16. Februar 2017 von Marion Band in Newsroom, Sprechstunde
© Sana Klinikum Offenbach

Schilddrüse und Fruchtbarkeit: ein enger Zusammenhang

Aus der Themenwoche "Schilddrüse" - MVZ Nuklearmedizin am Sana Klinikum Offenbach

Gegen Unfruchtbarkeit, Entwicklungsstörungen des Fetus und Fehlgeburten als Folgen einer Funktionsstörung der Schilddrüse hilft eine gezielte Hormontherapie.

Schilddrüse und Kinderwunsch
Jeder vierte Bundesbürger hat Probleme mit der Schilddrüse, Frauen in der Regel häufiger als Männer. Besonders betroffen sind Frauen, denn auf die Fruchtbarkeit hat das kleine Organ unterhalb des Kehlkopfs großen Einfluss. Bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, sollte deshalb unbedingt auch die Funktion der Schilddrüse überprüft werden. Ihre Über- oder Unterfunktion kann zu Zyklusstörungen oder sogar zum völligen Ausbleiben der monatlichen Periode führen. Die Fruchtbarkeit ist dann stark eingeschränkt oder gar nicht mehr vorhanden. Werden Frauen mit einer Unterfunktion trotzdem schwanger, kommt es häufig zu Beeinträchtigungen in der intellektuellen und körperlichen Entwicklung des Fetus und auch zu Fehlgeburten.

Schilddrüsentherapie – ein Weg zum eigenen Kind
Generell gilt: Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte der Schilddrüsen-TSH-Wert unter 2,5 uU/ml liegen. Das TSH ist ein in der Hirnanhangdrüse produziertes Hormon, welches in der Schilddrüse wiederum die Produktion der eigentlichen Schilddrüsenhormone anregt. Deshalb ist bei Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch die Bestimmung des basalen TSH-Wertes ein wichtiger Teil der Suche nach den medizinischen Ursachen der Unfruchtbarkeit. Unbemerkt haben manche Frauen eine leichte oder beginnende Schilddrüsenfunktionsstörung, die man normalerweise gar nicht behandeln müsste, wenn sie nicht die Fruchtbarkeit stören könnte.

Schilddrüsenhormontherapie und Eintritt einer Schwangerschaft
Wenn eine Schwangerschaft ausbleibt, kann dies oft mit einem TSH-Wert zusammenhängen, der im oberen Normalbereich oder mäßig erhöht ist, statt idealerweise unter 2,5 uU/ml zu liegen. In solchen Fällen kann es daher sinnvoll sein, einen niedriger Wert (1 uU/ml) anzustreben. „Bestätigt sich der Verdacht einer leichten oder beginnenden Schilddrüsenfunktionsstörung, empfehlen wir eine passende Hormon-Therapie“, erläutert Dr. Semih Dogan, Facharzt für Nuklearmedizin in der MVZ-Praxis am Sana Klinikum Offenbach. „Dies geschieht durch die medikamentöse Einnahme von Levothyroxin, einem Wirkstoff, der dem natürlichen Thyroxin (T4) des Schilddrüsen-Hormons entspricht.“ Zusätzlich empfiehlt Dr. Dogan eine Schilddrüsenuntersuchung mit Ultraschall, eine Bestimmung der Schilddrüsenantikörper und eventuell eine Szintigrafie, um die zugrunde liegende Erkrankung präzise zu diagnostizieren. Zwei bis drei Monate nach Therapiebeginn sollte die Schilddrüsenfunktion erneut überprüft werden, um festzustellen, ob sich der TSH-Wert normalisiert hat.

„Schlägt die Therapie erfolgreich an, erfüllt sich tatsächlich bei einem Teil der Patientinnen der Kinderwunsch“, so Dogan. „Allerdings ist es unbedingt notwendig, die Therapie auch während der gesamten Schwangerschaft fortzuführen und die Schilddrüse regelmäßig zu kontrollieren, um ihre Funktion dauerhaft zu gewährleisten. Insbesondere in ersten drei Schwangerschaftsmonaten sind deshalb, nach einer Erstkontrolle in der achten Woche weitere regelmäßige Kontrollen mit Anpassungen der verabreichten Hormondosis unerlässlich. Hier kommt es auf eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Schilddrüsenarzt und dem Gynäkologen an.“

Ein besonderes Problem kann durch die strukturelle Ähnlichkeit zwischen dem Schwangerschaftshormon Beta-HCG und dem TSH-Rezeptor entstehen. In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten kann das Hormon Thyroxin leicht ansteigen, wodurch der TSH-Wert sinkt. Wenn eine vorgeschädigte Schilddrüse sich dann nicht entsprechend anpassen kann, muss die Dosis des Schilddrüsenhormons erhöht werden, um das Risiko einer Fehlgeburt zu vermeiden.

Patientenakademie: Öffentliche Veranstaltung zum Thema Schilddrüsenerkrankungen
Wer Fragen oder Interesse hat, grundsätzlich mehr über die Bedeutung der Schilddrüse zu erfahren, ist herzlich zur nächsten Patientenakademie des Sana Klinikums Offenbach eingeladen. Am Dienstag, 21. Februar 2017 erläutert Dr. Tilmann Kirchner die verschiedenen Funktionsstörungen und stellt auch die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bei Schilddrüsenerkrankungen vor. Im Anschluss an seinen Vortrag steht er gerne für persönliche Fragen zur Verfügung.

Der Besuch der Patientenakademie ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in den Helmut-Nier-Sälen in Ebene 0 des Sana Klinikums Offenbach, am Starkenburgring 66. Weitere Informationen unter www.klinikum-offenbach.de