1. November 2016 von Sebastian Kimstädt in Neue Verfahren, Qualitätskliniken, Sprechstunde
© S. Kimstädt / Regio Kliniken

Pankreas-Operation ohne Bauchschnitt

Im Regio Klinikum Pinneberg ist erstmals ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse vollständig minimalinvasiv operiert worden.

Um den Tumor bei der Patientin zu entfernen, entschieden sich Chefarzt PD Dr. Hamid Mofid und sein Team für einen ungewöhnlichen Weg.

Ulrike Müller war im Frühjahr eigentlich nur zur Routinekontrolle bei ihrem Hausarzt. Weil dem aber die EKG-Werte nicht gefielen, schickte er seine Patientin zur Untersuchung im Magnetresonanztomografen (MRT). Herzprobleme wurden dabei nicht festgestellt. Der Radiologe entdeckte jedoch Auffälligkeiten an der Bauchspeicheldrüse. Deren Schwanz ragte am unteren Rand gerade noch so in die MRT-Aufnahme. Eine weitere MRT-Untersuchung bestätigte den Verdacht. In der Bauchspeicheldrüse von Ulrike Müller wuchs ein Tumor.

Um die 1,5 Zentimeter große Geschwulst zu entfernen, entschied sich der Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Regio Klinikum Pinneberg, PD Dr. Hamid Mofid, für ein hochspezialisiertes und schonendes Verfahren. Der Chirurg entfernte einen Teil der Bauchspeicheldrüse sowie die Milz in einer zweieinhalbstündigen minimalinvasiven Operation und barg die Organe über die Scheide.

Dieses Verfahren nennt sich „Transvaginale Pankreaslinksresektion und Splenektomie mit transvaginaler Präparatebergung“. Im Gegensatz zu herkömmlichen Operationen an der Bauchspeicheldrüse kann hierbei auf einen fast 30 Zentimeter großen Bauchschnitt verzichtet werden. Selbst bei minimalinvasiven Eingriffen war bislang ein etwa zehn Zentimeter großer Schnitt durch die Bauchdecke notwendig, um die etwa faustgroßen Organe zu entfernen.

„Bei Frauen besteht jedoch die Möglichkeit, die Organe über einen Schnitt in der Scheidenhinterwand zu bergen. Die Patientinnen haben dadurch so gut wie keine Beschwerden, erholen sich schnell von dem Eingriff und das Risiko für Wundinfektionen oder anderer Komplikationen ist minimal.“, zählt der Chefarzt die Vorteile der transvaginalen Präparatebergung auf.

In Pinneberg hat Dr. Mofid das relativ neue Verfahren zum ersten Mal angewendet. Der Facharzt für spezielle Viszeralchirurgie verfügt jedoch über viel Erfahrung bei diesem Eingriff. Gemeinsam mit dem Chefarzt des Israeltischen Krankenhauses in Hamburg, Prof. Dr. Carsten Zornig, hatte PD Dr. Mofid an der Entwicklung der Methode mitgearbeitet, Patientinnen operiert und seine Habilitation dazu verfasst. Ulrike Müller hatte daher auch keinerlei Bedenken, sich in Pinneberg operieren zu lassen.

Jetzt, ein gutes Vierteljahr nach der Operation, hat die 40-Jährige wieder mit ihrer Arbeit als Medizinische Fachangestellte in einer Pinneberger Arztpraxis begonnen und zieht zufrieden Bilanz. „Das war schon eine große Operation. Aber ich fühle mich gut und habe keine Beschwerden. Und von dem Eingriff sieht man nur zwei winzige Punkte auf dem Bauch“, sagt die Mutter eines vierjährigen Sohnes. Ulrike Müller würde daher sofort eine Behandlung im Regio Klinikum Pinneberg empfehlen, da nicht nur die Operation prima verlaufen ist, sondern auch die Pflege und Organisation gut waren. „Ich musste mich um nichts kümmern. Das Team der Klinik hat mich von der Diagnose bis zu Reha an die Hand genommen und durch die Behandlung geführt“, erzählt Ulrike Müller.

Eine Chemotherapie war glücklicherweise nicht notwendig. Der Tumor war eine seltene, aber nicht aggressive Form des Krebses und hatte nicht gestreut. Die Prognose des Chefarztes ist daher auch optimistisch. „Frau Müller hat nicht nur die OP sehr gut vertragen. Ich gehe auch davon aus, dass der Krebs nicht wieder zurückkehren wird“, so PD Dr. Mofid.

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