfähig, ermüdet eher. Im fortgeschrittenen Alter lässt sich das leicht als Alterserscheinung abtun. Wird die Gefahr unterschätzt?
Tatsächlich ist das so. Viel glauben auch, ein schwaches Herz sei per se eine Alterserscheinung. Das stimmt nicht. Die Herzschwäche ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Die Ursachen können im Herzen selbst liegen: zum Beispiel können eine Herzrhythmusstörung oder eine koronare Herzkrankheit die Herzschwäche auslösen. Oder sie liegen außerhalb des Herzens zum Beispiel bei einer Schilddrüsenüberfunktion. In jedem Fall ist es für den Therapieerfolg entscheidend, frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen, damit das Herz durch die Mehrbelastung nicht weiter geschädigt wird.

Wie wird eine Herzinsuffizienz behandelt?
Jede Behandlung zielt zunächst auf die Grund- und Begleiterkrankungen. Darüber hinaus gibt eine medikamentöse Therapie, die in den letzten Jahren sehr viel ausgefeilter und nachweislich effektiver geworden ist. Insbesondere Diabetiker, die ja auch zur Risikogruppe für Herzschwäche zählen, profitieren von neueren Entwicklungen. Es sind neue orale Antidiabetika vorhanden, die einen überproportionalen Überlebensvorteil bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, so dass Diabetiker mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen davon profitieren. Reichen Medikamente nicht mehr aus, können implantierbare Geräte, die das Herz wieder synchronisieren, die Herzfunktion unterstützen. Neben den medizinischen Innovationen bleibt aber auch die Verminderung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, LDL-Cholesterin und Bewegungsmangel ein wichtiger Schwerpunkt in der Therapie. Aber für all das gilt: Je früher, desto besser. Denn ja fortgeschrittener die Erkrankung ist, umso geringer sind die therapeutischen Möglichkeiten.

Wie finden Betroffene die richtige Behandlung?
Die Versorgungsstruktur muss in der Tat noch verbessert werden. Die Patienten brauchen eine geschlossene multidisziplinäre Versorgungskette. Um das für die Region Leipzig voranzubringen, werden wir mit den niedergelassenen Kardiologen der Region und den umliegenden Krankenhäusern ein Herzinsuffizienz-Netzwerk aufbauen. Wir können Patienten langfristig betreuen und ein Therapiemanagement aus einer Hand anbieten.

Wie sieht das konkret aus: Wohin wende ich mich, wenn ich merke, ich schaffe die Treppen nicht mehr, ohne aus der Puste zu geraten?
Sie wenden sich an den zuständigen Hausarzt. Er wird entscheiden, ob Sie zu einem ambulanten Kardiologen oder in das Krankenhaus gehen müssen. Welcher Weg eingeschlagen wird, hängt von der aktuellen Beschwerdesymptomatik ab. Der ambulante Kardiologe wird die entsprechenden Untersuchungen veranlassen und Sie gegebenenfalls für spezielle diagnostische oder therapeutische Maßnahmen einweisen. Der Patient, der primär ins Krankenhaus gebracht wird, bekommt umfassende diagnostische und therapeutische Maßnahmen. Nach Abschluss der Behandlung erfolgen die Kontrolluntersuchungen beim niedergelassenen Kardiologen. Nur wenn die Diagnostik/Therapie ambulant nicht möglich ist oder sich der Gesundheitszustand verschlechtert, ist eine stationäre Aufnahme notwendig. An diesem Gesamtversorgungsprozess werden auch die Vorteile eines Herzinsuffizienznetzwerkes deutlich. Es ermöglicht eine intensivere Betreuung, einen besseren Informationsaustausch zwischen den jeweiligen Partnern und die rasche Umsetzung moderner Behandlungsverfahren, was letztendlich immer dem Patienten zu Gute kommt.