13. Februar 2017 von Marion Band in Newsroom, Sprechstunde
© Sana Klinikum Offenbach

Die Schilddrüse – das kleine Organ beeinflusst den gesamten Stoffwechsel

Aus der Themenwoche "Schilddrüse" - MVZ Nuklearmedizin am Sana Klinikum Offenbach

Nur jede vierte Schilddrüsenerkrankung wird erkannt. Eine frühe Diagnose kann „Kropf“ und Operationen vermeiden und schweren Gesundheitsschäden vorbeugen.

Kleines Organ – große Wirkung

Die Schilddrüse – nicht größer als eine Walnuss – ist eine der wichtigsten Drüsen in unserem Körper und hat wesentliche Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Sie sitzt im vorderen Teil des Halses in Höhe des Kehlkopfes, ist schmetterlingsförmig und besteht aus zwei Lappen, die miteinander verbunden sind. Deshalb wird sie auch oft „Schmetterling-Organ“ genannt wird. Mit der Produktion ihres wichtigsten Botenstoffes, des Hormons Trijeodthyronin, treibt die Schilddrüse den gesamten Stoffwechsel an. Gibt sie zu wenig von diesem Botenstoff ab, sprechen wir von einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose). Produziert sie zu viel, liegt eine Überfunktion (Hyperthyreose) vor. Bekannt sind vor allem die von außen sicht- und tastbaren Schilddrüsenknoten, die sich jedoch meistens als harmlos erweisen und deshalb auch nicht operiert werden müssen. In seltenen Fällen kann es sich bei diesen Schilddrüsen-Adenomen aber auch um bösartige Tumore handeln.

Schätzungen jeder vierte Deutsche leidet heute unter einer krankhaften Vergrößerung der Schilddrüse. Ab dem 45. Lebensjahr ist sogar jeder Zweite betroffen. Frauen in der Regel stärker als Männer. Aber auch Kinder können an Funktionsstörungen der Schilddrüsen erkranken. Die Offenbach-Post wird deshalb an den folgenden Montagen über weitere Themenkomplexe der Erkrankungen berichten, insbesondere über Diagnosemöglichkeiten, die Behandlung von Kindern und Jugendlichen und die Rolle der Schilddrüse bei unerfülltem Kinderwunsch.

Unterfunktion der Schilddrüse

Wichtigstes, weil besonders häufig vorkommendes Problem der Schilddrüse ist ihre „Unterfunktion“. Für die Produktion des Hormons Trijodthyronin braucht die Schilddrüse Jod. Bekommt sie nicht genügend davon, kann sie den unerlässlichen Botenstoff nicht ausreichend produzieren. Diese chronische Unterversorgung führt dann langfristig zu einer Vergrößerung oder Fehlfunktion der Schilddrüse.

Viele verschiedene Körperfunktionen geraten dabei aus dem Gleichgewicht. „Oft bemerken die Betroffenen diese Veränderungen nicht oder bagatellisieren sie sogar als typische Beschwerden, wie Konzentrationsschwäche, Gewichtszu- oder abnahme, Verstopfung, innere Unruhe, Schwitzen, die fast jeder irgendwann einmal an sich selbst beobachtet“, erläutert Dr. Kirchner, Facharzt Nuklearmedizin in der MVZ Praxis am Sana Klinikum Offenbach. „Deshalb wird nur etwa jede vierte Erkrankung rechtzeitig erkannt.“

„Dabei kann man einen absoluten Mangel an Schilddrüsenhormonen relativ einfach feststellen“ so Kirchner weiter. „Man misst die entsprechenden Blutwerte und führt eine sonographische Untersuchung des Organs durch – die so genannte Schilddrüsen-Szintigraphie. Mit ihr können wir meist schon die wichtigste Ursache für eine Unterfunktion aufdecken, denn häufig ist dabei das Immunsystem fehlgesteuert und hat zu einer Entzündung der Schilddrüse geführt: der so genannten Hashimoto Thyreoiditis. Den dadurch entstandenen Hormonmangel ersetzt man dann durch die Gabe von synthetischem Schilddrüsenhormon.“

Sehr viel schwieriger lassen sich jedoch verdeckte Fehlfunktionen der Schilddrüse identifizieren. Dazu darf sich der untersuchende Arzt auf keinen Fall nur starr auf die „Normwerte“ fixieren, sondern muss die Verhältnisse zwischen den einzelnen Hormonspiegeln differenziert bewerten und danach die Therapie ausrichten.

