© iStockphoto/ThinkstockKleiner Patient mit Helm. Im Rahmen der Helmtherapie können damit kindliche Schädelfehlformen erfolgreich nachbehandelt werden.
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Die endoskopische Operationstechnik bei Kindern mit Kraniosynostosen

Schonende Behandlung von Verknöcherungen der Schädelnähte bei Kindern

Ärzte im Klinikum Duisburg wenden bei Verknöcherungen kindlicher Schädelnähte ein neues Verfahren an, das nur in wenigen deutschen Kliniken zum Einsatz kommt.

Als Kraniosynostose bezeichnet man die Verknöcherung von Schädelnähten bei Kindern, die mit einer Schädelfehlform einhergehen. Die Ursache dafür kann angeboren sein – ohne weitere Fehlbildungen des Körpers –, oder aber im Zusammenhang mit Syndromen und anderen Fehlbildungen stehen.

Zu den typischen Kopffehlformen zählen beispielsweise der „Kahnschädel“ oder der „Turmschädel“. Beim Kahnschädel ist der Kopf des Kindes langgestreckt wie ein Boot und beim Turmschädel geht er in die Höhe. Je nach Fehlform sind unterschiedliche Schädelnähte verknöchert: beim Kahnschädel etwa die Sagittalnaht in Längsrichtung in der Mitte des Kopfes und beim Turmschädel die Coronarnähte beidseitig an der Schläfe.

Die sogenannte metopische Synostose, auch „Dreiecksschädel“ (Trigonocephalus) genannt, ist aus medizinischer Sicht besonders interessant: Bei Kindern mit Dreiecksschädel ist die Stirn dreieckig nach vorne verwachsen und die Augen stehen sehr eng. Diese kleinen Patienten muten ein bisschen an wie Klingonen aus der Serie „Raumschiff Enterprise“.

Die Klinik für Neurochirurgie und Kinderneurochirurgie des Klinikum Duisburg verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Behandlung von Kindern mit Verknöcherungen von Schädelnähten.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Fehlformen des Kopfes, die durch „Lagerung“ entstehen können. Beim Plagiocephalus handelt es sich z. B. um eine einseitige Abplattung des Schädels am Hinterkopf. Er kann in der Regel durch konsequente Seitlagerung des Kinders und in ausgeprägten Fällen mit der so genannten Helmtherapie behandelt werden. Die Diagnostik erfolgt klinisch und in den meisten Fällen mittels Ultraschall, mit dem die Verknöcherung bewiesen werden kann. Somit ist der Einsatz der Computertomographie nur noch in seltenen komplizierten Fällen notwendig. Bei kleinen Kindern ist es besonders wichtig, dass sie Röntgenstrahlen so wenig wie möglich ausgesetzt werden.

Kahnschädel, Turmschädel und Dreiecksschädel wurden bis dato klassisch chirurgisch durch umfangreiche Resektion, d. h. durch operative Entfernung, der betroffenen Naht und des umliegenden Knochens behandelt. Dies erfordert größere Hautschnitte, die dann natürlich auch mit Narben am Kopf einhergehen.
So war das Bedürfnis groß, nach minimal-invasiven Operationstechniken zu suchen. In den USA gelang dies durch den Neurochirurgen Dr. Jimenez, der ein Verfahren vorstellte, mit dem man unter endoskopischer Sicht über sehr kleine Schnitte ebenfalls eine Resektion der Schädelnähte durchführen kann. Das Verfahren hat die besten Erfolgsaussichten, wenn es früh, d. h. zwischen der 6. und 8. Woche nach der Operation, angewandt wird. Danach werden die Kinder für mindestens vier Monate mit einem speziellen Helm nachbehandelt, der die Kopfform des Kindes quasi von außen formt.

Im Klinikum Duisburg steht dieses neue endoskopische Verfahren seit 2012 zur Verfügung. Seitdem wurden einige Kinder mit einseitiger Coronarnaht-Synostose und metopischer Synostose erfolgreich endoskopisch behandelt. Über einen kleinen Einschnitt wird die Haut „ausgehöhlt“ und das Spezial-Endoskop in die so geformte Höhle eingeführt. Unter ständiger Spülung wird daraufhin der Knochen mit speziellen Instrumenten abgetragen – unter sorgfältigem Schutz der Hirnhaut, die nicht verletzt werden darf. Das Verfahren ist effektiv, wenn es früh angewandt wird und die Nachbehandlung konsequent mit dem Helm erfolgt. Meist kommen die Eltern mit den Kindern aber zu spät, also erst nach ca. 2-3 Monaten. Dann wird weiter das bewährte Verfahren angewandt, das die Kinder auch sehr gut vertragen.

Der Krankenhausaufenthalt bietet den Familien Rooming-in, d. h. die Mutter bzw. manchmal auch der Vater werden für ca. 3-4 Tage im selben Zimmer mit ihrem Kind aufgenommen. Die Kinder liegen stationär in der Kinderklinik und werden so interdisziplinär von Pädiatern und Neurochirurgen gemeinsam betreut.

Hintergrundinformationen:
Das Neurozentrum des Klinikum Duisburg basiert auf einer engen interdisziplinären Kooperation der Fachabteilungen Neurologie und Neurologischer Frührehabilitation, Neurochirurgie, Neuroradiologie und Neuropädiatrie. Die Kooperation ist dominiert von einer Diskussion der Fälle auf Augenhöhe mit sehr kurzen Reaktionszeiten zur Problemlösung. Dabei steht der Patient mit seiner Erkrankung und seinen Voraussetzungen immer im Mittelpunkt der Zusammenarbeit.

Adresse

Klinikum Duisburg GmbH
Zu den Rehwiesen 9-11
47055 Duisburg