© Thinkstock / iStockphotoDurchblutungsstörungen in den Beinen, also die so genannte Schaufensterkrankheit, macht sich zunächst durch Schmerzen bemerkbar, die beim Laufen oder Treppensteigen schlimmer werden.
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Arteriosklerose und Gefäßverengungen

Wie kann man seine Gefäße schützen? Es informiert Prof. Billing, Chefarzt der Gefäßchirurgie am Sana Klinikum Offenbach

Gefäßerkrankungen werden weiterhin unterschätzt, doch sie sind immer noch Todesursache Nr. 1. Wie schütze ich mich und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei Gefäßerkrankungen unterscheidet man zwischen Erkrankungen der Venen und denen der Arterien, wobei letztere weit häufiger und schwerwiegender sind. Die Arterien (Schlagadern) leiten das von der Lunge mit Sauerstoff angereicherte Blut, angetrieben von der „Pumpe“ Herz, in Organe und Gewebe. Bei Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) werden Organe bzw. Beine oder Arme nicht mehr ausreichend mit Blut, also Sauerstoff und Nährstoffen, versorgt. Es kommt zu Schmerzen und im schlimmsten Fall zum Absterben von Gewebe. Sehr häufig sind solche Gefäßverkalkungen im Bein- und Beckenbereich zu finden (periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), genannt „Schaufensterkrankheit“).

Beschwerden verschlimmern sich bei Belastung

Durchblutungsstörungen in den Beinen, also die so genannte Schaufensterkrankheit, macht sich zunächst durch Schmerzen bemerkbar, die beim Laufen oder Treppensteigen schlimmer werden. Bei Belastung reicht die Kapazität der verengten Arterien nicht mehr aus, so dass es zu Beschwerden kommt. Am Anfang ist dies nur bei starker Belastung der Fall. Bei zunehmender Erkrankung verringert sich die Leistungsfähigkeit des Patienten immer mehr, bis er schließlich auch in der Ruhe Schmerzen empfindet. So weit darf man es nicht kommen lassen, denn es gibt wirksame Gegenmaßnahmen.

80 Prozent der pAVK-Patienten haben ein oder zwei Risikofaktoren

Arterielle Durchblutungsstörungen sind in den allermeisten Fällen die Folge einer fortschreitenden Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Hierbei werden Fette und Kalk in die Arterienwand eingelagert. Die Risikofaktoren sind mittlerweile gut bekannt: Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, Übergewicht, hohe Blutfettwerte und Bewegungsmangel begünstigen die Entstehung einer Arteriosklerose. Studien haben ergeben, dass über 80 Prozent der pAVK-Patienten einen oder zwei dieser Risikofaktoren haben. Doch auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Betroffen sind in der Regel Menschen ab dem 50. Lebensjahr – Männer wesentlich häufiger als Frauen.

Wichtig: Arteriosklerose frühzeitig erkennen

Eine bestehende Arteriosklerose ist zwar nicht rückgängig zu machen, das Fortschreiten kann aber gestoppt oder zumindest erheblich verlangsamt werden. Dazu ist es aber wichtig, sie so früh wie möglich zu erkennen. Nur etwa 20 Prozent der Patienten haben im Frühstadium der pAVK-Beschwerden. Die Diagnose ist deshalb von Bedeutung, weil bei einer pAVK gerne auch eine Herzkranzgefäßverengung vorliegt. Daher sollte insbesondere bei Männern ab dem 60. Lebensjahr ein Gefäßcheck zum normalen Gesundheits-Check-up gehören. Eine beginnende pAVK lässt sich sehr leicht durch eine Druckmessung am Fuß, den ABI, abklären. Weitere Aufschlüsse ergibt dann eine Ultraschalluntersuchung.

Nicht immer ist gleich ein Eingriff notwendig

Liegt eine Gefäßverengung in den Beinen vor, kann diese durch den Gefäßspezialisten beseitigt werden. Heute geschieht das meist „endovaskulär“, d. h. ferngesteuert von innen über Ballonkatheter. Doch nicht immer muss es gleich ein Eingriff sein. Im Frühstadium kann es ausreichen, die Risikofaktoren in den Griff zu bekommen: mit dem Rauchen aufhören und Blutdruck, Blutzucker, Fett- und Harnsäurewerte konsequent in den Normalbereich einstellen. Mehr Bewegung ist extrem wichtig. Regelmäßiges, konsequentes und intensives Gehtraining kann mehr bewirken als manches Medikament. Allerdings sollte das Training mit dem Arzt abgestimmt werden. Unterstützt wird die Therapie durch Medikamente: durchblutungsfördernde Substanzen und Gerinnungshemmer. Da die Erkrankung nicht nur die Beine betrifft, sondern den gesamten Körper, haben pAVK-Patienten ein hohes Herzinfarktrisiko. Daher wird die lebenslange Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) und eines Fettsenkers empfohlen.

Das empfiehlt der Experte:

  • bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen zum Arzt gehen und durch Gefäßspezialisten abklären lassen.
  • Insbesondere Diabetiker, Raucher und Menschen mit familiärem Risiko sollten sich regelmäßig die Gefäße checken lassen.
  • Regelmäßige Bewegung beugt vor und kann eine bestehende pAVK aufhalten.
  • konsequent die Risikofaktoren in den Griff bekommen
  • Bei festgestellter pAVK unbedingt auch Herzkranzgefäße und Halsschlagader checken lassen – Arteriosklerose ist eine Ganzkörpererkrankung
 

Prof. Dr. med. Arend Billing ist Chefarzt der Gefäßchirurgie am Sana Klinikum Offenbach. Der endovaskuläre Spezialist mit langjähriger Erfahrung u. a. in der Aortenchirurgie, Bypasschirurgie sowie insbesondere in den interventionellen Techniken baute das Gefäßzentrum Offenbach auf, das 2007 als erstes Gefäßzentrum Südhessens die Zertfizierung erhielt. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die minimal-invasiven Techniken einschließlich Aortenstentgraft und der umfassenden Behandlung der Schaufensterkrankheit.

Adresse

Sana Klinikum Offenbach GmbH
Starkenburgring 66
63069 Offenbach