14. Juni 2017 von Anne Stach in Newsroom
© Sana Klinikum Offenbach GmbH

Heuschnupfen – ein harmloses Massenphänomen oder steckt mehr dahinter?

Dr. med. Peter Mantz, Facharzt für Pneumologie über Allergien und ihre Folgen

Jedes Jahr kommen die weitverbreiteten Symptome des Heuschnupfens, die Betroffene oftmals zur Verzweiflung bringen.

Alle Jahre wieder kommen der Frühling und der Sommer und mit den wechselnden Jahreszeiten kommen die weitverbreiteten Symptome: juckende Nasen und tränende, rote Augen. Die Pflanzenwelt schlägt aus und das, was verniedlichend als „Heuschnupfen“ tituliert wird, bringt Betroffene oft fast zur Verzweiflung. Schuld an den unangenehmen Erscheinungen ist eine krankhafte Überreaktion auf eigentlich harmlose Umweltreize. Diese Reaktion bezeichnet man als Allergie und die Beschwerden als allergische Rhinokonjunktivitis oder eben auch als „Heuschnupfen“. Der Name will den Zusammenhang zwischen Auslöser – Gräser, Blüten, Pollen etc. – und den Symptomen wie bei einem Erkältungsschnupfen verdeutlichen. Bei manchen Betroffenen sind die Symptome dabei so stark ausgeprägt, dass der Patient Medikamente mit nach wie vor teils starken Nebenwirkungen zu sich nehmen muss, um beschwerdefrei zu werden.
Doch obwohl viele Menschen daran leiden und das Wissen darum groß ist, gibt es immer wieder Überraschendes oder auch Fehldiagnosen im Zusammenhang mit dem sogenannten Heuschnupfen. Dr. med. Peter Mantz ist Facharzt für Pneumologie im Medizinischen Versorgungszentrum am Sana Klinikum Offenbach und kennt viele Allergiker-Patienten. Er sagt: „Das Wissen um Allergien wie Heuschnupfen ist aufgrund der großen Zahl an Betroffenen schon fast Allgemeinwissen. Aber hätten Sie gewusst, dass ein sich jährlich wiederholende Husten wie bei einer Bronchitis, ungewöhnliche und pfeifende Atemgeräusch auch Hinweise für ein allergisches Asthma sein können?“

Als typische Symptome eines Heuschnupfens nennt Mantz einen hellen Fließschnupfen und eine Bindehautreizung mit brennenden Augen, einem Fremdkörpergefühl, angeschwollenen oder auch verklebten Lider. Wer schon lange unter Heuschnupfen leidet, kennt das und muss nicht jedes Jahr erneut einen Arzt aufsuchen. Solange die erprobten Medikamente wirken, sei nichts gegen eine Selbstmedikation einzuwenden. Doch Mantz betont: „Wenn die Symptome zum ersten Mal auftreten, sich verändern oder auch die bislang eingenommenen, allgemeinen Antihistaminika keine Wirkung mehr zeigten, sollten Betroffene einen Facharzt zu Rate ziehen. Denn auch wenn viele dieser Präparate mittlerweile frei erhältlich in den Apotheken angeboten würden, seien sie nicht völlig nebenwirkungsfrei. Gerade bei schweren Reaktionen sollte man auch über eine Desensibilisierung nachdenken, die über eine rein symptomatische Behandlung hinausgeht. „Desensibilisierung ist auch bei Kindern ab etwa dem achten Lebensjahr oft eine gute Möglichkeit, deutlich beschwerdefreier zu sein“, so der Experte. Dies ginge aber nur, wenn bei dem Betroffenen nicht zu viele verschiedenen Allergien vorlägen und man eindeutig, einige wenige Unverträglichkeiten identifizieren könnte. Außerdem müssten Asthmatische Erkrankungen ausgeschlossen sein.

Auch wenn „Heuschnupfen“ so harmlos klingt, so wenig harmlos sind für Mantz die mancherorts beliebten Depot-Cortison-Spritzen. Dabei handelt es sich um ein hochdosiertes Cortisonpräparat, welches in das körpereigene Gewebe gespritzt und von dort langsam abgebaut wird und dabei eine Wirkung entfaltet. Für Mantz bergen diese sehr nebenwirkungsreichen Spritzen allerdings meist mehr Schaden als Nutzen, da sie massiv in den körpereigenen Hormonhaushalt eingreifen. „Außerdem“, warnt Mantz, „blieben häufig Dellen im Gewebe mit unschönen Deformationen der Hautoberfläche zurück!“