© Sana Kliniken AGLängst keine Science-Fiction mehr: Via Telemonitoring werden die Daten von Implantaten automatisch ans Krankenhaus übertragen.
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Elektronischer Schutzengel

Telemonitoring gibt Herzpatienten Sicherheit

Keine Zukunftsmusik: Miniwächter im Patientenherz, die biologische Signale direkt in die Klinik senden.

Fast 10.000 Kilometer Luftlinie trennen Dr. Christopher Piorkowski und seine Patientin, und doch hat er ihre Herzaktivität jederzeit im Blick. Die junge Frau hat eine Herzmuskelerkrankung, die zu lebensbedrohlichen Kammerrhythmusstörungen führen kann. Deshalb ist sie am Herzzentrum Dresden mit einem implantierbaren Defibrillator versorgt worden. Das etwa münzgroße Gerät, auch ICD genannt, ist mit einem Schrittmacher vergleichbar, es beendet auftretende Rhythmusstörungen automatisch durch Stromimpulse und verhindert einen drohenden Herzstillstand. Normalerweise kommen die Träger solcher Implantate alle drei Monate zur Nachkontrolle in die Klinik, so Piorkowski, Leitender Arzt der Abteilung für Invasive Elektrophysiologie: Doch weil diese Patientin in Brasilien lebt, haben wir ihr eine Übertragungseinheit mitgegeben, mit der die Überwachung ihres Gesundheitszustands und der Gerätefunktion auch über große Distanzen hinweg funktioniert.

Dem Notfall zuvorkommen

Telemonitoring — die Fernüberwachung von Patienten mit Implantaten wie Herzschrittmacher, Defibrillatoren oder EKG-Rekorder — diente ursprünglich vor allem der technischen Gerätekontrolle. Inzwischen sind die Implantate aber so « intelligent » geworden, dass sie mittels Sensoren nicht nur sich selbst, sondern auch Vitalparameter wie die Herzfrequenz, den Blutdruck oder die Atemfrequenz des Patienten überwachen können — rund um die Uhr und « just in time ». Was vor wenigen Jahren wie Science-Fiction klang, ist heute klinische Realität. Kürzlich hat Piorkowski erstmals einen neuartigen EKG-Chip implantiert, der so winzig ist, dass er mit einer Spritze unter die Haut in die Brust des Patienten injiziert wird. Dieser Minirekorder zeichnet nun pausenlos den Herzrhythmus auf und überträgt die Messdaten über eine Sendestation in festgelegten Intervallen an das Herzzentrum. Sobald der « elektronische Schutzengel » auf dem häuslichen Nachttisch des Patienten auffällige Werte sendet, erhalten die Kardiologen Rückmeldung und vereinbaren kurzfristig einen Termin in der Klinik. « Wir erkennen an den Aufzeichnungen zum Beispiel die Vorzeichen eines Schlaganfalls oder Hinweise auf ein gefährliches Kammerflimmern », erklärt Piorkowski. « Davon profitieren zum Beispiel Patienten mit Verdacht auf seltene Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern oder unklare Ohnmachtsanfälle. » Auch bei schwerer Herzinsuffizienz werden in manchen Fällen Defibrillatoren oder kardiale Resynchronisierungssysteme implantiert, die sowohl den Herzschlag überwachen als auch den Gesundheitszustand der Erkrankten laufend kontrollieren. Die Miniwächter liefern neben dem Herzfrequenzprofil oder den Blutdruckwerten inzwischen sogar Hinweise auf die Entstehung von Lungenödemen. Das Bestechende an der Telemonitoring-Nachsorge: Sie erfasst diese biologischen Warnsignale, bevor der Patient überhaupt erst merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und die Ärzte können der Verschlechterung der Krankheit rechtzeitig zuvorkommen, etwa durch Anpassung der Medikamente Das medizinische Frühwarnsystem zeigt nachweislich Wirkung: Laut einer neuen Studie haben telemedizinisch betreute Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz und einem implantierten Defibrillator nicht nur einen stabileren Krankheitsverlauf, sondern ihre Erkrankung endet auch wesentlich seltener tödlich.

Günstigere Prognosen, mehr Sicherheit, verbesserte Lebensqualität — für Herzpatienten mit implantierten Aggregaten ist Telemonitoring eine effiziente und wirksame Betreuungsoption. Doch läuft die technische Fernüberwachung nicht Gefahr, zum Beziehungskiller zwischen Arzt und Patienten zu werden? Ganz im Gegenteil, meint Piorkowski: « Wenn das Telemonitoring im klinischen Alltag konsequent und verlässlich umgesetzt wird, dann intensiviert sich das Arzt-Patienten-Verhältnis sogar. » Zum Beispiel bei einem seiner Patienten, dessen EKG-Rekorder außergewöhnlich oft Störsignale sendete. Nach etlichen Telefonaten konnten Arzt und Patient die « Störenfriede » ausfindig machen — glücklicherweise nicht im Herzen des Patienten, sondern in seinem Radiowecker und seinen Kühlschrankmagneten. Jetzt ist der Rekorder nachjustiert, und alle können wieder ruhig schlafen. Offenbar bleibt der Kontakt von Mensch zu Mensch trotz aller technischen Errungenschaften in der Medizin unersetzlich.

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