17. März 2017 von Philipp Jauch in Newsroom
© Privat

Hoffnung für Patienten mit Lymphödem

2. Lymphtag am 18. März in Düsseldorf

Vier Fragen an Dr. Katrin Seidenstücker Leitende Ärztin am Sana Krankenhaus Benrath, zum Lymphödem und dessen Behandlung.

Wie viele Menschen leiden an Lymphödemen?
Dr. Katrin Seidenstücker: „Es gibt verschiedene Studien zur Ermittlung der Häufigkeit von chronischen Lymphödemen, doch die kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Zuerst muss man zwischen dem primären, angeborenen und dem sekundären, erworbenen Lymphödem unterscheiden. Insgesamt betrachtet kann auf der Basis der „Bonner Venenstudie“ (2003 von Prof. E. Rabe)  in Deutschland die Gesamthäufigkeit der chronischen Lymphödeme in der Bevölkerung mit etwa 3,5 Prozent angegeben werden. Da diese Bevölkerungsgruppe 62,4 Millionen Menschen umfasst, haben bei uns rund 2,2 Millionen Erwachsene – 1,25 Millionen Frauen und 936.000 Männer – ein chronisches Lymphödem.

Betrachtet man das sekundäre Lymphödem fallen v.a. die Patienten ins Gewicht, die nach der Brustkrebstherapie ein Lymphödem entwickeln.
Mit über 70.000 jährlichen Neuerkrankungen ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Durch das Entfernen axillärer Lymphknoten und einer begleitenden  Strahlentherapie sind durchschnittlich 20 bis 30 Prozent der Patientinnen von einem Brustkrebs assoziierten Lymphödem betroffen. Nimmt man nun im Mittel 25% kommt man auf ca. 17.500 Armlymphödem-Neuerkrankungen pro Jahr  allein in der Gruppe der Lymphödeme nach Brustkrebs.“

Was genau passiert bei der Krankheit im Körper
Dr. Seidenstücker: „Bei Vorhandensein eines Lymphödems besteht eine Blockade im Lymphabfluss. Diese kann durch eine Narbe nach Operationen, dass Entfernen von Lymphknoten und zerstören von Lymphbahnen entstehen oder durch eine angeborenen Fehlbildung im Lymphsystem hervorgerufen werden.  Die Lymphflüssigkeit kann nicht mehr aus dem Gewebe abtransportiert werden. Durch den Lymphstau kommt es zur chronischen Schwellung und zu vermehrten Proteinablagerungen im Gewebe. Darüber hinaus  ist die  Immunantwort auf Krankheitserreger gestört und die Betroffenen sind für Infektionen gefährdeter. Neben der Umfangszunahme beklagen die Betroffenen auch ein vermehrtes Spannungsgefühl und Schmerzen. Sie sind im täglichen Leben und in Ihrer Lebensqualität bis hin zur Arbeitsunfähigkeit deutlich eingeschränkt.“

Wie sind die Symptome?
Dr. Seidenstücker: „Es kommt zu einer Schwellung und Umfangsvermehrung des betroffenen Armes oder Beines. Der erste Verdacht ist häufig eine Schwellung aufgrund eines Venenverschlusses (Thrombose). Es ist auch wichtig, dieses als Ursache zuerst auszuschließen. Eine einseitige Schwellung kann auch durch einen Tumor oder eine bösartige Neubildung hervorgerufen werden und man sollte eine Vorsorgeuntersuchung anschließen. Liegt schon eine Vorschädigung des Lymphsystems vor, wie z.B. eine Lymphknotenentfernung im Rahmen einer Krebstherapie, ist die Verdachtsdiagnose Lymphödem schnell gestellt.

Klinisch ist charakteristisch, dass man in die Schwellung eine Delle drücken kann, die danach kurzzeitig verbleibt. Ein „pitting“ Ödem nennt man dieses Zeichen für ein Lymphstau. Die Schwellung ist anfangs durch das Hochlagern der betroffenen Extremität häufig rückläufig.“

Wann muss ich damit zum Arzt? Wie wird untersucht? Wie behandelt?
Dr. Seidenstücker: „Sollten Sie eine einseitige Schwellung eines Armes oder Beines bemerken, sollten Sie zuerst zu Ihrem Hausarzt gehen, der dann verschiedene Diagnostik einleitet. Zum einen muss eine Thrombose (mit einem Venenultraschall) ausgeschlossen werden.

Bei dem dringenden Verdacht auf ein Lymphödem wird zuerst die konservative Therapie mit manueller Lymphdrainage beim Physiotherapeuten und dem Tragen von Kompressionsstrümpfen eingeleitet. Sollte diese Therapie nach 6 Monaten keine Besserung erbringen, kann die Vorstellung bei einem Plastischen Chirurgen erfolgen, der eine operative Lymphabflussrekonstruktion anbietet. Mittlerweile gibt es auch spezielle mikrochirurgische Operationsverfahren, die einen gestörten Lymphabfluss wieder verbessern.