Charakteristisch für stark übergewichtige Menschen sind überdurchschnittlich viele Laborkonstellationen mit auffälligen Merkmalen. Die nuklearmedizinische Praxis am Sana Klinikum Offenbach behandelt, in enger Zusammenarbeit mit der Adipositas-Chirurgie, zahlreiche adipöse Patienten, deren Übergewicht sehr häufig mit einer mangelnden Wirkung des Schilddrüsenhormons zusammenhängt: Diätversuche werden teilweise durch gegensteuernde Manöver der Schilddrüse regelrecht sabotiert. Wer kennt nicht den Effekt, dass nach anfänglichem Diät-Erfolg kein Gramm Gewicht mehr weicht. Die Ursache: Beim Hungern gibt die Schilddrüse das Hormons Trijodthyronin in deutlich geringeren Mengen ab. Die Folge: Der Stoffwechsel wird heruntergefahren, große Anteile des Fetts bleiben unverbrannt im Gewebe.

Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthreose)

Ein „Zuviel“ an Schilddrüsenhormon ist eine Hauptursache der „Basedowschen Krankheit“, die häufig auch an stark hervorstehenden Augen (endokrine Orbitopathie) und/oder an einem äußerlich auffallenden, mehr oder weniger großen „Kropf“ (Struma) erkennbar ist.
Im Gegensatz zur Unterfunktion helfen hier Medikamente nur selten weiter. Trotzdem sind die meisten Schilddrüsenerkrankungen auch ohne Operation gut therapierbar und deshalb eigentlich „so überflüssig wie ein Kropf“. Bleiben sie jedoch unerkannt und unbehandelt, sind Herzrhythmusstörungen, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Haarausfall und Gewichtsprobleme häufige Folgen.

Knoten, die zu viel Hormon produzierendes Gewebe bilden (so genannte Adenome), kann ein Nuklearmediziner samt dem funktionsstörenden Gewebe zerstören. Dazu spürt er die Knoten mit einer besonderen bildgebenden Untersuchungsmethode auf, der Schilddrüsen-Szintigraphie. Wenn die Knoten die dabei intravenös eingeführte, leicht radioaktive Substanz speichern, hat man es mit „heißen“ Knoten zu tun. Sie werden in warmen Farben (Rot und Gelb) dargestellt. Können die Adenome diesen Stoff jedoch nicht aufnehmen, handelt es sich um „kalte“ Knoten, die dagegen in kühlen Farben (Blau und Violett) zu sehen sind. Nur selten sind diese hormoninaktiven Veränderungen bösartig.

„Viel zu oft werden in Deutschland solche meist harmlosen Veränderungen unnötigerweise operiert“, betont Dr. Kirchner. „Wenn nicht sicher auszuschließen ist, dass ein kalter Knoten gefährlich sein könnte, kann man mit Hilfe einer Nadel eine Gewebeprobe entnehmen und im Labor untersuchen.“ Die Praxis am Sana-Klinikum bietet aber auch eine weitere Form der Schilddrüsen-Szintigraphie an, die so genannte Onko-Szintigraphie, mit der ein Schilddrüsen-Krebs ebenfalls mit großer Sicherheit und schonend ausgeschlossen werden kann.

Patientenakademie: Offene Informationsveranstaltung am 21. Februar 2017

Wer Fragen oder Interesse hat, mehr über die Erkrankungen der Schilddrüse zu erfahren, ist herzlich zur nächsten Patientenakademie des Sana Klinikums Offenbach eingeladen. Am Dienstag, 21. Februar 2017 erläutert Dr. Kirchner nicht nur die verschiedenen Funktionsstörungen, sondern stellt auch die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten vor. Im Anschluss an seinen Vortrag steht er gerne für persönliche Fragen zur Verfügung.

Der Besuch der Patientenakademie ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in den Helmut-Nier-Sälen in Ebene 0 des Sana Klinikums Offenbach, am Starkenburgring 66. Weitere Informationen unter www.klinikum-offenbach.de