5. September 2013 von Dr. med. Wolfram Seidel in Sprechstunde
© Sana Kliniken SommerfeldIn der Praxis der Hausärzte klagt jeder vierte Patient und in der orthopädischen Praxis jeder zweite Patient über Rückenprobleme.
© Sana Kliniken Sommerfeld

Manuelle Medizin

Eine Chance für Schmerzpatienten

Schmerzerkrankungen des Bewegungssystems sind zum Volksleiden Nr. 1 geworden. Es helfen die Manuelle Medizin und die Spezialisten der Sana Kliniken Sommerfeld.

Im deutschsprachigen Raum klagt jeder Dritte über Rückenschmerzen. Sie sind sogar der häufigste Grund für Krankenhauseinweisungen. In der Praxis der Hausärzte klagt jeder vierte Patient und in der orthopädischen Praxis jeder zweite Patient über Rückenprobleme.

Schmerzentstehung als multifaktorielles Geschehen
Während akute Schmerzen in der Regel durch Funktionsstörungen oder Verletzungen am Bewegungssystem verursacht werden, sind in der Entstehung und Aufrechterhaltung chronischer Schmerzen psychische und soziale Faktoren maßgeblich beteiligt. Sie sind multifaktoriell bedingt.

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass die Ursachen für die lang anhaltende bzw. chronische Schmerzerkrankung nicht allein die Arthrose, der Bandscheibenvorfall oder die Entzündung sind. Heute ist erwiesen, dass diese strukturellen Schäden nur bei fünf bis zehn Prozent der Patienten als Hauptgrund für den aktuell vorhandenen Schmerz anzusehen sind.

Die Schmerzwahrnehmung ist eine Leistung unseres Gehirns. Ein Reiz im Körper wird durch Sensoren (Rezeptoren) vor Ort in ein elektrisches Signal umgewandelt und über Nervenbahnen und das Rückenmark an das Gehirn weitergeleitet. Hier wird das Signal bewertet und kann als Schmerz wahrgenommen werden. Wird ein Reiz als Schmerz bewertet, führt er nicht nur zu der Wahrnehmung „Schmerz“, sondern ist normalerweise mit einer emotionaler Reaktion, einem Gefühl (z. B. Angst) verbunden.

Ob ein Reiz zur Auslösung eines Schmerzerlebens führt, hängt neben der Reizstärke und Reizdauer unter anderem auch davon ab, wie die Stimmungslage ist, ob man erholt ist oder erschöpft, müde oder ausgeschlafen, ob man durch Konflikte oder Ängste im privaten oder beruflichen Umfeld belastet ist oder nicht. Diese und viele weitere Faktoren beeinflussen die Schmerzempfindlichkeit. Daraus erklärt sich, warum ein Mensch einen Reiz schmerzhaft empfindet und ein anderer nicht.

Schließlich wirken sich seelische Faktoren, wie Stress, persönliche und berufliche Sorgen, selbstverständlich auch auf unser Bewegungssystem aus. Die unmittelbare Folge ist eine Zunahme der Muskelspannung, z. B. in der Schulter-Nackenregion.

Zu einer effektiven Behandlung von Schmerzen gehört zunächst die Identifizierung der an dem Schmerz beteiligten Faktoren.

Auf das Bewegungssystem bezogen finden sich Funktionsstörungen von Gelenken, Muskeln und Bindegewebe, aber auch Störungen der Bewegungsabläufe und der Koordination. Eine Schlüsselrolle hat dabei die Muskulatur. Diese Funktionsstörungen selbst gehen mit Schmerzen einher, die sehr heftig und auch anhaltend sein können.

