28. November 2016 von Martina Steck in Medizin des Lebens
© Sana Kliniken Bad WildbadGemälde im Raum der Stille
© Sana Kliniken Bad Wildbad

„LEBEN bis zuletzt“ – Bedürfnisse am Ende des Lebens und Palliativpflege

„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“

Palliativmedizin ist ein unangenehmes Thema, vielleicht sogar ein Tabu. Doch genau diesem sensiblen Bereich gilt es den Schrecken zu nehmen.

Das nahende Lebensende ist keine schöne Vorstellung und wenn es um nahe Angehörige geht, erst recht nicht. Doch genau diesem sensiblen Bereich gilt es den Schrecken zu nehmen. In Bad Wildbad (Schwarzwald) nimmt sich die Ethikkommission des Themas an.

Unter dem Motto „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“ wurde die palliative Versorgung als Kooperation der Sana Kliniken Bad Wildbad und des Hospizdienstes oberes Enztal entwickelt. Die Vernetzung mit dem ambulanten Palliativ & Intensiv Care Team Nordschwarzwald und die enge Teamarbeit mit Seelsorgern, Psychologen sowie Physiotherapeuten und Sozialdienst stehen dabei im Vordergrund.

Die Bezeichnung der Fachrichtung Palliativmedizin geht auf den lateinischen Begriff „pallium“ = Mantel zurück. Es geht um das Bewahren einer menschenwürdigen Lebensqualität des Patienten und um Linderung von Beschwerden in der letzten Lebensphase, auch wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Hierbei wirken in der Praxis mehrere Beteiligte und Professionen zusammen.
Die Diagnose einer unheilbaren, fortgeschrittenen Erkrankung löst bei den Betroffenen und deren Angehörigen tiefe Betroffenheit und Ängste aus: vor möglichen Schmerzen, vor der Einsamkeit, vor der Endgültigkeit, vor dem Sterben. Häufig bestimmt das Gefühl, ohnmächtig zu sein, die letzte Phase des Lebens.

„Die Sterbebegleitung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit“, diese Aussage im Ethikstatut der Sana Kliniken Bad Wildbad ist nicht nur ein Satz, sondern gelebte Wirklichkeit im Krankenhausalltag. Verdeutlichen möchte das Oberärztin Dr. Angela Keichel-Höhn mit ihrer Vorstellung der Palliativstation  in den Sana Kliniken, die nicht nur mit dem Hospizdienst Oberes Enztal eng zusammenarbeiten. Unter dem Motto „Leben bis zuletzt: Bedürfnisse am Ende des Lebens“, stellt die Institution ihr Konzept zur Begleitung schwerstkranker Patienten und der ihnen nahestehenden Bezugspersonen vor. Ziel ist es, den Patienten gut versorgt nach Hause zu entlassen und die weitere Versorgung zu koordinieren und zu organisieren.

Zu diesem Thema finden in regelmäßigen Abständen (zuletzt am 08. November 2016) in den Sana Kliniken Bad Wildbad Informations-Abende statt. Dr. Angela Keichel-Höhn, leitende Oberärztin der Sana Klinik für Innere Medizin, stellte dabei zunächst das Palliativkonzept  zur fachübergreifenden Versorgung schwerkranker Patienten vor. Anschließend erklärte Petra Nonnenmann von der Pflegedienstleitung, wie die Pflege bei der stationären Behandlung aussehen kann. Zu Gast waren zudem Kristine Bürk vom Hospizdienst Oberes Enztal und Elke Kübler von der Palliativ & Intensiv Care Team Nordschwarzwald GmbH. Beide sprachen über Ihre Arbeit und wer – im Falle eines Falles – als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Abschließend konnte ein Palliativzimmer besichtigt werden.

