4. Mai 2017 von Philipp Jauch in Newsroom, Sprechstunde
© Sana Klinikum Offenbach

Bei Sportverletzungen richtig verhalten

Sportmediziner PD Dr. med. Richard Martin Sellei über Verletzungen im Profisport und individuelle Behandlungskonzepte.

Verletzungen sind im (Profi-)Sport an der Tagesordnung. Wie man die Regeneration beschleunigen kann, verrät PD Dr. Richard Sellei vom Sana Klinikum Offenbach.

Herr Dr. Sellei, Manuel Neuer hatte sich kurz vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid einer Operation am Fuß unterzogen. Nach zwei Wochen stand er schon wieder auf dem Platz. Wie ist eine derart schnelle Regeneration möglich?

PD Dr. med. Richard Martin Sellei: Die Regenerationszeit ist abhängig von der Verletzungsform und –schwere. Nach einem operativen Eingriff benötigt die Wundheilung bei gutem Verlauf mindestens ein bis zwei Wochen. Ohne den Fall konkret zu kennen, ist eine derart kurze Regenerationphase bis zum erneuten Einsatz im Spitzensport nur durch eine einfachere Verletzungsform zu erklären.

Neuers Fuß hielt bis zur 109. Minute – dann die schlimme Verletzung. Der Torhüter hatte sich den Fuß gebrochen und fällt jetzt bis zum Saisonende aus. Ist Leistungssport so kurz nach einer Operation gefährlich, oder hatte Neuer einfach Pech?

PD. Dr. Sellei: Unsere Profisportler, gerade im Fußball, werden durch exzellente Ärzte und Physiotherapeuten betreut. Täglich müssen die sportmedizinischen Betreuer individuelle Entscheidungen treffen und die Einsatzfähigkeit der Athleten mit jeder Trainingseinheit erneut bewerten. Hier wird die persönliche Einschätzung des verletzten Sportlers immer mit einbezogen. Die gemeinsame Entscheidung, kurz nach einem Eingriff wieder zu spielen, wird immer verantwortungsvoll abgewogen.

Die Ärzte haben bei dem Bayern-Torwart einen Bruch diagnostiziert. Operiert werden muss er allerdings nicht. Wovon hängt es ab, ob ein Bruch operiert werden muss, und was sind die Behandlungsalternativen?

PD. Dr. Sellei: Nach einem Bruch kommt es sofort zu körpereigenen Reparationsmechanismen. Diese führen in der Regel zur Ausheilung innerhalb von sechs bis zwölf Wochen. In den meisten Fällen ist eine Operation nicht notwendig. Es gibt jedoch Voraussetzungen für eine optimale Bruchheilung, die durch die Ärzte sichergestellt werden müssen:

  1. Kontakt und korrekte Stellung der Bruchenden
  2. Stabilität
  3. Ausreichende Durchblutung

Daraus erschließen sich auch Rechtfertigung (Indikation) und Notwendigkeit einer möglichen Operation.

Wie muss man sich die Behandlung einer derartigen Verletzung vorstellen, und was raten Sie Betroffenen?

PD. Dr. Sellei:  Die konservative Behandlung eines Bruches wird in eine akute Phase, eine Ausheilungsphase und eine Regenerationsphase eingeteilt. Kurz nach der Verletzung und der zur Entscheidung führenden Diagnostik mit Röntgen, CT oder MRT wird die betroffene Körperregion mit dem sogenannten P.E.C.H.-Schema behandelt (Pause/Eis/Compression/Hochlagerung). Die Ruhigstellung erfolgt durch Schienen oder Orthese. Ein einfacher Bruch heilt innerhalb der ersten sechs Wochen aus. Anschließend folgt die sogenannte Rekonvaleszenz mit Rehabilitation und sportlichem Leistungsaufbau.

Gemeinhin sagt man ja, dass der Behandlungserfolg entscheidend von der Rehabilitation abhängt. Was würden Sie Patienten mit einem Fußbruch empfehlen? Wie sieht das perfekte Reha-Programm aus?

PD. Dr. Sellei:  Durch die körpereigene Bruchheilung wird die Stabilität des Knochens wiederhergestellt. Während der Heilungsphase baut der Körper jedoch schnell ab, sodass Muskulatur, Gelenke und Knochen „einrosten“. Die auf die Bruchheilung folgende Rehabilitation ist entscheidend, um die Leistungsfähigkeit mit ausreichender Prävention vor erneuten Verletzungen zu ermöglichen.