11. November 2013 von Dr. med. Hubert Topp in Sprechstunde
© Thinkstock/iStockDas wichtigste Ziel in der Behandlung akuter Durchblutungsstörungen am Herzen ist die Erkenntnis bei den Patienten, dass sie bei Brustschmerzen sofort telefonisch Hilfe über einen Notarzt anfordern.
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Herzinfarkt

Die akute und lebensbedrohliche Durchblutungsstörung am Herzen

Die akute Koronarischämie hat eine entscheidende Bedeutung für die Kardiologie in der heutigen Zeit in der Behandlung solcher Erkrankungen.

Die akute Koronarischämie – die Herzdurchblutungsstörung – hat die Entwicklung lokaler Herzkatheter-Labore vorangetrieben, um Patienten wohnortnah erfolgreich in vorgegebenen Zeitfenstern behandeln zu können.

Der Ursprung der Erkrankung liegt in der Entwicklung sogenannter atherogener Plaques, d. h. Veränderungen, die durch Fettablagerungen und spezielle degenerative Prozesse in der Gefäßwand ausgelöst werden. Diese Prozesse können zum Teil auch als Entzündungsreaktionen erkannt werden. Die Entstehung der atherosklerotischen Herzerkrankung ist eng verbunden mit familiärer Disposition (Auftreten von Myokardinfarkten in der Familie), arterieller Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes Mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen.

Die Symptomatik eines akuten koronaren Ischämie-Syndroms beinhaltet typische Schmerzen im Oberkörper – hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in den linken Arm – verbunden mit vegetativer Symptomatik, wie Übelkeit. Sie kann jedoch auch mit völlig untypischer Symptomatik einhergehen. Wie aus Auswertungen von Brustschmerzeinheiten hervorgeht, weisen 25 % aller Patienten mit Durchblutungsstörungen am Herzen nur Luftnot auf, besonders bei Frauen ist dieses Symptom dominierend und wird deshalb häufig nicht als bedrohliche Situation erkannt.

Bei einer feingeweblichen Untersuchung findet sich in der Regel ein Riss einer kleinen, unauffälligen atherosklerotischen Plaque mit daraus resultierendem Verschluss der Koronararterie durch einen Thrombus (Blutpfropf).

Die optimale Behandlung des Gefäßverschlusses ist dessen frühe Beseitigung mit Ballondehnung, Stent-Implantation, eventuell verbunden mit der Thrombusabsaugung durch spezielle Aspirationskatheter, mit der ein solches Gerinnsel aus der Herzkranzarterie abgesaugt werden kann.

Besondere Zugangsformen für die dazu notwendigen Katheter, wie der radiale Zugang über eine kleine Arterie über dem Handgelenk, haben sich hier als vorteilhaft erwiesen. Dazu benötigt die Klinik jedoch – so wie bei uns vorhanden – eine spezielle Behandlungseinheit, den Linksherzkatheter-Messplatz.

Für Patienten, für die diese Therapie aufgrund fehlender apparativer Ausstattung in Wohnortnähe nicht zur Verfügung steht, kann immer noch die Lysetherapie (medikamentöse Auflösung eines Blutgerinnsels) als Alternative mit oft gutem Erfolg eingesetzt werden.

Neben dem sogenannten ST-Hebungsinfarkt (die ST-Strecke ist ein Kurvenabschnitt des Elektrokardiogramms und als ST-Hebung bezeichnet man eine Anhebung der ST-Strecke im EKG über die isoelektrische Linie), der einen Verschluss der Koronararterie signalisiert, gibt es noch den Nicht-ST-Hebungsinfarkt, dem ein etwas anderer Mechanismus zugrunde liegt. Es ist ein Infarkt ohne eindeutige EKG-Zeichen, so dass man die Diagnose nur durch die angegebenen Beschwerden, Laborwerte und Herzkatheter stellen kann. Hier spielt für die Risikoverminderung die Bestimmung des Troponins eine entscheidende Rolle im klinischen Alltag. Dies ist ein Stoff, der bei gefährlichen Durchblutungsstörungen am Herzen im Blut nachweisbar ist und signalisiert, dass eine Herzkatheter-Untersuchung in den nächsten Stunden durchgeführt werden sollte. Die Behandlung ist die gleiche wie beim ST-Hebungsinfarkt.

Um Brustschmerzpatienten gezielt und schnell behandeln zu können, haben sich sogenannte Brustschmerzeinheiten (CPU) in einigen Krankenhäusern etabliert. Hier werden die Patienten speziell überwacht und einer raschen endgültigen Diagnose zugeführt. Alle dazu erforderlichen Strukturkomponenten, wie bauliche Gegebenheiten, Diagnostikmöglichkeiten und vor allem geschultes und erfahrenes Personal, halten wir in unserer Klinik vor. Hier werden bereits seit 1996 alle akuten Durchblutungsstörungen rund um die Uhr an 7 Tagen in der Woche behandelt. Eine optimale Vorgehensweise, die sich auch in der Sterblichkeit bei akutem Herzinfarkt positiv ausgewirkt hat. Das haben zahlreiche Studien bestätigt.

Wir behandeln in der Kardiologischen Klinik des Sana Klinikums Hameln-Pyrmont im Jahr etwa 330 Patienten – also nahezu täglich – mit akuten Durchblutungsstörungen am Herzen, 1/3 davon hat einen akuten Verschluss, 2/3 einen drohenden Herzinfarkt. In 95% der Fälle kann das Gefäß erfolgreich behandelt werden.

Das wichtigste Ziel in der Behandlung akuter Durchblutungsstörungen am Herzen ist die Erkenntnis bei den Patienten, dass sie bei Brustschmerzen sofort telefonisch Hilfe über einen Notarzt anfordern. Denn der Zeitgewinn heißt frühzeitige Behandlung und damit den eintretenden Infarkt so klein wie möglich halten, um auch den plötzlichen Herztod, der bei Gefäßverschlüssen am Herzen früh eintreten kann, zu verhindern.

Adresse

Sana Klinikum Hameln-Pyrmont
Akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover
Saint-Maur-Platz 1
31785 Hameln