18. Februar 2015 von Christine Rumbucher in Medizin des Lebens, Qualitätskliniken
© Kliniken Oberallgäu gGmbH

Ein Stück Vertrautheit im Klinikalltag

Ein Jahr Café „Vergiss-mein-nicht“ im Klinikum Kempten

Menschen mit Demenz erfahren am Klinikum Kempten besondere Aufmerksamkeit. Das Café „Vergiss-mein-nicht“ feiert am 21. Februar mit Tag der offenen Tür.

Kempten, 5. Februar 2015. Fröhlichkeit ist im Café „Vergiss-mein-nicht“ Trumpf. Regelmäßig wird dort gesungen, gespielt, geratscht, gelesen und gemeinsam Mittag gegessen. Mehr als 1000 Gäste haben die Einrichtung für altersverwirrte, demente und unterstützungsbedürftige Patienten am Klinikum Kempten inzwischen besucht. Darunter befand sich auch Karolina Moser. Erst kürzlich feierte die älteste Kemptener Bürgerin ihren 106. Geburtstag. Nach einem unglücklichen Sturz war sie mit einer Platzwunde und Prellungen ins Krankenhaus gekommen. Keine leichte Sache für die hochbetagte Frau.
Doch dann erlebte sie täglich drei Stunden das Café „Vergiss-mein-nicht“. Die Mutter sei in der beschwingten Atmosphäre regelrecht aufgeblüht, erzählt begeistert ihre Tochter Ingeborg Probst. Die herzliche Betreuung habe entscheidend zur raschen Genesung beigetragen. „Meine Mutter konnte früher als geplant entlassen werden. Man kann den ehrenamtlichen Helferinnen nicht genug für ihre segensreiche Arbeit danken“, schwärmt die Kemptenerin vom Café „Vergiss-mein-nicht“. Am Samstag, 21. Februar wird das einjährige Bestehen mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.

Mehr Zuwendung
20 Freiwillige nehmen sich im Wechsel jeden Tag drei Stunden Zeit für ihre betagten Gäste. „Denn sie brauchen einfach mehr Zuwendung“, sagt Renate Barnsteiner, Chefin im Café. „Wenn altersverwirrte, demente oder einfach nur unterstützungsbedürftige Menschen in die Akutklinik kommen, sind sie oft verwirrt von der ungewohnten Umgebung, den fremden Personen und den Abläufen in der Klinik“, unterstreicht die Demenzbeauftragte am Klinikum. Die Idee für das Café „Vergiss-mein-nicht“ wurde durch das Projekt „Menschen mit Demenz im Krankenhaus“ von der Alzheimergesellschaft Allgäu angestoßen und mit Unterstützung der Klinikleitung und des Bezirkskrankenhauses Kempten umgesetzt.

Nostalgische Möbel, alte Bilder
Mit seinen nostalgischen Möbeln, alten Bildern an der Wand und allerlei Details wie eine historische Nähmaschine oder eine antike Kaffeemühle soll das Café den Menschen in der sterilen Klinikumgebung zumindest ein kleines bisschen ihres vertrauten Alltags zurückgeben. Die Musik kommt aus einer Musiktruhe von anno dazumal und es gibt gewohnte Spiele wie etwa Mensch-ärgere-dich-nicht. „Die liebevolle Zuwendung gibt allen Gästen das Gefühl, dazuzugehören und wie in einer großen Familie zu sein“, formuliert es Ingeborg Probst, die ihre Mutter begleitet hat.

Das Gehirn aktivieren
Diese Vertrautheit sei für die alten Patienten eine wichtige Hilfestellung, erläutert Michael Hartel, Altersmediziner am Klinikum. Denn Menschen, die dement seien, würden dazu neigen, in Krankenhaussituationen noch verwirrter als zu Hause zu sein. „Das Angebot im Café ist eine gute Möglichkeit, sie abzulenken, das Gehirn zu aktivieren und ihm die Möglichkeiten zu bieten, sich festzuhalten.“, so Hartel. Aber nicht nur die Patienten profitieren vom Café „Vergiss-mein-nicht“. Für das Pflegepersonal ist die Einrichtung eine große Entlastung. „Die Patienten kommen wesentlich ausgeglichener auf die Station zurück, sie sind ruhiger und nicht mehr so verwirrt“, bestätigt Renate Barnsteiner, „man kann sagen, unser Experiment ist rundum geglückt.“ (cis)

Programm am Tag der offenen Tür
Am Samstag, 21. Februar, öffnet das Café „Vergiss-mein-nicht“ am Klinikum Kempten die Türen für die Öffentlichkeit (10 bis 15 Uhr). Im Foyer des Klinikums wird ein interaktiver Demenz-Pfad aufgebaut sein. 18 Stationen machen deutlich, was demente Menschen empfinden, wie verwirrend und beängstigend sie ihre Umwelt wahrnehmen bzw. wie sie kognitiv und im Bereich anderer Sinnesleistungen an ihre Grenzen stoßen. Daneben gibt es folgende 15-minütige Fachvorträge zum Thema Demenz (Veranstaltungsraum C-Bau, Ebene 0):

• „Der verwirrte Patient im Krankenhaus“ – Referent Dr. Michael Hartel (11 Uhr und 13 Uhr)
• „Alterstraumatologie/Aktuelle Behandlungsmöglichkeiten von Knochenbrüchen im Alter“ – Dr. Frank Missler (11.15 Uhr/13.15 Uhr)
• „Das Café Vergiss-mein-nicht – eine Erfolgsgeschichte?“ – Renate Barnsteiner (11.30 Uhr/13.30 Uhr)
• „Interaktiver Demenzpfad – Demenz begreifen- verstehen-integrieren“ – Michael Proske (11.45 Uhr/13.45 Uhr).

Adresse

Christine Rumbucher
Telefon: 0831 530-3222
Mobil: 0151 14841974
E-Mail: christine.rumbucher@kv-keoa.de

Christian Wucherer
Telefon: 0831 530-3328 oder 08323 910-340
Mobil: 0176 21018501
E-Mail: christian.wucherer@kliniken-oa.de