© ThinkstockHallux valgus Untersuchung
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Hallux valgus – wenn der Schuh drückt

Neue, in Europa einmalige Diagnose-Technik im Krankenhaus Rummelsberg ermöglicht bessere Operationsergebnisse

Der „Ballenzeh“ oder Hallux valgus ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Mit der Zeit verursacht er Schmerzen bei jedem Schritt.

Als einziges Krankenhaus in Europa bietet die Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie im Krankenhaus Rummelsberg jetzt die 3D-Röntgenanalyse von solchen Fußproblemen im Stehen an. Diese deutlich verbesserte Diagnostik hilft dem Arzt, die Operation optimal zu planen. Das sorgt für messbar weniger Komplikationen und eine schnellere Heilung.

Unsere Füße tragen uns jeden Tag. Die stärkste Belastung liegt dabei auf den sogenannten Sesambeinen, zwei kleinen Knöchelchen, auf denen der erste Mittelfußknochen ruht. Rutscht der seitlich herunter, tritt der Großzehenballen an der Fußinnenseite immer deutlicher hervor. Ein Hallux valgus bildet sich. Diese Deformation ist sehr verbreitet, zwei Drittel aller Frauen über 60 Jahre sind davon betroffen. Ursache ist eine Überlastung des Großzehengrundgelenks. Aber enge Schuhe alleine sind nicht der Hauptauslöser, wie häufig angenommen. Sie verstärken das Problem nur. Auch Naturvölker, die nie Schuhe tragen, entwickeln eine solche krankhafte Veränderung. „Dass der Hallux valgus so oft auftritt, ist vermutlich die Folge einer evolutionären Schwachstelle im Fuß bei unserer Entwicklung zum Zweibeiner“, erklärt Prof. Dr. med. Martinus Richter, Chefarzt der Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie. In seltenen Fällen ist ein Hallux valgus auch angeboren.

Leider wird die Fuß-Deformation gerade zu Beginn oft unterschätzt. Die Betroffenen finden sie zwar optisch unschön, gehen damit aber nicht zum Arzt. „Doch irgendwann beginnt so ein Hallux valgus wehzutun“, erklärt Professor Dr. Martinus Richter. „Dann sind Gelenke und benachbarte Knochen leider oft schon irreversibel geschädigt.“ Die Patienten sollten deshalb nicht warten, bis sich starke Beschwerden bemerkbar machen, sondern schon in einem frühen Stadium zum Fachmann gehen. „Nachhaltig korrigiert werden kann die Fehlstellung nicht mit einer Schiene, sondern nur durch eine Operation“, weiß der Experte. Sehr zu empfehlen ist es, sich für den Eingriff an ein fußchirurgisches Zentrum zu wenden.

Für ein gutes Operationsergebnis ist aber immer zuerst eine genaue Untersuchung des Fußes nötig, um den Eingriff richtig planen zu können. Optimal ist hier die neue 3D-Diagnostik, die in Europa bisher nur im Krankenhaus Rummelsberg in der Abteilung von Professor Richter angeboten wird. Das Besondere daran: Die Bilder werden im Stehen aufgenommen, weil dann beide Füße so belastet sind wie im normalen Leben. Das ist entscheidend, denn nur so lassen sich die krankhaften Veränderungen im Fuß korrekt analysieren und der Arzt kann die optimale Position ermitteln, in die die Knochen bei der OP gebracht werden müssen.

Für diese Art der Untersuchung ist ein spezielles Röntgengerät nötig, das sogenannte PedCAT, das seit Kurzem im Krankenhaus Rummelberg im Einsatz ist. Der Patient steht dabei bequem in dem Gerät. Die Untersuchung an beiden Füßen ist innerhalb von 68 Sekunden abgeschlossen. Um Daten für die Operation zu erhalten, war es bisher nur möglich, mehrere zweidimensionale Röntgenbilder aus verschiedenen Blickwinkeln zu erstellen oder eine 3-D-Computertomografie zu machen – die kann aber nicht im Stehen durchgeführt werden. Das neue Gerät liefert also deutlich aussagekräftigere Bilder. „Mit Hilfe des PedCAT können wir außerdem die Strahlenbelastung für die Patienten auf weniger als ein Zehntel reduzieren“, sagt Professor Richter. Im Anschluss an den Röntgen-Check wird im Krankenhaus Rummelsberg eine sogenannte Pedographie durchgeführt. Sensoren erfassen dabei während des Gehens, wo welche Kräfte unter der Fußsohle wirken. Erst auf Basis dieser Daten plant Professor Martinus Richter dann die Operation.

Die eigentliche Korrektur des Hallux valgus findet fast immer unter Vollnarkose statt und dauert maximal eine dreiviertel Stunde. Je nach Fehlstellung wird der Mittelfußknochen vorne oder hinten durchgesägt, in die richtige Position verschoben und mit einer Schraube und einer Titanplatte fixiert. Diese Platten und Schrauben hat Professor Richter aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in der Operation der Fehlstellung selbst entwickelt. „Der Vorteil dieser Technik ist, dass der Knochen sofort wieder belastet werden kann“, weiß der Mediziner. Die Implantate müssen im Fuß enormen Kräften standhalten. Schon beim normalen Gehen wirkt darauf das doppelte Körpergewicht ein. Beim Springen und Rennen sogar ein Vielfaches davon. „Für ein optimales Ergebnis überprüfen wir noch während des Eingriffs die optimale Knochenposition und die Kräfteverteilung“, erklärt der Fußchirurg.

Bei den meisten Patienten ist es nötig, beide Füße zu operieren. Dabei wird ein Abstand von drei bis vier Monaten eingehalten, das minimiert das Risiko des Eingriffs zusätzlich. Die Schrauben und Platten müssen im Knochen verbleiben bis dieser ganz verheilt ist. Das dauert mindestens vier bis sechs Wochen. „In 90 Prozent der Fälle können die Implantate im Fuß verbleiben, da sie keinerlei Probleme bereiten. Bei ca. zehn Prozent der Patienten treten lokale Irritationen auf. Die verschwinden schnell, wenn Schrauben und Platten bei einem Eingriff gleichzeitig auf beiden Seiten entfernt werden“, beschreibt Professor Richter das übliche Vorgehen. Dank dieser optimierten Diagnostik und Operationstechnik verläuft die Heilung messbar schneller und es kommt deutlich seltener zu Komplikationen.

Weiterführende Informationen zum Verfahren und eine Patienteninformationsbroschüre bekommen die Leser unter der Telefonnummer 09128 / 50 44 000.

Weitere Infos für Patienten unter: www.vorfuss-operation.de

http://sprechende-medizin.com/wp-content/uploads/2015/07/PG-Hallux-valgus.pdf

Adresse

Allgemeine Informationen:
Krankenhaus Rummelsberg
Rummelsberg 71
90592 Schwarzenbruck
Telefon: 09128 5040
kru-verwaltung@sana.de