© iStockphoto/ThinkstockHerzinfarkt ist keineswegs nur Männersache.
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Herzinfarkt: bei Frauen anders

Das hohe Herzinfarktrisiko bei Frauen – dazu informiert Prof. Klepzig vom Sana Klinikum Offenbach

Herzinfarkt ist keineswegs nur Männersache. Seit 2002 stehen in Deutschland auch bei Frauen Herzinfarkt und Schlaganfall auf Platz 1 der Todesursachen.

In mancher Hinsicht sind Frauen sogar noch mehr gefährdet als Männer, denn: Frauen fürchten sich vor Krebs, vor Herzinfarkt fühlen sie sich dagegen relativ sicher. Daher deuten sie die Symptome falsch. Zudem zögern viele Frauen aus falscher Rücksichtnahme, im Notfall den Arzt zu rufen. Daher wird ein Infarkt bei ihnen später oder gar nicht entdeckt, so dass sie ein hohes Risiko eingehen.

Infarkt gewöhnlich erst im höheren Lebensalter

Erschwerend kommt bei Frauen hinzu, dass der Herzinfarkt bei ihnen erst im höheren Lebensalter auftritt. Durch ihre Hormone sind sie 10 Jahre länger geschützt als Männer: Infarktpatientinnen unter 60 Jahren sind eine große Ausnahme. Dazu zählen eigentlich nur Frauen mit besonderen Risiken, wie Zigarettenrauchen oder Zuckerkrankheit. Am schlimmsten ist es, wenn diese Frauen auch noch die „Pille“ nehmen. Das bedeutet, dass Frauen bei ihrem ersten Infarkt häufig kränker sind als Männer – einfach, weil sie älter sind und daher oft weitere Erkrankungen vorliegen. Hierdurch sind die Reserven geringer, eine schwere Krankheit zu überstehen.

Oft untypische Symptome

Dem Herzinfarkt geht eine häufig und schleichend eintretende Aderverstopfung (Arteriosklerose) voraus (koronare Herzkrankheit). Das Problem dabei ist, dass die zum Herz führenden Gefäße verengt werden, was zu verminderter Durchblutung führt. Diese macht sich für den Patienten durch Druck und Engegefühl in der Brust bemerkbar, zunächst nur bei großer körperlicher (und seelischer) Belastung, Kälte oder nach üppigen Mahlzeiten. Während bis zu 70 % der Männer vor ihrem Infarkt über diese Beschwerden klagen, stehen in diesem Stadium bei Frauen sehr oft unspezifische Symptome im Vordergrund: Abgeschlagenheit, körperliche Schwäche, Kurzatmigkeit, Schlafstörungen und manchmal auch Beschwerden im Oberbauch. Nahe liegt, dass solche Beschwerden auch vom Arzt falsch gedeutet werden, so dass die Patientin dann auf Krankheiten mit ähnlichen Symptomen, wie z. B. Gallensteine, behandelt wird. Auch der Herzinfarkt selbst, dem dann ein kompletter Aderverschluss zugrunde liegt, äußert sich oft anders als beim Mann. Während die meisten Männer neben Druck- und Engegefühl in der Brust über starken Vernichtungsschmerz klagen, erschweren bei Frauen untypische Symptome, wie Rückenschmerzen, Übelkeit, Schweißausbruch und Erbrechen, die Diagnose.

Warnzeichen ernst nehmen – umgehend den Notarzt rufen

Der Experte rät daher allen Frauen, sich eingehend über das Thema Herzinfarkt zu informieren und sich bei unklaren Beschwerden, wie anhaltender Müdigkeit, Leistungsschwäche und Kurzatmigkeit, auch auf eine Herzkranzgefäßverengung hin untersuchen zu lassen. Wesentlichen Aufschluss gibt bereits ein Ruhe- und Belastungs-EKG (Elektrokardiogramm). Bei Auffälligkeiten im Belastungs-EKG sollte weiterführende Diagnostik mittels Stressechokardiographie oder Myokardszintigraphie erfolgen. Beides sind schonende Verfahren und machen eine Herzkatheteruntersuchung unter Umständen überflüssig. Eine Herz- Computertomographie ist dagegen nur sehr selten angezeigt. Die Untersuchung hat eine relevante Belastung mit Röntgenstrahlen und verursacht hohe Kosten, die Ergebnisse sind oft schwer zu deuten und am Ende steht dann doch zumeist eine Herzkatheteruntersuchung.

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte unverzüglich die 112 angerufen werden. Im Zweifel sollten Sie immer sofort Hilfe rufen. Nicht warten oder den Arzt schonen wollen, weil es zum Beispiel Nacht oder Feiertag ist. Das ist Rücksicht am falschen Platz! Nehmen Sie auch beim Herzinfarkt nicht den Umweg über den Hausarzt, da dies nur wertvolle Minuten vergeudet. Rufen Sie direkt den Rettungswagen und den Notarzt. Wenn möglich sollten vorhandene Unterlagen zu Erkrankungen mitgebracht werden sowie alle Medikamente, die Sie einnehmen.

Die beste Vorsorge: ein gesunder Lebensstil

Eines haben aber auch beim Herzinfarkt Männer und Frauen gemeinsam: die Risikofaktoren. Diese sind Rauchen, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht, Bluthochdruck, Bewegungsmangel sowie unverarbeiteter Stress. So haben Diabetikerinnen ein sechsfach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt. Die beste Vorsorge gegen den Herzinfarkt ist ein gesunder Lebensstil. Frauen sollten sich bewusst sein, dass ihr Herzinfarktrisiko ab etwa 65 Jahren zunehmend ansteigt. Daher sollten sie die Risikofaktoren in den Griff bekommen: das Rauchen aufgeben und auf viel Bewegung und gesunde Ernährung achten. Gewichtsreduktion und die konsequente Einstellung von Blutzucker und Blutdruck sind ebenfalls sehr wichtige Faktoren.

Adresse

Sana Klinikum Offenbach GmbH
Starkenburgring 66
63069 Offenbach