9. März 2017 von Oliver Winklmüller in Newsroom
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„Atemnot kann eine Warnleuchte für viele Krankheiten sein“

Bornaer Pneumologin erläutert, warum man zum Arzt gehen sollte, wenn das Atmen dauerhaft schwerfällt.

„Die Treppen im Hausflur werden aber auch immer steiler“: Wer Probleme mit dem Atmen bekommt, reagiert oft zögerlich. Dabei ist Atemnot nicht immer harmlos.

Atemnot entsteht dann, wenn entweder zu wenig Luft in die Lungen gelangt oder das Blut die Luft nicht weiter transportieren kann. Letztlich kommt es dadurch zu einem Sauerstoffmangel im Gewebe und damit zu weiteren Symptomen wie Übelkeit, Schwindel und Unruhe. Warum man dann zum Arzt gehen sollte, das erklärt die Lungenfachärztin Dr. Anja Häussermann.

Was ist Atemnot eigentlich?
Häussermann: Atemnot kann eine Warnleuchte für viele Erkrankungen sein. Da sich Atemnot nicht wie Fieber messen lässt, ist sie abhängig von den Selbsteinschätzungen der Patienten. Grundsätzlich gilt: Wer mehr Kraft wie gewohnt aufbringen muss, um Luft zu bekommen, sollte sich von einem Arzt durchchecken lassen. Denn es könnte eine ernste Erkrankung dahinter stecken.

Wie äußert sich Atemnot?
Häussermann: Atemnot kann sich in unterschiedlicher Form und Ausprägung bemerkbar machen. Wir Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Atemnot, medizinisch Dsypnoe genannt. Zum einen wäre die Ruhedyspnoe, zu nennen, also eine Atemnot, die bereits in Ruhe auftritt. Zum anderen gäbe es die Belastungsdyspnoe oder Atemnot, die mit körperlichen Aktivitäten verbunden ist. Damit ist nicht das »außer Puste geraten« beim Sport gemeint, sondern eine belastungsabhängige Atemnot insbesondere bei Rauchern, Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma oder chronischen Lungenerkrankungen. Die schwerste Form der Atemnot ist die Orthopnoe: Betroffene können nur noch in aufrechter Haltung sehr schwer atmen, typischerweise in sitzender Haltung.

Welche Krankheiten können hinter einer Atemnot stecken?
Häussermann: Da die Atmung ein äußerst komplexer Vorgang ist, an dem außer der Lunge auch Herz, Muskeln, Skelett, Gehirn und weitere Faktoren beteiligt sind, gibt es entsprechend viele Ursachen für Atemnot. Generell ist sie aber immer ein Zeichen dafür, dass im Körper entweder Sauerstoffmangel besteht oder der Kohlendioxid-Gehalt ansteigt. Normalerweise besteht immer eine Balance zwischen den Beiden. Wird dieses Gleichgewicht gestört, reagiert der Körper mit Atemnot. Am häufigsten tritt sie in Zusammenhang mit Erkrankungen der Lunge, des Herzens oder der oberen Atemwege auf.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Häussermann: Ist die Atemnot akut bedrohlich, dann sollten Sie den Notarzt rufen! In allen anderen Fällen sollte man immer erst zu seinem Hausarzt gehen. Der klärt ab, ob evtl. eine ernste Erkrankung der Grund für die Atemnot ist. Dazu wird er zunächst einige Informationen zu den genauen Beschwerden erfragen, um die Symptomatik abzuklären. Danach führt er eine körperliche Untersuchung durch. Je nach dem Ergebnis können dann weitere Untersuchungen nötig sein, um die endgültige Diagnose zu stellen. Diese spezielleren Untersuchungen werden in der Regel durch uns Lungenfachärzte durchgeführt.

Wie wird Atemnot behandelt?
Häussermann: Die Therapie der Atemnot richtet sich immer nach der Ursache bzw. den Grunderkrankungen. Einige bakterielle Infektionen – beispielsweise eine Lungenentzündung oder Bronchitis – werden mit Antibiotika behandelt. Bei anderen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD werden Medikamente zur Erweiterung der Bronchien verabreicht, die gleichzeitig die Schleimbildung und Entzündungen in den Atemwegen hemmen. Eine akute allergische Schwellung im Halsbereich wird mit Allergiemedikamenten und Kortison behandelt – um nur einige Beispiele zu nennen