Es it ein schwieriges und sensibles Thema, das die Bereiche Pflege, Psychotherapie, Physiotherapie oder Hospiz betrifft. „Was machen wir, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist?“ Dr. Angela Keichel-Höhn, leitende Oberärztin an den Sana Kliniken beantwortet diese Frage in Ihren Ausführungen. Herauszufinden, wie das Leben für den Patienten trotzdem noch lebenswert ist, ist die Kernaufgabe der sogenannten Palliativmedizin. In den Bad Wildbader Sana Kliniken steht den Schwerstkranken dafür ein interdisziplinäres Palliativ-Team zur Verfügung, das sich sowohl in speziell ausgestatteten Klinikzimmern, als auch durch die intensive Zusammenarbeit mit dem ambulanten Hospizdienst Oberes Enztal, um die Patienten kümmert. Zu diesem Team gehört insbesondere Oberärztin Dr. Angela Keichel-Höhn, Fachärztin in der Palliativ-Medizin. Sie weiß: Respekt, Beistand, Hilfe und Würdigung sind die wichtigsten Schlagworte, wenn es darum geht, Menschen in den Tod zu begleiten. Immerhin 90 Prozent aller schwerstkranker Menschen äußern den Wunsch, daheim zu sterben, doch nur 20 bis 30 Prozent ist dieses Ende vergönnt. Der Ausbau der ambulanten, aber auch der stationären Palliativmedizin müsse darum ein wichtiges Ziel sein, betont sie. „Niemals sollte das Ende des Lebens kommerzialisiert werden“, so Keichel-Höhn.  Die überschaubare Größe der Sana Kliniken in Bad Wildbad und die daraus resultierende familiäre Atmosphäre ist dabei hervorzuheben. „Wir arbeiten abteilungsübergreifend, haben überschaubare Teams und kurze Wege – wir kennen unsere Patienten“. Die Sorgen und Ängste der Patienten zu nehmen, sei ein wichtiges Anliegen. Dazu gehöre auch eine Schmerz- und Symptomlinderung durch speziell ausgebildetes Fachpersonal. Denn, so ein Zitat aus dem Ethikstatut der Sana Kliniken: „Die Menschenwürde und die Autonomie eines Patienten hat Vorrang vor allem anderen“.

Was ist Palliativ ?
Dies ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten, die mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung einhergeht.
Woher stammt der Begriff Palliativ?
Palliativ: Sorgsam umhüllend (nach lat. pallium = Mantel, palliativ = jemandem den wärmenden Mantel über die Schultern legend)

In unserer Gesellschaft greift zunehmend die Angst um sich, vereinsamt, unter sinnlosem Leiden und ohne Kontrolle über die Rahmensituation zu versterben.
Manche Menschen möchten dem durch rechtliche Vorausverfügungen vorbeugen. Anderen scheint nur eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe eine ausreichende Garantie zu sein, selbstbestimmtes Leben durch ein selbstbestimmtes Sterben zu vollenden. Das Palliativteam und der Hospizdienst versuchen durch Schaffung bestmöglicher Rahmenbedingungen eine Situation zu gestalten, in der, der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe keinen Raum mehr findet.


Palliativversorgung findet in verschiedenen Bereichen statt:
• Medizinischen und pflegerischen Betreuung:
Schmerzlinderung und Behebung körperlicher Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit, Angst und Verwirrung.
• Soziale Betreuung:
Sterben soll in möglichst vertrauter Umgebung stattfinden können. Dabei gehen wir bei sterbenden Patienten und ihren Bezugspersonen auf ihre individuellen Bedürfnisse ein. Besteht der Wunsch zu Hause und in Gegenwart vertrauter Menschen versorgt zu werden, kann der Hospizdienst den Patienten weiter begleiten.
• Psychologische Betreuung:
Dem Sterbenden soll ermöglicht werden, für ihn wichtige Dinge zu thematisieren und Spannungen und Ängste zu lösen.
• Seelsorgerische Betreuung:
Der Sterbende soll in seinem Nachsinnen und Fragen einfühlsam begleitet werden.

Was ist Hospizarbeit?
Unter Hospizarbeit versteht man heute ein Konzept der Fürsorge für Sterbende und deren Bezugspersonen, welche die Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen ins Zentrum stellt.
Hospiz = lat. hospitium = Herberge

Geleistet wird diese Arbeit durch Hauptamtliche unterschiedlicher Berufsgruppen, insbesondere durch Pflegekräfte, Ärzte, Sozialarbeiter, und freiwillige Helferinnen und Helfer. Letztere tragen in besonderem Maße dazu bei, den Angehörigen ein Stück Alltag aufrecht zu erhalten und sie zu unterstützen. Hospizarbeit hat nicht das Ziel, den Sterbeprozess zu verzögern oder zu beschleunigen. Die Nachsorge für die Angehörigen in der Zeit der Trauer ist integraler Bestandteil der Arbeit. Die Hospizarbeit versucht, den Menschen ein Sterben zu Hause zu ermöglichen. Falls dieses nicht mehr möglich ist, gibt es auch stationäre Hospizangebote. Ambulanten Hospizdienste stellen idealerweise eine psychosoziale Begleitung betroffener Bezugspersonen zur Verfügung. Unter sorgfältiger Beachtung des körperlichen Befindens wird bei Bedarf fachkundige Hilfe hinzugezogen.