13. März 2017 von Marion Band in Newsroom
© Privat

Zukunftschancen auf vier Beinen

Ausstellungseröffnung im Sana Klinikum Offenbach am 15. März 2017

Dr. Ulrike Wauer, Oberärztin am Sana Klinikum Offenbach, unterstützt Hilfsprojekt für alleinerziehende Frauen in entlegenen Regionen der Welt.

Wie gelangt eine Hebamme im Himalaja rechtzeitig zu einer Geburt, die über 1000 Höhenmeter und eine Flussüberquerung weit entfernt schon begonnen hat? Wie kann eine landlose alleinerziehende Mutter in einem kleinen Dorf auf 4000 Metern Höhe den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen? Das sind für uns hier im urbanen Raum Mitteleuropas keine alltäglichen Fragen – anderswo allerdings sind sie lebensentscheidend!

Vom 15. März bis Ende April 2017 informieren Fotos und Texte im Sana Klinikum Offenbach über die Lebenswirklichkeit der Ärmsten im Himalaja, über ihre Tatkraft und ihre Fähigkeit, sich mit einem einmaligen Geschenk selbst aus der bittersten Armut zu befreien. „Ich bin vor mehr als 15 Jahren über eine kleine Zeitungsannonce auf den Verein ‚Esel-Initiative‘ aufmerksam geworden. Die Idee, gerade den in ihrer Gesellschaft am meisten benachteiligten allein lebenden Frauen mit ihren Kindern zu helfen, hat mich von Anfang an begeistert. Die Hilfe zur Selbsthilfe erfolgt nachhaltig und generationenübergreifend, denn durch das einmalige Geschenk eines Lasttieres – eines Esels beziehungsweise eines Yaks oder Naks – können die Frauen ihre Familie nicht nur ohne weitere Schulden ernähren, sondern die Kinder auch in die Schule schicken und haben so die Chance, den Armuts- und Abhängigkeitskreislauf zu durchbrechen“ sagt  Dr. Ulrike Wauer, Oberärztin an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Sana Klinikum Offenbach. Wauer hat die Ausstellung der Eselsinitiative e.V. nach Offenbach geholt. „Beeindruckt haben mich die authentischen Reiseberichte der Vereinsgründerin, der konsequent ökologische Ansatz mit einhundertprozentiger Verwendung der Spenden für den Vereinszweck und die relativ geringe Geldsumme, die letztlich für einen langfristigen Existenzunterhalt erforderlich ist. Immer wieder gab und gibt es auch Hebammenschulungen und eine Esel-Vergabe als „Hebammen-Taxi“, damit in kürzerer Zeit Schwangere und Entbindende in weitab gelegenen Orten erreicht werden können. Dies hat mich als Ärztin natürlich besonders begeistert!“

Die Ausstellung im Foyer des Klinikums zeigt das Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekt der Esel-Initiative e.V., die mit einem Transporttier oder einem großen Milchtier allein erziehenden Müttern eine Chance gibt: Ob Kuh, Wasserbüffel oder Nak (weibliches Yak) – sie alle geben Milch, aus der die Mütter Butter, Käse und Butterschmalz herstellen. Vom Erlös kaufen sie Getreide, warme Schuhe oder Winterkleidung für die Kinder, sodass diese den oft weiten und anstrengenden Weg zur Schule gehen können. Manche pachten sogar ein Feld, weil sie dank des Tieres jetzt auch etwas Dung haben, und haben so zusätzliche eigene Einnahmen durch den Verkauf von Gemüse oder Kartoffeln. Fast alle Mütter sind Analphabetinnen, alle leisten Schwerstarbeit als Tagelöhnerin, oft auf dem Bau, und müssen ohne ein solches Tier trotzdem ständig Nachbarn um Nahrungsmittelhilfe bitten. Einige leben sogar in Felshöhlen. Außerdem finanziert das Projekt der Esel-Initiative die Ausbildung von Frauen aus entlegenen Dörfern zu Hebammen  und stattet sie mit Pferden aus. Denn die Gesundheitsstationen sind im Himalaja Nepals nur ein paar Monate im Sommer besetzt und die Krankenschwester kommt auch nicht in die Dörfer.

Die Esel-Initiative leitet alle Spenden zu 100 Prozent in das Projekt (sämtliche Kosten des Vereins tragen die Mitglieder); die Einhaltung dieser Selbstverpflichtung wird vom Spendensiegel des DZI jedes Jahr geprüft und bestätigt. Ein Mitglied des Vereins fährt jedes Jahr nach Nepal und prüft das Projekt in den Dörfern. „Die Möglichkeit, die Ausstellung nun bei uns im Sana Klinikum zu präsentieren, freut mich sehr, weil wir damit einer breiteren Öffentlichkeit vor Augen führen können,  wie Hilfe  vor Ort tatsächlich funktionieren kann, ohne dass so viele Menschen wie aktuell erst zu Flüchtlingen werden müssen“, fasst Wauer ihr Engagement zusammen.

Die Ausstellung ist täglich zu den Besuchszeiten im Klinikum von 14 bis 20 Uhr geöffnet.
Info: www.esel-initiative.de