17. Januar 2014 von Dr. med. Thomas Noesselt in Sprechstunde
© Sana Klinikum Hameln-PyrmontInterdisziplinär abgestimmte Therapien der Harninkontinenz im Beckenbodenzentrum Hameln
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Kleine OPs, große Wirkungen

Interdisziplinär abgestimmte Therapien der Harninkontinenz

Belastungsinkontinenz trifft jede dritte bis vierte Frau über 50 Jahren. Das zertifizierte Beckenbodenzentrum in Hameln therapiert erfolgreich interdisziplinär.

Die Belastungsinkontinenz der Frau trifft jede dritte bis vierte Frau über 50 Jahren. Häufig sind damit weitere Störungen des Beckenbodens vergesellschaftet, wie eine Drangstörung der Blase, eine Genitalsenkung oder Enddarmstörungen. Diese werden in einem zertifizierten Beckenbodenzentrum interdisziplinär abgeklärt, bewertet und eine abgestimmte Therapie veranlasst.

Die Belastungsinkontinenz tritt häufig zunächst schleichend mit tröpfchenweisem Urinverlust bei starken Belastungen, wie Husten, Niesen, Sport oder auch beim Geschlechtsverkehr auf. Insbesondere wenn im Rahmen der Wechseljahre die eigenen weiblichen Geschlechtshormone nachlassen, wird die Dichtigkeit der Harnröhre weiter geschwächt, so dass auch bei kleineren und mittleren Belastungen, wie Heben, Gehen oder Laufen, Urinabgang auftritt.

Spätestens wenn sich eine Frau in ihrem Alltag eingeschränkt fühlt und bestimmte Tätigkeiten nicht mehr sicher durchführen kann, sollte eine urogynäkologische Abklärung erfolgen, um die notwendigen Therapieschritte einzuleiten.

Günstiger wäre es jedoch, schon frühzeitig auf die drohenden Inkontinenzbeschwerden präventiv Einfluss zu nehmen, z. B. wenn im Rahmen einer Schwangerschaft oder nach einer Geburt unter den o. g. Belastungssituationen Urin abgeht oder sich bereits eine Senkung der Gebärmutter oder Blase andeutet. Dann wäre es der geeignete Zeitpunkt, durch sekundär präventive Maßnahmen eine spätere manifeste Belastungsinkontinenz zu verhindern oder zu mindestens abzumildern. Dazu steht ein spezifisches Beckenbodentrainingsprogramm unter physiotherapeutischer Leitung im Vordergrund.

Wenn eine Belastungsinkontinenz klinisch und urodynamisch nachgewiesen wurde und mit dem zunächst beginnenden Beckenbodenprogramm nicht mehr ausreichend behandelt werden konnte, stehen weitere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

Zur Behandlung der reinen Belastungsharninkontinenz ohne zusätzliche Senkungsproblematik hat sich als Goldstandard die sogenannte TVT-Operation (Tension free Vaginal Tape) etabliert. Das TVT wird in einem kurzstationären Aufenthalt in Lokalanästhesie plus Analgosedierung* durchgeführt. Am ersten postoperativen Tag wird die Fähigkeit zur Miktion, d. h. zur Entleerung der Harnblase, und die Dichtigkeit geprüft sowie kontrolliert, ob keine Blutergüsse im OP-Bereich oder andere Komplikationen, die insgesamt sehr selten sind, eingetreten sind.

Nach einer sehr kurzen Schonungsphase können die Patienten in ihre gewohnte häusliche Umgebung und auch Berufstätigkeit entlassen werden. Lediglich schwere körperliche Belastungen und Geschlechtsverkehr werden in den ersten 4 Wochen vermieden.

Darüber hinaus gibt es für alte Patienten oder Rezidivfälle die Möglichkeiten einer intraurethralen, d. h. innerhalb der Harnröhre gelegenen Geleinspritzung zur Abdichtung der Harnröhre oder andere aufwändigere Inkontinenzverfahren, wie die Kolposuspension nach Burch oder andere Zügelplastiken.

Bei kombinierten urologischen, gynäkologischen und proktologischen Störungen werden die Therapien dann in der Beckenbodenkonferenz abgestimmt und gemeinsam vorgenommen.

Durch die individualisierte und abgestimmte Therapie können Belastungsinkontinenzen in 85% der Fälle dauerhaft und suffizient therapiert werden. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Altersentwicklung der Bevölkerung ist es wichtig, auch das Thema „Altersurologie“ mit den spezifischen Anforderungen an noch mehr Fachgebiete weiterzuentwickeln. Dieses wird über die Beckenbodenzentren koordiniert.

*Als Analgosedierung bezeichnet man die medikamentöse Schmerzausschaltung (Analgesie) bei gleichzeitiger Beruhigung (Sedierung).

Adresse

Sana Klinikum Hameln-Pyrmont
Saint-Maur-Platz 1
31785 Hameln