14. Juli 2017 von Marion Band in Newsroom, Sprechstunde
© foto-georg, offenbach

Neue Behandlungsmethode bei Gebärmutterhalskrebs

Neues gynäkologisches Applikatorsystem „Venezia“ bietet gute Heilungschancen in fortgeschrittenem Krankheitsstadium.

Die neue Strahlentherapie erzielt sehr gute Ergebnisse und ist besonders hilfereich, wenn Freie-Nadel-Platzierungen den Tumor nicht erreichen können.

Die gefürchtete Diagnose „Gebärmutterhalskrebs“ trifft bei der Hälfte aller Erstdiagnosen Frauen unter 53 Jahren. Weltweit fallen dieser vierthäufigsten, gefährlichen Frauenkrankheit jährlich 266.000 Patientinnen zum Opfer. Auf europäischem Boden wird das hochmoderne Applikatorsystem „Venezia“, das auch in fortgeschrittenen Krankheitsstadien zu außerordentlichen guten Behandlungserfolgen führt, derzeit nur am Sana Klinikum Offenbach sowie an Kliniken in München und Utrecht zur Bestrahlung von Gebärmutterhalskrebs eingesetzt.

Gute Therapieerfolge
„Wir können mit dem neuen Applikatorsystem Tumoren des Gebärmutterhalses bei der Bestrahlung wesentlich besser erreichen, was besonders wichtig ist, wenn sie sich schon im umgebenden Bindegewebe vor dem Gebärmutterhals ausgebreitet haben, das bis zur Harnblase und auf beiden Seiten des Gebärmutterhalses bis zur seitlichen Beckenwand reicht. In diesen Fällen wäre eine Operation wenig aussichtsreich bis vollkommen unmöglich, sodass wir auf eine optimale Bestrahlungsmethode angewiesen sind, wie sie uns nur das neue Venezia-System bietet“, erläutert der Chefarzt der Strahlenklinik am Sana Klinikum Offenbach, Prof. Dr. med. Peter Niehoff, die Bedeutung des neuen Behandlungsverfahrens. „Trotz großer Erfolge durch HPV-Impfungen kommt Gebärmutterhalskrebs noch regelmäßig vor. Im Frühstadium erkannt und behandelt, sind die Heilungschancen bei dieser Krebsart ausgesprochen gut und steigen in unserer Klinik jetzt umso mehr, als wir mit dem neuen Gerät auch noch Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium mit guten Erfolgsaussichten zu Leibe rücken können.“

Spezielle Brachytherapie
Oberärztin Julia Maximenko ist, wie ihr Chef Prof. Niehoff, auf die anspruchsvolle Methode der „Brachytherapie“ spezialisiert: Die Bestrahlung erfolgt zunächst „perkutan“ (von außen durch die Haut) und erreicht – mit einem Sicherheitsabstand – alle vom Tumor wahrscheinlich befallenen Unterbauch-Bereiche. Anschließend wird das neue Spezialgerät für die Bestrahlung von innen („Brachytherapie“) eingesetzt: die Strahlungsquelle wird dabei über die Scheide in den Gebärmutterhals möglichst nahe an den Tumor gebracht. Mit Hilfe der 3D-Bilder des MRT-Gerätes kann der behandelnde Arzt die im Applikator befindlichen Nadeln bis zu sieben Zentimeter ausfahren und millimetergenau platzieren und dann den Tumor mit sehr hoher Dosis bestrahlen und das erkrankte Gewebe zerstören, während umliegende Organe wie Blase und Darm unbeschädigt bleiben.

Wesentlicher Vorteil von „Venezia“: Die Kombination von geraden und schrägen Nadeln erlaubt eine hervorragende, an die Form des Tumors angepasste Nadelplatzierung, während früher nur gerade oder schräge Nadeln zur Bestrahlung einzeln eingesetzt werden mussten.

Um gute Behandlungserfolge bei nicht mehr operablen Karzinomen zu erzielen, sind bis zu vier Brachy-Bestrahlungen erforderlich, alle in Spinalanästhesie im Rahmen eines eintägigen stationären Aufenthalts. Trotz deutlich verkürzter Eingriffszeit handelt es sich dabei um ein aufwendiges, kompliziertes Verfahren, das etwa drei bis vier Stunden pro Bestrahlung in Anspruch nimmt.

Gebärmutterhalskrebs
Jede Frau ab 20 Jahren hat in Deutschland Anspruch auf eine jährliche kostenlose gynäkologische Untersuchung, muss aber wissen, dass auch eine HPV-Impfung nicht hundertprozentig gegen Gebärmutterhalskrebs schützt. Gebärmutterhalskrebs ist die Folge einer Infektion mit bestimmten Typen der humanen Papillomaviren (HPV), die vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen, aber meist vom körpereigenen Immunsystem erfolgreich bekämpft werden. In seltenen Fällen nisten sie sich dauerhaft in der Gebärmutterhals-Schleimhaut ein und können dort Zellveränderungen provozieren, die über Vorstufen langfristig zu Krebs führen.

Quelle: Marion Band
Sana Klinikum Offenbach