Unterschiedliche Muskelbefunde  Trigger-Punkte, Verspannungen, Verkürzungen, Abschwächung einzelner Muskeln  führen zu einem Muskelungleichgewicht (Dysbalance). Die Muskel-Dysbalance wiederum hat Fehlbelastungen bzw. Überlastung von Gelenken, Muskeln, der Wirbelsäule oder auch der Bandscheiben zur Folge. Wieder werden Schmerzrezeptoren gereizt, daraus resultiert eine erneute Zunahme der Muskelspannung. Mit diesem Geschehen ist ein Teufelskreis in Gang gesetzt, der einerseits Strukturerkrankungen, wie die Arthrose oder den Bandscheibenschaden fördert und begünstigt, und andererseits zur Verstärkung und Ausbreitung der schmerzhaften Funktionsstörungen führt.

Die gezielte Untersuchung und darauf aufbauend auch die Behandlung der Funktionsstörungen sind Gegenstand des Fachgebietes Manuelle Medizin. Der Arzt untersucht mit seinen Händen die Körperhaltung, Bewegungsabläufe, Gelenkfunktionen, den Muskelspannungszustand, Trigger-Punkte in der Muskulatur, Schmerzpunkte und Spannungsveränderungen an Bändern und weiteren Geweben.

Akute Krankheitszustände lassen sich nach gezielter Untersuchung durch spezielle manualmedizinische Techniken an den Muskeln und an den Gelenken rasch beheben, so dass nach Anwendung manualmedizinischer Handgriffe durch den Arzt oder speziell ausgebildeten Therapeuten eine rasche Schmerzlinderung und Normalisierung der Beweglichkeit erreicht werden kann.

Warum aber kommt es bei vielen Patienten zu wiederholten Schmerzattacken oder sogar zur chronischen Rückenschmerz- bzw. Gelenkerkrankung?
Ein Grund dafür kann sein, dass die Bewegungsabläufe und die Muskelkoordination im Alltag trotz der zunächst erfolgreichen Behandlung der schmerzhaften Funktionsstörungen nicht verändert haben und sich die schmerzhaften Funktionsstörungen wieder aufbauen.

Besonders wichtig sind die oben erwähnten seelischen und sozialen Faktoren, die an dem Schmerzgeschehen beteiligt sind. Werden diese in der Behandlung außer Acht gelassen, kann insbesondere bei chronischen Schmerzen die rein körperliche Behandlung auf Dauer unwirksam sein oder sogar zur weiteren Schmerzchronifizierung führen.

Ein weiterer Aspekt der Entstehung einer chronischen Erkrankung sind die Folgen der körperlichen Schonung aufgrund der Schmerzen. Es folgt eine zunehmende Schwächung des Muskelsystems, aber auch des Herz-Kreislaufsystems. Man spricht dann von Dekonditionierung. Dies führt dazu, dass das Bewegungssystem den alltäglichen Belastungen nicht mehr gewachsen ist und auf diese mit Schmerzen reagiert.

Die beschriebenen Fakten zeigen, dass Schmerzerkrankungen am Bewegungssystem verschiedene Ursachen haben. Chronischer Rückenschmerz ist multifaktoriell bedingt. Neben den körperlichen Ursachen wie Entzündungen, Arthrose, Bandscheibenvorfall, Wirbelgleiten und den beschriebenen manualmedizinisch zu untersuchenden Funktionsstörungen müssen die seelischen und sozialen Einflussfaktoren auf das Schmerzempfinden beachtet werden.

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich für die Behandlung?

