27. November 2013 von Dr. med. Florian Lepique in Sprechstunde
© Sana-Klinikum RemscheidSana-Klinikum Remscheid
© Sana-Klinikum Remscheid

Schaufensterkrankheit

Wenn jeder Schritt Schmerzen verursacht!

Was umgangssprachlich als „Schaufensterkrankheit“ bekannt ist und harmlos klingt, ist in Wirklichkeit eine schwere Durchblutungsstörung der unteren Extremitäten

Der Betroffene hat beim Gehen starke, krampfartige Schmerzen vorwiegend in den Waden. Die Gehstrecke muss unterbrochen werden, um sich so ein wenig Ruhe und Entspannung zu verschaffen, dies zum Beispiel durch Verweilen vor den Schaufenstern.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie leiden in Deutschland circa 4,5 Millionen Bürgerinnen und Bürger unter der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK).

Ursachen und Risikofaktoren

Die Krankheit verläuft zunächst ohne Symptome, da die Ursache ein schleichender Verschluss einer Arterie ist. Überwiegend sind hiervon die Arterien der unteren Extremitäten betroffen. Zu den Hauptrisikofaktoren zur Entstehung einer Arteriosklerose zählen:

–          Rauchen,

–          Zuckerkrankheit,

–          Bluthochdruck und

–          Fettstoffwechselstörungen.

Oftmals wird die Krankheit erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt, da die ersten Anzeichen nicht ernst genommen werden. Erst, wenn die Schmerzen beim Gehen oder sogar im Ruhezustand auftreten, gehen die Betroffenen zum Arzt. Aber nicht nur die Waden können von der Verengung der Arterie betroffen sein, je nachdem, wo die Verengung vorliegt, können die Schmerzen auch im Oberschenkel, im Gesäß oder im Fuß auftreten.

Nach Fontaine kann man die Schaufensterkrankeit in vier verschiedene Stadien unterteilen:

  • Stadium I: Es liegen keine Beschwerden vor (asymptomatische pAVK).
  • Stadium II: Beschwerden beim Gehen (Claudatio intermittens)
    • bei Gehstrecke > 200 Meter (Stadium IIa)
    • bei Gehstrecke < 200 Meter (Stadium IIb)
  • Stadium III: Ruheschmerzen
  • Stadium IV: Absterben des Gewebes (Nekrose). Kleine Wunden heilen nicht mehr ab.

Ab Stadium III und IV besteht unmittelbare Amputationsgefahr. (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin)

Diagnose und Therapie

Um eine Diagnose zu erstellen, ertastet der Arzt als Erstes den Puls in den Leisten und Kniekehlen und an den Füßen. Ebenso wird der Blutdruck mit einer Blutdruckmanschette und einer Dopplersonde an den Oberarmen und an den Fußknöcheln gemessen. Zu einer vertiefenden Diagnostik gehören Ultraschalluntersuchungen und Röntgenuntersuchungen der Beinarterien mit Kontrastmitteln.

Im Anfangsstadium der Schaufensterkrankheit kann mit Medikamenten die Durchblutung gefördert werden. Wichtig ist es natürlich auch, die Risikofaktoren weitestgehend zu minimieren, das heißt, kein Nikotinkonsum, gesunde Ernährung und ausreichend viel Bewegung. Im fortgeschrittenen Stadium lässt sich meist ein operativer Eingriff nicht verhindern. Hierzu bieten sich in der Gefäßchirurgie verschiedene Methoden, wie zum Beispiel die Gefäßaufdehnung mit oder ohne Stent (Metallgitter), die Kalkausschälung und Erweiterungsplastik und der Bypass an. Die geeignete Behandlungsmethode wird individuell auf den jeweiligen Betroffenen abgestimmt. Aber auch hier gilt: Nach erfolgter OP müssen die Risikofaktoren minimiert werden.

Adresse

Sana-Klinikum Remscheid
Burger Str. 211
42859 Remscheid