12. April 2016 von Philipp Jauch in Hygiene
© Sana Kliniken AGKurze Wege helfen, die Hygiene in Krankenhäusern zu verbessern und die Ausbreitung von Keimen zu verhindern.
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Kurze Wege zur besten Hygiene

Die Möglichkeiten, mit Keimen in Kontakt zu kommen, so gering wie möglich halten

Kliniken werden heute so intelligent gebaut, dass maximale Hygiene erreicht wird. Das reicht von der Wasserversorgung über die Händedesinfektion bis zur IT.

Wie kommen Keime ins Krankenhaus? Entwedersie dringen über das Wasser oder die Luft ein.Diese Problembereiche lassen sich mit technischen Lösungen recht gut kontrollieren. Die Mehrzahl aller Keime wird allerdings von Patienten, Klinikpersonal oder Besuchern eingeschleppt. Und dieser menschliche Risikofaktor ist weitaus schwieriger beherrschbar. « Hier helfen nur bauliche Maßnahmen, die hygienisches Handeln erleichtern », sagt Peter Lang, Leiter Bau und Immobilienentwicklung der Sana Immobilien Service GmbH. « Dabei geht es darum, die Möglichkeiten, mit Keimen in Kontakt zu kommen, so überschaubar wie möglich zu halten. »

Kurze Wege, kompakte Anlagen und klare Strukturen, so lauten die obersten Prinzipien der Infektionsprävention aus baulicher Sicht. Zu viel Komplexität bei der Wegführung, den Raumkonzepten und der Haustechnik birgt immer hygienische Risiken.

Vorbei sind die Zeiten der überdimensionalen Bettenburgen mit endlos langen Fluren, auf denen sich Scharen von medizinischem Personal, Patienten und Besuchern tummeln. Unter hygienischen Gesichtspunkten vorteilhaftsind Krankenhäuser mit wenigen Stockwerken und drei bis vier Stationen je Ebene. Die Aufbereitung der Krankenbetten sollte nicht zentral, sondern in den Stationen stattfinden, damit das Bett ohne lange Transportwege und Standzeiten desinfiziert werden kann. Hygienisch sinnvoll sind außerdem die Zusammenlegung der Diagnostikbereiche unterschiedlicher Abteilungen und die Aufbereitung der dort genutzten Instrumente nach einheitlichen Standards in der Zentralsterilisation. Außerdem sollten diese Bereiche, die auch von ambulanten Patienten besucht werden, räumlich von den Stationen und OP-Räumen getrennt sein.

Vorsicht: Legionellen!

Das Prinzip der besseren Hygiene durch kurze Wege gilt auch für die Wasserversorgung. Leitungen sollten so geplant werden, dass eine ständige Wasserzirkulation gewährleistet ist. Stagniert der Wasserdurchfluss, steigt nämlich die Gefahr der Verunreinigung mit Keimen, vor allem mit Legionellen und Pseudomonas. « Deshalb achten wir darauf, weitverzweigte Rohrsysteme zu vermeiden und die Zahl der Wasserentnahmestellen im Krankenhaus überschaubar zu halten », erklärt Lang. Aus diesem Grund werden in den Zimmern der Intensivstationen oft keine Handwaschbecken mehr montiert. Für gesunde Menschen sind die Wasserkeime nicht allzu gefährlich. Bei Intensivpflegepatienten reicht jedoch ein einziger Keim, um schwere Infektionen auszulösen. Außerdem soll der Verzicht auf die Handwaschbecken Pflegekräfte dazu anhalten, sich die Hände zwischen zwei Patientenkontakten zu desinfizieren und nicht bloß zu waschen.

Handhygiene ist auf der Intensivstation besonders brisant, denn dort berühren die Pflegekräftedie Patienten viel häufiger als am normalen Krankenbett. Bis zu 250 Handkontakte pro Tag hat das Pflegepersonal mit jedem Intensivpflegepatienten. Und je mehr Berührungen, desto wichtiger ist die gründliche Desinfektion beim Wechselzwischen den Patienten.

Auch im üblichen Krankenzimmer sind Desinfektionsspenderunverzichtbar und längst gesetzlich vorgeschrieben. Doch auch hier lässt sich die Infektionsprävention mit vorausschauender Planung deutlich verbessern, so Lang: « Den Desinfektionsspender bringen wir heute nicht mehr am Waschbecken an, sondern in Reichweite der Krankenbetten, also im Blickfeld des Personals — als sichtbaren Hinweis, sich die Hände zu desinfizieren, bevor man sich dem nächsten Patientenzuwendet. »

Glatte Lösungen

Mit solchen relativ einfachen Maßnahmen lässt sich für die Hygienesicherheit viel bewirken. Komplexe und kostspielige Ansätze, wie etwa der Einbau von Türklinken und Lichtschaltern aus Kupfer oder der Einsatz von antibakterieller Bettwäsche werden in der Fachwelt zwar lebhaft diskutiert. Doch solche Innovationen können die gründliche Desinfektion keinesfalls ersetzen. Auch die Strategie, Keimübertragung durch die Unterbringung der Patienten in Einzelzimmern zu vermeiden, erweist sich aus hygienischer und medizinischer Sicht als zweischneidiges Schwert. « Mehr Zimmer bedeuten immer auch längere Wege und weniger Überschaubarkeit », so Heinrich Geiss, Bereichsleiter Hygiene und Infektiologie. « Überdies ist der Patient schlechter überwacht und kommt außerhalb seines Zimmers ohnehin in Kontakt mit anderen Personen. »

Fraglos müssen Patienten mit hoch infektiösen Krankheiten isoliert werden. Doch im üblichen Krankenhausbetrieb sind Zwei- oder Dreibettzimmer, in denen die Betten der Patienten möglichst weit auseinanderstehen für die Infektionsprävention völlig ausreichend.

Aus hygienischer Sicht sollten die Oberflächen in diesen Räumen glatt, das heißt einfach zu reinigen sein. Und dafür sind abwaschbare Gipskartonwände die bessere Wahl als strukturierte Tapeten oder Fliesen, in deren Fugen Keime ein gutes Versteck finden.

Intelligente Infektionsprävention

Ein weiteres heißes Hygienethema ist die IT-Infrastruktur des Krankenhauses. Computer mit Gebläse etwa sind regelrechte Keimschleudern. Deshalb sollten hygienesensible Krankenhausbereiche immer mit Computern ohne Ventilatoren und mit desinfizierbaren Tastaturen ausgestattet werden. Die größte Herausforderung bei der Gestaltung einer hygienischen Krankenhausumgebung ist allerdings nicht die Technik oder die Gebäudeplanung, sondern der Faktor Mensch. Hygieneexperte Geiss bringt es auf den Punkt: « Auch die besten baulichen Konzepte zur Infektionsprävention scheitern, wenn sich die Menschen im Krankenhaus in hygienischer Hinsicht nicht diszipliniert und aufgeklärt verhalten. »