10. Februar 2017 von Anja Kley in Newsroom
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Brustkrebs – früh erkannt ist er heilbar

Im Interview mit mit Dr. med. Liane Logé, Chefärztin der Frauenklinik und Leiterin des Brustkrebszentrums Hof

Brustkrebs ist mit etwa 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland.

Wird der Tumor in einem frühen Stadium erkannt und behandelt, liegen die Heilungschancen bei nahezu 90 Prozent. Die Brustkrebsbehandlung erfordert eine intensive Zusammenarbeit der verschiedenen Fachabteilungen. Das Brustkrebszentrum im Sana Klinikum Hof bietet Betroffenen das komplette Leistungsspektrum der Diagnostik und Therapie von Brustkrebs. Dr. med. Liane Logé, die Chefärztin der Frauenklinik und Leiterin des Brust-krebszentrums Hof, erklärt die Vorgehensweisen und die Abläufe der Behandlung.

Mit welchen Anliegen richten sich die Patientinnen an Sie?
Dr. Logé: Die Frauen kommen zum Großteil mit Überweisungen von niedergelassenen Gynäkologen zu uns, teilweise auch mit einem Tastbefund, den sie selber bemerkt haben. Oder als Zuweisungen aus dem Mammografie-Screening mit bereits gesicherter Diagnose einer bösartigen Brusterkrankung.

Was erwartet die Patientin?
Dr. Logé: Es ist wichtig, dass die Frauen verstehen, was wir mit ihnen machen. Liegt ein gesichertes Karzinom aus dem Mammographie-Screening vor, stellen wir die Therapieplanung auf und erklären ihnen die Operation. Das Ziel ist eine brusterhaltende Operation, die in den meisten Fällen realisiert werden kann. Wichtig ist ein zeitnaher Behandlungstermin innerhalb von zwei bis drei Wochen. Nichts ist schlimmer als Warten, besonders in einer solchen emotionalen Ausnahmesituation. An dem Tag des Eingriffs ist es für die Patientinnen spürbar, dass etwas für sie getan wird. Im anderen Fall kommt die Betroffene mit einem unklaren Befund zu uns. Die Mammografie ist meist schon durch die niedergelassenen Radiologen durchgeführt worden, mit denen wir im Rahmen des Brustkrebszentrums Hof eng kooperieren. Danach erstellen wir eine Anamnese-Erhebung, mit anschließender Tastuntersuchung und einem hochqualifizierten Ultraschall. Außerdem wird eine Stanzbiopsie, bei der in lokaler Betäubung Gewebe entnommen wird, zeitnah durch uns durchgeführt.

Und wie geht es dann weiter?
Dr. Logé: Wöchentlich findet unsere interdisziplinäre Prä- und Posttherapeutische Tumorkonferenz statt, in der alle Spezialisten der verschiedenen Fachabteilungen zusammenkommen und sich die Mammografiebilder, die Ultraschallbilder und das Stanzbiopsie-Ergebnis anschauen. Nach gemeinsamer Abstimmung wird dann für die jeweilige Patientin eine ganz individuelle Empfehlung zur weiteren Therapie ausgesprochen.

Gibt es spezielle vorstationäre Sprechstunden?
Dr. Logé: Ja, die vorstationäre Brustsprechstunde. Die Anmeldung erfolgt über das Sekretariat der Frauenklinik, Telefon: 09281 98-2400.

Gibt es Selbsthilfegruppen, an die sich Patientinnen wenden können?
Dr. Logé: Ja, wir kooperieren mit der Selbsthilfegruppe Frauenkrebs, die von Erika Mohr geleitet wird, und Margarete Jahn der Leiterin der Beratungsstelle der Bayerischen Krebsgesellschaft. Die Beratungsstelle gewährleistet für das Sana Klinikum Hof außerdem eine psychoonkologische Mitbetreuung der Patientinnen. Zudem befindet sich im Sana Klinikum Hof der psychoonkologische Dienst der Bayerischen Krebsgesellschaft, der einen Erstkontakt bereits während des stationären Aufenthaltes und in unserer Chemotherapie-Ambulanz herstellt, wenn es unsere Patientinnen möchten.

Was ist das Besondere am Brustkrebszentrum Hof?
Dr. Logé: Im Brustkrebszentrum Hof arbeiten wir nach den Qualitätskriterien für Brustzentren, die von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie (Brust-Heilkunde) formuliert sind. Für die Frauen ist es wichtig zu wissen, dass ich zusätzlich zu meiner Facharztanerkennung als Frauenärztin noch die spezielle Zusatzbezeichnung „gynäkologische Onkologin“ besitze. Dies ist sozusagen eine weitere Facharztanerkennung, für die man im Anschluss an die Facharztprüfung zur Frauenärztin noch mehrere Jahre in der operativen und medikamentösen Behandlung von Krebspatientinnen ableisten muss, und die nach erfolgreicher Prüfung bei der Landesärztekammer verliehen wird. Zusätzlich habe ich eine Zusatzausbildung in der Mammasonographie, bin Mitglied in der DEGUM (Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin), und habe von der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns die Ermächtigung für die ultraschallgesteuerten stanzbioptischen Brustabklärungen und für die Durchführung der Chemotherapie übertragen bekommen. Somit können wir den Frauen auch eine ganz persönliche Behandlung von Diagnosestellung bis zum Ende der Therapie anbieten, was unsere Patientinnen sehr schätzen. Hier im Sana Klinikum Hof haben wir alle an der Behandlung der Frauen beteiligten Fachabteilungen und den psychoonkologischen Dienst der Bayerischen Krebsgesellschaft „unter einem Dach“ vereint und können so unseren Patientinnen eine optimale interdisziplinäre Behandlung bieten. Außerdem haben wir mit PD Dr. Dr. med. Elias Polykandriotis einen exzellenten plastischen Chirurgen hier im Sana Klinikum Hof. Er ist auf den Brustwiederaufbau mit speziellen Lappenplastiken spezialisiert, die ansonsten im weiteren Umkreis in dieser Form nicht angeboten werden. Sollte ein Wiederaufbau der Brust gewünscht sein, dann erfolgt die Terminvereinbarung über das Brustkrebszentrum. Am 15. Februar 2017 – werden wir in Kooperation mit der Frankenpost – um 19:00 Uhr im Central Kino Hof einen Informationsabend für Patientinnen, Angehörige und Interessierte anbieten.

Wie erkenne ich, ob ich mich bezüglich der Behandlung meines Brustkrebses, in guten Händen befinde?
Dr. Logé: Die Behandlung des Brustkrebses ist heute sehr differenziert und gehört in die Hände von Experten. Ein gynäkologischer Onkologe verfügt in der Regel über die-se Expertise, wobei qualitätssichernde Standards, die in den Behandlungsleitlinien festgeschrieben sind, immer an diejenige Patientin angepasst werden sollten. Fühlt die Patientin, dass sie auch als Frau hinter der Diagnose Brustkrebs wahrgenommen und als einzigartig gesehen wird, dann ist sie in guten Händen.