  • Eine gezielte Behandlung bedarf der umfassenden Untersuchung. Neben orthopädischer, neurologischer und apparativer Untersuchung wie Röntgen ist die manualmedizinische Diagnostik erforderlich. Selbstverständlich müssen psychologische Einflussfaktoren auf das Schmerzempfinden untersucht werden.
  • Die gezielte Behandlung beinhaltet unterschiedliche Therapieverfahren. Sie ist einerseits individuell auf den Patienten zugeschnitten und andererseits eine Komplexbehandlung. Die Manuelle Therapie ist sowohl auf Einzelbefunde, wie Blockierungen und Trigger-Punkte ausgerichtet als auch auf die Beeinflussung der schmerzerhaltenden Fehlhaltung, Fehlbelastung der Gelenke und der Muskel-Dysbalance sowie Koordination und Bewegungsabläufe. Dazu dienen manualmedizinisch ausgerichtete Krankengymnastik- und Trainingstherapieformen. Weitere Bestandteile der Komplexbehandlung sind Medikamente, Injektionsbehandlungen, Physiotherapieverfahren, psychologische Schmerztherapie, Entspannungsverfahren und spezielle Naturheilverfahren.
  • Alle Therapieinhalte dienen dem Ziel, den Teufelskreis der Schmerzchronifizierung zu durchbrechen.
  • An dieser Stelle sei betont, dass die aktive und interessierte Mitarbeit des Patienten notwendig für den Erfolg der Behandlung ist. Ebenso wichtig ist die konsequente Umsetzung der Eigenübungen in der Häuslichkeit als wichtigste Voraussetzung für einen anhaltenden Therapieerfolg.
  • Die manualmedizinisch orientierte Komplexbehandlung ist möglich, wenn hochspezialisierte Ärzte, Schwestern, Psychologen, Therapeuten unterschiedlicher Berufsgruppen in einem interdisziplinären Team eine Diagnose stellen, den Patienten ausführlich informieren, gemeinsam mit ihm ein Ziel besprechen und die einzelnen Therapieverfahren individuell angewandt werden.

Der zufriedene Patient
Dieser Aufgabe haben sich seit über 25 Jahren die Mitarbeiter der Klinik für Manuelle Medizin der Sana Kliniken Sommerfeld gestellt. Die Klinik hat sich als Fachklinik für Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen über die Ländergrenzen Berlin und Brandenburg hinaus einen Namen gemacht. Aufgrund des großen Bedarfes stehen für die Behandlung ab 2013 zusätzliche Krankenhausbetten, insgesamt 130, zur Verfügung. In diesem Jahr können mehr als 2.700 Patienten behandelt werden.

Den Patienten mit Schmerzerkrankungen wird ein ganzheitliches Untersuchungs- und Behandlungskonzept unter Berücksichtigung modernster wissenschaftlicher Erkenntnisse zuteil.
Ganzheitliches Denken und Arbeiten bedeuten für uns:
Untersuchung aller körperlichen, psychologischen und sozialen Einflussfaktoren,
Berücksichtigung der individuellen Erfordernisse des Patienten,
aktive Einbeziehung des Patienten in seine Behandlung – er wird sein eigener Experte,
enge Kooperation mit der Klinik für Operative Orthopädie (Gelenk- und Wirbelsäulenchirurgie) und der Rehabilitationsklinik in Sommerfeld,
bei chronischen Erkrankungen: Erarbeitung eines langfristiges Behandlungskonzeptes,
enge Zusammenarbeit und Abstimmung der Behandlungsstrategie mit den weiterbehandelnden Ärzten.

Weitere Beiträge von Dr. med. Wolfram Seidel, die bereits im Sana Blog veröffentlicht wurden:

<strong>Im Tal der Schmerzen</strong>
http://sprechende-medizin.com/2012/12/03/im-tal-der-schmerzen/
<strong>Akuter Schmerz</strong>
http://sprechende-medizin.com/2012/12/07/akuter-schmerz/
<strong>Chronischer Schmerz</strong>
http://sprechende-medizin.com/2012/12/07/chronischer-schmerz/
<strong>Schmerz, lass nach!</strong>
http://sprechende-medizin.com/2012/12/10/schmerz-lass-nach/
<strong>Sommerfelder Diagnostik</strong>
http://sprechende-medizin.com/2012/12/13/sommerfelder-diagnostik/
<strong>Sommerfelder Therapie</strong>
http://sprechende-medizin.com/2012/12/13/sommerfelder-therapie/

Adresse

Sana Klinken Sommerfeld
Waldhausstr. 44
16766 Kremmen